George A. Romero hatte zu Beginn seiner Karriere ein wahrhaft glückliches Händchen mit bitterbösen, nihilistischen Weltuntergangsszenarien, siehe NIGHT OF THE LIVING DEAD und ZOMBIE. Seine Filme waren dabei immer gespickt mit den Themen des Kalten Krieges und den Ängsten vor Ausnahmezuständen, politischen Unruhen und atomarer Verseuchung. CRAZIES bewegte sich aus damaliger Sicht, wenn auch in überspitzer Form dargestellt, im Rahmen eines möglichen Szenarios. Ein Militärflugzeug, das den biologischen Kampfstoff "Trixi" transportiert, stürzt in der Nähe einer Kleinstadt ab. Der Virus wird freigesetzt und die ersten Bewohner erkranken. Die Infektion zeichnet sich aus durch rasenden Wahnsinn und geistige Umnebeltheit. Brave Bürger reagieren bald grundlos aggressiv. Ein Familienvater zündet sein Haus samt Sippe an. Ein Priester übergießt sich mit Benzin. Die Kleinstadt wird unter Quarantäne gestellt. Es werden Ausnahmezustand und Kriegsrecht verhängt. Das Militär rückt an und dringt in Häuser ein. Die Evakuierung gleicht einer Zwangsräumung mit unangebracht ruppigem Vorgehen im Stile einer Militärdiktatur. Dazu sehen die Soldaten mit ihren Strahlenschutzanzügen und Gasmasken auch noch überaus furchteinflößend aus. Bald ist nicht mehr zu unterscheiden, wer leistet Widerstand gegen das aggressive Vorgehen des Militärs und wer ist wirklich infiziert.
Wie in NIGHT OF THE LIVING DEAD wird ein Schwarzer zum Anführer, hier: zum Leiter des Militäreinsatzes, erklärt. Damals ein prekäres Thema, welches skeptische Äußerungen erntet wie "Ich glaub, mich fasst ein Engel an den Arsch!". Die Operation wirkt schlecht organisiert. Die Reaktion der Staatsmacht wirkt unmenschlich und hart. Dies spiegelt den damaligen Zeitgeist gut wieder, so im Stile von "Was die da oben treiben ist irre" und "der kleine Mann muss es ausbaden".
CRAZIES erzeugt trotz seines mageren Budgets ein Maximum an Wirkung und schlechtem Bauchgefühl. Wie Cronenbergs RABID spielt der Film Hobbypsychologe und liefert eine überaus phantastische Erklärung, warum Leute durchdrehen oder zu Amokläufern werden. Unter den Darstellern findet man wenig bekannte Gesichter, einzig die rothaarige Hippiebraut Lynn Lowry kennt man aus Filmen mit ähnlicher Thematik, wie DIE TOLLWÜTIGEN und PARASITEN-MÖRDER.
Fazit:
Romero zu seiner besten Zeit. Schwarzseherisch und visionär. Ein Katastrophenfilm für die Horrorgemeinde und wegweisend für Filme wie 28 DAYS LATER und [REC].