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„Zatoichi – Der blinde Samurai“ ist der neue Film von Takeshi Kitano, der mal wieder abseits ausgetretener Pfade wandelt.
Der blinde Zatoichi (Takeshi Kitano) sieht an sich harmlos aus, ist aber in Wirklichkeit brandgefährlich. In seinem Gehstock steckt ein Schwert und mit Hilfe seines Gehörs erweist er sich als exzellenter Kämpfer im Umgang damit. Dies müssen auch ein paar Wegelagerer feststellen, die ihm das Schwert von einem Jungen klauen lassen, aber dennoch von Zatoichi verhackstückt werden, gerade als sie ihn verspotten wollen. Zwar erinnert die Figur des Zatoichi stellenweise an „Blinde Wut“, aber der Mythos des blinden Schwertkämpfers stammt aus dem japanischen Mittelalter.
Zatoichi hilft einer Dorfbewohnerin beim Tragen und darf bei ihr übernachten. Von der Frau erfährt er bald, dass es nicht gut um das Dorf steht: Eine Horde von Banditen hat die Herrschaft übernommen und nimmt den Bewohnern horrende Schutzgelder ab. Zudem hat sich letztlich auch noch ein ausgesprochen kampfgewandter Ronin bei der Truppe verdingt. Die Geschichte des unterdrückten Dörfchens ist zwar bekannt und durch alle Genres durchdekliniert worden, aber Kitano macht mit „Zatoichi“ etwas ganz eigenes daraus.

Zatoichi besinnt sich jedoch auf die Werte und Pflichten eines Samurai und beginnt sich im Dorf umzuhorchen. Schnell findet er mehr über die Banditenhorde heraus und beginnt kaum merklich an deren Position zu sägen, um einen Sieg der Gerechtigkeit zu ermöglichen…
„Zatoichi“ ist ein ganz eigener Asienmix mit Elementen von Drama, Eastern, Komödie usw., was ein paar Erinnerungen an Kitamuras „Azumi“ hervorruft. Wie auch „Azumi“ krankt „Zatoichi“ an dem etwas unausgegorenen Mix, wobei Kitamuras Werk aufgrund der ausgiebigen Kämpfe etwas besser dasteht. Dennoch kommt auch „Zatoichi“ nicht ohne selbige aus und präsentiert ein paar ziemlich gut choreographierte Fights. Die Menge ist nicht allzu groß, aber da es kein reiner Actionfilm stört dies nicht. Die stellenweise total unecht wirkenden CGI-Bluteffekte hingegen schon, denn einige Szenen sehen sehr fake aus und es gibt auch diverse Anschlussfehler (Blutspritzer hinterlassen keine Spuren etc.).
Die Story beruht zwar auf einem simplen Grundkonstrukt und lässt auch Tempo vermissen, aber langweilig ist „Zatoichi“ auf keinen Fall. Durch die facettenreiche Erzählstruktur und die Einführung weiterer zentraler Charaktere mit wichtiger Vergangenheit außer Zatoichi kann der Film immer wieder fesseln, auch wenn der Hauptplot dabei etwas kurz kommt. Erst zum Ende laufen die Subplots mit dem Haupterzählungsstrang von der Dorfbefreiung zusammen und bilden ein Ganzes. Ab und zu schießt Kitano jedoch zu weit übers Ziel hinaus und vernachlässigt den Hauptplot zu sehr, was dann immer zu kleineren Hängern führt.

Dafür erreichen die Charaktere die bei Kitano gewohnte Tiefe, wobei nicht nur gute Charaktere wie Zatoichi und seine Mitstreiter, sondern auch Kontrahenten wie der Ronin beleuchtet werden. Stellenweise versucht Kitano aber auch noch Humor dazuzumengen und das geht ab und zu schief. So hat der Charakter des Nachbarssohnes, der als Möchtegernsamurai schreiend und halbnackt um die Hütten rennt, leider keine Funktion außer ein paar sehr vordergründige Lacher zu produzieren. Immerhin die Gags, wenn der blinde Zatoichi unterschätzt wird, können zu einem stellenweise sehr hinterlistigen Lachen animieren.
Kitano ließ es sich nicht nehmen wie so oft die Hauptrolle zu spielen und agiert ziemlich überzeugend. Auch die Nebendarsteller agieren sehr charismatisch und können den Tiefgang ihrer Charaktere sehr gut rüberbringen, weshalb der Film schauspielerisch für asiatische Verhältnisse auf recht hohem Niveau liegt.

So bleibt ein wilder Genremix, der zwar über dem Durchschnitt liegt, aber gerade durch seine Mischung zu vieler Einzelaspekte an Überzeugungskraft verliert.

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