Review

Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer unterscheiden nicht zwischen Arm und Reich und auch bei einer Pandemie ist es dem Virus gleich, wie wohlhabend der Träger sein mag. Insofern ist die Prämisse im vorliegenden Abenteuer eine taugliche Basis für bissige Gesellschaftskommentare, die in der zweiten Filmhälfte leider komplett fallen gelassen werden.

Laura (Mary Elizabeth Winstead) ist Produzentin für eine Streaming-Plattform und jettet unermüdlich durch die Welt, weshalb sie nur am Rande registriert, wie mehr und mehr wohlhabende Menschen urplötzlich das Zeitliche segnen. Irgendwann kommt ihr der Gedanke, dass auch sie von dem tödlichen Virus getroffen werden könnte und tritt gemeinsam mit ihrer Familie die Flucht aus Europa an…

Die Einleitung nutzt Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia („Der Schacht“) für einen grimmigen Tauchgang ins Haifischbecken der Filmindustrie. Oberflächlichkeiten werden überspitzt, Intrigen beinahe offen ausgetragen und bei alledem erweist sich Laura als Opportunistin, die bei einem Treffen in Alaska auf ihren Boss trifft, der bereits einige Andeutungen in Sachen Reichtum und Fluch macht. Wobei nie erklärt wird, warum es ausnahmsweise nur die Reichen trifft und nach welchen Kategorisierungen die Krankheit ausbricht.

Das Erzähltempo ist angenehm flott, es gibt zahlreiche Schauplatzwechsel und sobald sich jemand infiziert, fühlt man sich unweigerlich ein wenig an „Smile“ erinnert, nur, dass die strahlend weißen Zähne der Opfer den baldigen Tod einläuten. Laura kontrolliert folgerichtig regelmäßig ihr Gebiss auf recht unbeholfene Weise und während die Dekadenten auf dem Golfplatz für Chaos sorgen, jagen andere ihre Yachten in die Luft, um den Reichtum rasch zu verringern.

Auf diese Weise hätte man die Geschichte problemlos fortführen können, doch mit Antritt der Flucht gibt es einen tonalen Break und man setzt nur noch auf Kontraste und Umkehr, denn ab sofort sind Europäer in Afrika unerwünscht. Leider ergeben sich in der zweiten Hälfte viele Wiederholungen, die Spannung flacht ab und trotz weiterer Schauplatzwechsel mit sauberer Ausstattung geht der Faden merklich verloren. Die Pointe lässt zwar kurz aufmerken, doch so nachhaltig, wie man das mit einigem Kitsch anvisiert hatte, wirkt das Finale beileibe nicht.

Das ist schade hinsichtlich der solide aufspielenden Mimen, der tollen Grundidee und dem weitgehend sauberen Handwerk. Die satirischen Momente machen Laune und beinhalten nicht wenige Seitenhiebe, doch mit der zweiten Hälfte tut sich die Angelegenheit keinen Gefallen und büßt eine Menge Potenzial ein.
6 von 10

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