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Ryuhei Kitamuras (Midnight Meat Train, Versus) sechste Regiearbeit "Azumi" basiert auf der Manga-Reihe von Yu Koyama. Er spielt im 17. Jahrhundert zur Zeit der Samurai und beschreibt den Lebensweg der Kriegerin Azumi, welche ihren Feldzug gegen kriegstreibende Fürsten beginnt. In Japan höchst erfolgreich, von Fans heiß begehrt, kann ich mit diesem überlangen Werk leider kaum etwas anfangen. Zwei Jahre später folgte das Sequel, welches storytechnisch direkt an das Original anknüpft.

Der Samura Gessai (Yoshio Harada) versammelt einige elternlose Kinder um sich und bildet sie in totaler Abgeschiedenheit zu Kriegern aus. Doch plötzlich werden sie aus ihrer Umgebung gerissen, denn sie haben eine Mission zu erfüllen. Vorher müssen sie Paare bilden und gegen ihren besten Freund antreten, der Sieger darf mit auf die Mission, der Verlierer lässt sein Leben. So macht sich Gessai mit Azumi (Aya Ueto) und vier weiteren Schülern auf, um gegen einen Fürsten anzutreten, der einen Krieg anzetteln will. Doch die Schüler hinterfragen ihre Mission und so kommt es, dass die kleine Gruppe sich trennt. Bald ist nur noch Azumi übrig, um den Krieg abzuwenden.

Auf dramatischer Ebene hat Kitamura wirklich gute Arbeit geleistet, zu Beginn sehen wir ein kleines Mädchen neben seiner toten Mutter sitzen, als ein alter Mann mit einer Gruppe von Kindern vorbeikommt. Er nimmt sich des kleinen Mädchens an, vom Training der Gruppe bekommen wir kaum etwas zu sehen. Stattdessen gibt es einen großen Sprung und wir sehen die Kinder schon als Erwachsene in den Wäldern trainieren. Doch bevor es auf die Mission geht, welche den Schülern unbekannt ist, kommt eine Schlüsselszene des Films, welche von Kitamura sehr intensiv auf Zelluloid gebannt wurde. Es werden Paare gebildet und man kämpft gegeneinander bis zum Tod. Kitamura beginnt sein Actiondrama mit Tempo und höchst dramatischen Momenten, doch sobald es in die weite Welt hinaus geht, verkommt sein "Azumi" zu einer typischen Schlachterei, die nicht immer gute Kampfszenen zu bieten hat. Vorher müssen die Schüler mitansehen, wie ein ganzes Dorf niedergemetzelt wird, ohne eingreifen zu dürfen, natürlich hinterfragen sie bald ihre Mission, was immer wieder zu Diskussionen führt. Und überhaupt ist "Azumi" zwischen den langen Kämpfen meist sehr zäh, so verliebt sich ein Schüler in eine Artistin, zwischendurch versucht Azumi mit dem Töten aufzuhören und um die Gruppe um Gessai aufzuhalten, holt man noch einen völlig überdrehten Meisterkämpfer aus dem Knast, der mit seiner Schminke und weissem Gewand total lächerlich aussieht. Zudem sorgt er mit seinem theatralischen Auftreten oft für unfreiwillige Komik.

Auch tritt bald ein dickes Problem auf, selbst die Kämpfe werden langweilig, weil sie alle immer gleich ablaufen. Azumi und die anderen Krieger fräsen sich mit ihren Schwertern durch ganze Gegnermengen, springen dabei meterhoch durch die Lüfte und bekommen nur selten einen Kratzer ab. Der rote Lebenssaft spritzt in ganzen Fontänen durch die Luft, die Wunden oder abgehackte Körperteile sind nur seltenst zu sehen, das wäre auch mächtig viel Arbeit gewesen, denn der Bodycount geht schon ins Extreme. Aber das Ganze ist in keiner Szene ernst zu nehmen und so übertrieben, dass es schon an der Parodie grenzt. Vor allem wenn die zierliche Azumi im Finale gar gegen eine Übermacht von Gegnern antritt, die immer schön brav warten bis sie an der Reihe sind. Die Qualität der Kampfszenen ist schwankend, nicht jeder Darsteller beherrscht den Umgang mit dem Schwert und so haut man seine Gegner immer mit den selben Bewegungen weg. Manchmal ist weniger eben mehr, nur im Finale ist Abwechslung geboten, denn hier kommen noch andere Waffen zum Einsatz. Während der Score prima untermalt, können die Kulissen nicht immer überzeugen. Manchmal sieht es aus, als wäre man im stadtnahen Laubwald unterwegs gewesen, doch dann gibt es wieder Sets, die wirklich aufwendig gemacht wurden. Die Darsteller hauen dafür nicht vom Hocker, Pop-Sängerin Aya Ueto (Surely Someday, Azumi 2) ist der Wolf im Schafspelz, sie sieht so verletzlich und unschuldig aus, eigentlich die ideale Besetzung, auf jeden Fall spielt sie die restliche Riege locker an die Wand, deren Leistungen reichen vom unteren Durchschnitt bis höchstens Durchschnitt.

Ich konnte mit "Azumi" nicht viel anfangen, obwohl die Dramatik größtenteils nicht aufgesetzt wirkt. Aber das Ganze ist extrem übertrieben, nimmt sich aber in jeder Szene bierernst und die vielen Kampfszenen wirken nur selten spektakulär. So bleibt ein hoher Bodycount, literweise Kunstblut, ein paar schlechte CGI-Effekte und massig Kampfszenen. Doch die wirken mit der Zeit zu eintönig, auch die Darsteller konnten mich nicht wirklich überzeugen.

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