ZATOICHI erzählt die Geschichte folgender Hauptcharaktere :
- einem herrenlosen Samurai, der Mitglied in einer Gang wird, die durch Schurkereien wie Schutzgelderpressungen die ganze Stadt tyrannisiert
- einem spielsüchtigen Pechvogel, der sein ganzes Geld beim Würfeln verpulvert
- einem Geschwisterpärchen, das Rache an der Ermordung seiner Eltern nehmen will
- und dem Schwertkämpfer Zatoichi (gespielt von T. Kitano), der getarnt als blinder Masseur durchs Land reist und praktisch das Schicksal aller oben genannter (auf irgendeine weise ...)beeinflusst
Folglich kreuzen sich die Wege der Protagonisten in einem Dörfchen im alten Japan und wir als Zuschauer dürfen ihrer gemeinsam verbrachten Zeit beiwohnen.
Alle Charaktere, besonders die der beiden Geschwister, sind sehr schön herausgearbeitet, wobei auch vereinzelt auf ihre Vorgeschichte und somit auf ihre Motive eingegangen wird,
allerdings lässt genau die Rolle des Titelhelden Zatoichi in diesem Punkt zu wünschen übrig.
Eine genaue Angabe über dessen Herkunft und der Grund seiner Reise werden nur angedeutet oder bleiben völlig aus (da ich den Film erst einmal gesehen hab, kann ich nicht ausschließen, dass das an Aufmerksamkeitspausen meinerseits liegt ...).
Wenn Zatoichi am Schluss des Films seine Reise allein fortsetzt, schaut man daher ein bisschen blöd aus der Wäsche und lässt auf eine eventuelle Fortsetzung (Teil 2 ???) hoffen, die seine Geschichte fertig erzählt.
Der Film wirkt beim erstenmal Sehen sehr komplex und unzugängig, was weniger an den häufigen Rückblenden als an dem scheinbar nicht chronologischen Ablauf der Szenen liegt. Man fühlt sich zwischen den Geschehnissen hin- und hergerissen, wobei die Szenenübergänge gefühlsmäßig einfach nicht harmonisch sind.
Ein weiteres (meines Erachtens großes) Manko des Films sind seine unglaublich schlecht gemachten, digital erarbeiteten Bluteffekte, die die Brillianz eines "Okami"s oder meinetwegen sogar eines "Kill Bill"s nur erahnen lassen, was obendrein schade ist, da der Film eine Vielzahl an Kampfszenen bietet, die das Potenzial zu mehr hätten.
Zu guter letzt wird bei ZATOICHI auch gänzlich auf die Takeshi-typische Traurigkeit und Melancholie, wie in "Hana-Bi" und "Sonatine", verzichtet, was aber nicht heißt, dass ZATOICHI oberflächlich geraten ist, sondern dass Takeshi hier mal in eine für ihn untypische Rolle schlüpft (was allerdings seine neue Frisur schon etwas andeutet ..)
Der für ihn typische Humor kommt hier tragender zur Geltung und ist sehr gut ins Geschehen eingebaut und umgesetzt.
Ein weiterer Plus-Punkt ist auch der Soundtrack und dabei besonders der Einsatz der "Band" bestehend aus einige Statisten, die immer wieder im Film auftauchen und mit diversen Werkzeugen, wie Hämmern und Harken, zur Filmmusik passende Geräusche beisteuern.
Außerdem schließt der Film mit einer finalen, großen Tanzeinlage, in welcher sich einige der aufgetreten Charaktere das Tanzbein schwingend verabschieden (ähnlich dem Verbeugen der Schauspieler am Schluss eines Theaterstücks), welche sehr gelungen ist.
Außerdem besticht ZATOICHI durch seine wunderschöne, ruhige Optik mit viel Liebe zum Detail, die durch perfekt getimete, ruppige Schnitte unterbrochen wird.
Fazit :
Trotz der Tonnen von mir beschriebener Mängel ist ZATOICHI trotzdem immer noch gut für einen gemütlichen Kinoabend und besser als so mancher Mainstream-Mist diesen Sommer (siehe "Catwoman")
Ich als großer Kitano-Fan war zwar nicht enttäuscht, trotzdem schwärm ich insgeheim doch noch von dem einen Kinobesuch, bei dem es "Brother" geschafft hat mich über alle Maßen zu faszinieren.
Daher : Leider definitiv kein Meisterwerk.