Review

Collage des Lebens…

Mit „Brooklyn“ hat John Crowley meiner Meinung nach einen der besten Liebesfilme der 2010er gemacht und einen Stein in meinem Brett. Einen ziemlich dicken sogar. Noch dazu mag ich Andrew Garfield und Florence Pugh beide extrem, obwohl ich Bedenken hatte, ob die Chemie zwischen den beiden stimmt. Und natürlich auch insgesamt ob Crowley noch immer ein solches Kaliber im Petto bzw. dieses Niveau hat. Doch „We Live In Time“ entkräftet schnell die meisten Befürchtungen und erzählt ziemlich genial sprunghaft, losgelöst, flüssig von einer großen Liebesbeziehung zwischen Leidenschaft, Krankheit und großem Glück…

… und der Zeit…

Der Trailer verrät ja schon recht viel. Vor Klischees (Krebs, Zufall, Kinder, geplante Traumhochzeit, Streit, möglicher Tod und Co.) scheut sich „We Live In Time“ nicht. Aber er weiß sehr wohl, dass es darauf ankommt wie man etwas erzählt, nicht unbedingt was und wie oft etwas schon erzählt wurde… „We Live In Time“ hat etwas von „About Time“, er hat etwas von „Marriage Story“, etwas Traurigkeit und etwas Hoffnung. Die Kombi ist gut. Es gibt eine der erinnerungswürdigsten Geburten der jüngeren Filmlandschaft. Pugh und Garfield harmonieren in ihren Gegensätzen erstaunlich gut. Die sprunghafte und collagenartige Erzählerstruktur hält bei der Stange und immer auf den Zehenspitzen. Mitdenken wird zum Muss. Und selbst wenn so manche wichtige Dinge im Off passieren und so auf den ersten Blick nicht ganz befriedigend wirken können. Lässt man alles jedoch ziehen und wirken, merkt man wie elegant und clever mit und in diesen Aussparungen, Lücken, Blasen gearbeitet wird. Und wie unfassbar wenig Kitsch hier dadurch zustandekommt. Dazu eine feine Bildsprache, ein paar der leidenschaftlicheren Sexszenen und insgesamt ein sehr glaubhaftes, echtes Feeling, in guten wie in schlechten Zeiten. Sodass man Crowley und allen Beteiligten nur beglückwünschen kann. Selbst wenn hier und da ein Quäntchen und das gewisse Etwas vielleicht fehlt. Doch „We Live In Time“ schimmert definitiv nach. 

… nicht ansatzweise so kitschig wie es klingt! 

Fazit: emotionaler, wenn auch trotz seiner Eleganz oberflächlich etwas klischeehafter Lebens- und Liebesfilm der den großen Bogen spannt und die kleinen Dinge dabei jedoch nicht vergisst. Toll gespielt. Fabelhafte Chemie. Habe ich gerne gesehen! 

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