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Uha, mein erster Kitano. Sein hervorragender Ruf eilt dem Wunderkind des japanischen Kinos weit voraus. Mit „Zatôichi“ nahm er sich der legendären Reihe um den titelgebenden Samurai, die seit 14 Jahre keine Fortsetzung mehr erfuhr und zudem stets von Shintaro Katsu verkörpert wurde, an. Ein schwieriges Erbe, dass es da also anzutreten galt – verschärft durch die Tatsache, dass Takeshi Kitano sich auch noch für Drehbuch und Regie verantwortlich zeigte.

„Zatôichi“ ist in Bild, Ton und vor allem Schnitt ein zutiefst ökonomischer Streifen, der von einer unglaublichen innerlichen Ruhe geprägt wird. Die, mal abgesehen vom CGI-Blut, durchweg altmodische Inszenierung lässt sogar bei Genreneulingen, wie mir, Nostalgie aufkommen. Der eigenartige Mix aus klassischen Easternelementen, Humor und Drama ist zwar etwas unzugänglich, überzeugt jedoch mit seiner Harmonie. Der nur sehr sparsame Einsatz eines Scores vermittelt zudem sehr viel Natürlichkeit.

Zatôichi ist nicht das, was man sich unter einem Samurai vorstellt. Er ist blind, gealtert, wirkt mitunter gebrechlich und hat auch nicht die majestätische Ausstrahlung. Wie sich herausstellt, soll das Äußere aber täuschen, denn er ist nicht nur ein begnadeter Schwertkämpfer, sondern auch noch ein hervorragender Masseur.
Dieses „Traue deinen Augen nicht“ – Thema (ähnlich dem in „Blade Runner“ oder E.T.A. Hoffmans Roman „Der Sandmann) greift Kitano mehrmals auf und macht daraus so etwas wie eine Binsenweisheit. Zwei später auftretende, auf Rache sinnende, Zwillingssschwestern sind beispielsweise auch nicht, was man auf den ersten Blick erwartet.

Hauptsächlich spielt sich „Zatôichi“ in einem kleinen Dorf ab. Der umherziehende Titelgeber macht dort einen Zwischenstopp und quartiert sich bei einer älteren Frau vorübergehend ein – natürlich ohne gentleman-like dafür eine Gegenleistung zu erbringen (Massage). Er ist nun aber in keinem Fall das Paradebeispiel eines japanischen Samurai, der nur seinem Dienst frönt, sondern selbst seine Fehler und Laster (beispielsweise das Glücksspiel) hat und nicht auf Teufel komm raus, trotz seiner ihm bewussten Überlegenheit, mit jedem anlegen muss.

Doch als er von den Machenschaften eines das Dorf terrorisierenden Gangsterbosses erfährt, kann er sich das Leid der Bewohner nicht mehr mit ansehen (Ja, ich weiß –Blöde Wortwahl). Die fast durchweg schnell beendeten Konflikte glänzen zwar nicht mit spektakulären Choreographien, sind dafür jedoch blutrünstig (die üblichen Blutfontänen) und konsequent umgesetzt worden. Das dabei verwendete CGI-Blut ist angesichts des sonstigen Komplettverzichts auf digitale Tricks zwar etwas befremdlich, stört den Filmgenuss aber nur marginal.

Takeshi Kitano geht seine Rolle mit Ehrfurcht an, vergisst dabei jedoch nicht ihr seinen eigenen Stempel aufzudrücken und ist damit mehr als eine Kopie vergangener Samurai-Figuren. Insbesondere die bei mich leider kaum berührenden Anflüge von Humor (das halbnackte, wild schreiende Samurai-Kind fand ich schlichtweg albern) sprechen eine deutliche Sprache. Ob die zum Schluss anzutreffende Musical-Einlage nun in das Genre gehört, vermag ich als Eastern-Noob nicht zu klären. Etwas gewöhnungsbedürftig und eigenartig war diese Idee jedenfalls schon.

Hauptmanko ist Kitanos fasrige Erzählweise, die sich zu oft in Subplots verliert und dann Mühe hat zu der anvisierten Revolte zurückzukehren. Einerseits gibt das Anlass auch unwichtigere Nebencharaktere auf das Ausführlichste vorzustellen, anderseits stiehlt sich der Film damit seine ohnehin nicht sonderlich hohes Tempo.


Fazit:
Weder enttäuschender, noch überragender Easternbeitrag, der mit seiner klassischen Inszenierung und einem hervorragenden Hauptdarsteller punkten kann, dafür jedoch aufgrund seiner zu ausschweifenden Erzählweise Boden verliert. Trotz einiger exzentrischer Eigenheiten (Humor, Musikeinlagen) auch für einen Eastern-Noob wie mich durchaus konsumierbar.

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