Auch wenn sich Kitamuras „Azumi“ als ganz nettes Samuraifilmchen präsentiert, so kann ich den ganzen Hype um den Film doch nicht ganz nachvollziehen.
Eine Gruppe von zehn Kindern wird von einem alten Meister großgezogen und seit frühester Jugend darauf trainiert zu den besten Assassinen des antiken Japan heranzureifen. Dabei sollen sie ihre Gefühle vergessen, weshalb sich die letzte Prüfung auch derart gestaltet, dass sie ihr Können in tödlichen Duellen gegeneinander beweisen müssen – woraufhin die Truppe auf fünf Schüler plus Meister schrumpft. Schon bereits zu Beginn verschwendet der Film recht viel Zeit auf die Ausbildung, die trotz diverser Kämpfe eher uninteressant daherkommt, weshalb der Film hier viel an Tempo auf der Strecke lässt.
Nach dieser letzten Prüfung will der Meister seine fünf Schützlinge, zu denen auch die junge Azumi (Aya Ueto) gehört, zu ihrer eigentlichen Aufgabe führen: Um den Frieden im Lande zu wahren, sollen sie drei Warlords töten, die den Frieden bedrohen. Opfer Nr. 1 ist schnell ausfindig gemacht und wird mitsamt Leibgarde fachgerecht niedergeschnetzelt. Das ist wirklich sehr actionreich anzusehen, denn die Kampfszenen sind klar die Hauptattraktion von „Azumi“ und lassen an sich nichts zu meckern.
Bei Warlord Nr. 2 gestaltet sich die Sache jedoch etwas schwerer. Zwar überfällt die Truppe planmäßig den Feldherren und streckt ihn mitsamt Leibwache nieder, doch es stellt sich heraus, dass man lediglich einen Doppelgänger geplättet hat. So hetzt der richtige Warlord den Assassinen nun seinerseits skrupellose Killer auf den Hals...
Ryuhei Kitamuras Versuch nun ein Epos auf die Beine zu stellen ist trotz der epischen Lauflänge von rund 150 Minuten und der historischen Storyline nur teilweise gelungen. Denn das beeindruckte Gänsehaut-Feeling großer Epen will sich nicht so recht einstellen, da der Film zwar um einiges teurer daherkommt als „Versus“, aber dennoch meist irgendwo in der verlassenen Botanik spielt. Zudem kann sich Kitamura nicht ganz von seinem „Versus“-Humor lösen und so sind einige im „Versus“-Stil gehaltene Szenen doch sehr unpassend und geschmacklos im Gesamtzusammenhang (z.B. das fröhliche Niedermetzeln der Schaustellertruppe ist reichlich undramatisch und zeugt von geschmacklosem Humor). Auch der schwuchtelig daherschwätzende Killer wirkt zu klamaukig und stört den epischen Charakter des Films.
Ansonsten ist die Handlung ganz ordentlich erdacht und bietet zwar nur wenige Wendungen, hat aber auch nur stellenweise wirkliche Längen. Hier wäre der vor allem Anfang zu nennen, der einfach zu ausgewalzt ist. Über die restliche Länge hinweg erreicht der Film ein immerhin solides Maß an Spannung. Die Wendungen der Geschichte überraschen nur teilweise, sind aber nie unglaubwürdig. Vor allem als die scheinbar unbesiegbare Attentäter-Truppe um Azumi in Gefahr gerät und sich zudem untereinander zerstreitet, kann der Film fesseln – leider ein wenig zu spät.
So sind es vor allem die Kampfszenen, die den Film dann aufwerten und ihm eine gewisse Faszination verleihen. Dabei handelt es sich um Schwertkämpfe im übertriebenen Eastern-Stil, doch die Kämpfer fliegen und fighten ziemlich spektakulär, so dass auch Actionfans ohne Hang zum Eastern einen Blick riskieren dürfen. Die Kämpfe sind alles in allem auch ziemlich gut über den Film verteilt, so dass selten Durststrecken auftreten und auch die Inszenierung der Kämpfe weiß zu gefallen. Dabei bin ich persönlich eher ein Fan handgemachter Action, aber die Fights in „Azumi“ haben mir trotzdem zugesagt.
Die Darsteller sind allesamt ganz OK, auch wenn keiner von ihnen eine Meisterleistung vollbringt. Doch sie verkörpern ihre Rollen recht überzeugend und mit der nötigen Zurückhaltung. Nur wenige Ausnahmen (z.B. die Killerschwulette) chargieren so übertrieben wie die Charaktere in dem reichlich abgedrehten „Versus“.
Die Kämpfe von „Azumi“ sind wirklich vom Feinsten, doch Kitamuras Versuch im Gegensatz zu „Versus“ eine richtige Handlung aufzubauen ist nicht ganz geglückt, da die Story nicht episch genug ist und über die Laufzeit ein paar Längen auftreten. 6,5 Sterne meinerseits.