Review

Story:
Kenji (Tadanobu Asano) ist ein ruhiger und sehr akurater Zeitgenosse aus Japan. Er arbeitet als Bibliothekar in Bangkok, seine Kleidung sitzt tadellos, seine Wohnung ist bis in den letzten Winkel sortiert, wenn auch überwiegend mit Büchern. Er liest viel über Philosophie und grübelt über den Sinn und Unsinn des Lebens. Er glaubt, dass ihm im Tod etwas wunderbares geschehen wird. Nur will ihm der Selbstmord nicht gelingen. Immer wieder platzen andere Menschen in seine geordnete Welt: Erst unterbricht ihn sein krimineller Bruder beim Erhängen, dann wird dieser in seiner Wohnung von einem "Freund" erschossen und schließlich holt ihn der Unfalltod der jungen Nid vom Brückengeländer.
Die Szene ist auch der Augenblick, wo er mit ihrer Schwester Noi (Sinitta Boonyasak), die auch Zeugin des Unfall wurde, in Kontakt kommt. Erst halten beide nicht allzu viel von einander, doch langsam kommen sie sich näher und Kenji zieht bei Noi ein, schließlich stinkt es in seiner eigenen Wohnung auch zu sehr nach den beiden Leichen.
Doch wie soll es weiter gehen, wenn Noi beruflich bedingt in ein paar Tagen Osaka, in Kenjis alte Heimat, in die er nicht zurückkehren kann, fliegen wird?


Kritik:
Regisseur Pen-ek Ratanaruang drehte mit Kameramann Christopher Doyle (Hero, In the mood for love) und dem japanischen Schauspielstar Tadanobu Asano (Zatochi). Beide Personen erweisen sich als perfekte Wahl, so spielt Asano seine Rolle einfach genial und überzeugend und Doyle, der mit seiner Vorliebe für gedeckte Farben und langsame Kamerabewegungen seit mittlerweile zwei Jahrzehnten das asiatische Arthouse-Kino nachhaltig prägt.

So schafften sie es durch lange, ruhige Bilder und verhältnismäßig wenig Dialoge aus der dramatischen Handlung von Last Life In The Universe einen atmosphärischen, romantisch-verträumten Leckerbissen für die Augen zu machen, der reale Momente immer wieder mit surrealem, Traum und Einbildung mit der Wirklichkeit vermischt. Für lockere Aufheiterung und einigen Lachern bei mir sorgte dann noch der sehr gut platzierte schwarze Humor.

Spoiler:
- die missglückenden Selbstmordversuche
- Noi sagt, Kenji onaniert sehr viel. Später wacht er mit einer vollgewichsten Hose auf
- Als Kenjis Verfolger in seine von Leichengeruch stinkende Wohnung kommen und er auf dem Klo sitzt und sein Geschäft erledigt
- Ein Yakuza zielt mit seiner Pistole ins Klo
uvm.

Der Film erinnert teils auch an die Werke von Wong Kar-wai. Zudem enthält er Anspielungen auf Asanos Rolle im Kultyakuzafilm Ichi the Killer und dessen Regisseur Takashi Miike selbst, der in einer Nebenrolle als modebewusster Yakuzaboss auftritt. Fand ich ziemlich cool, als ich ihn auf einmal sah - und halt die Rolle... .
Neben Asano, Miike und anderen, die alle sehr überzeugen, möchte ich auch ein Lob an die bezaubernde Sinitta Boonyasak (Noi) aussprechen. Fand ihre Leistung auch klasse und ich finde, sie hat eine Wahnsinns-Ausstrahlung.


Fazit: Ganz großes Kino für Filmgenießer und Fans von Filmen im Stile von Wong Kar-wai, Kim Ki-Duk & Co. Last Life In The Universe schafft den den Spagat zwischen Drama, Komödie und Liebesfilm perfekt. Nur hätte ich mir ein etwas anderes Ende gewünscht, das ist mein einziger Kritikpunkt.

Film: 10/10

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