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Für den amtierenden Weltmeister Deutschland verlief die WM 1978 in Argentinien alles andere als rosig. Während der Gastgeber erstmalig Weltmeister wurde, schied Deutschland mit der unrühmlichen „Schmach von Córdoba“ gegen Österreich aus. Aber auch sonst war das Turnier im Gastgeberland nicht unumstritten, - massive Menschenrechtsverletzungen unter der Militärdiktatur sprechen im Nachhinein von über 30.000 Todesopfern.

Sommer 1978: Während das Endspiel zwischen Argentinien und den Niederlanden im vollen Gange ist, foltern Schergen des Militärs in dunklen Kellern politische Gefangene. Als man eher zufällig eine falsche Gruppe von Leuten entführt, bricht daraufhin ein Inferno los…

Allzu lebendig wird der Zeitgeist jener Ära nicht eingefangen. Zwar gibt es kurze TV-Ausschnitte des Endspiels, doch aufgrund der arg begrenzten Räumlichkeiten schimmert wenig bis gar nichts vom Fußballfieber durch. Allerdings gibt es bis auf einen Einführungstext nur recht spärliche Informationen über die Vorgehensweisen des Militärs. Menschen werden nach Namen und Orten gefragt, dabei gefoltert und anschließend getötet. 

Natürlich entstehen in einem derartigen Kontext keine emotionalen Ankerpunkte. Die verantwortlichen Folterer kosten das Leid der Gefangenen oft genüsslich aus, während unter diesen kaum auch nur ein Vorname bekannt wird. Allenfalls ein Polizist, der sich vergleichsweise zurückhält, offenbart zwischenzeitlich moralische Bedenken und versucht sich im Verlauf um die Belange einer Schwangeren zu kümmern, was ihn jedoch nicht zu einem Helden macht.

Denn einen solchen sucht man hier vergebens. Die erste Hälfte wird ausschließlich mit Verhörmethoden verbracht, bei denen Elektroschocks genauso zum Einsatz kommen wie Water-Boarding. Man spielt wahlweise Karten, droht den wenigen weiblichen Gefangenen mit sexuell ausgerichteten Schreckensszenarien, während andere quasi ihre eigenen Gräber ausheben müssen. Zweifelsohne menschenverachtend, anderweitig auch arg redundant und im mangelnden Kontext kaum zum Mitfiebern geeignet.

Etwa zur sprichwörtlichen Halbzeit kommt es schließlich zum Break, der eine fiktive Parallelwelt entstehen lässt. Ein Dämonenbuch scheint hier der entscheidende Auslöser dessen zu sein, was am ehesten mit einem Zombietreiben vergleichbar ist. Peiniger suizidieren sich scheinbar ohne ersichtlichen Anlass, es entsteht eine gewisse Blutgier und zwischenzeitlich mischt der Teufel persönlich noch mit. Sonderlich spannend gestaltet sich das Szenario nicht, doch immerhin gerät es phasenweise einigermaßen blutig.

Das liegt einerseits am recht überzeugenden Make-up einiger Schreckgestalten, anderweitig an den praktischen Effekten, die von Kehlenschnitten über Ausweidungen, angedeuteten Fressszenen bis hin zu blutigen Einschüssen reichen. Manche Gewalteinsätze werden zwar nur angedeutet, doch der Blutgehalt geht für ein solches Szenario in Ordnung.

Dass hier wenig Substanz vorhanden ist, man in keiner Richtung in inhaltliche Tiefen vordringt und zuweilen sogar eklatante Kontinuitätsfehler offenbart, macht der Abspann deutlich, der bereits nach 71 Minuten einsetzt. Der Stoff lässt einen beinahe gleichgültig zurück, vom Entsetzen gegenüber den politisch-gesellschaftlichen Zuständen bleibt wenig hängen. Handwerklich und darstellerisch geht die Chose in Ordnung, spannende oder gar komplexe Inhalte werden indes nicht geliefert.
Knapp
4 von 10



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