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The Killer´s Game

Der mehr als offensichtliche John Wick-Klon lässt es an Vergleichswerten in Sachen Coolness, Style und Intensität vermissen. Als launige Assassinen-Schlachtplatte mit grellem Comic-Anstrich aber noch brauchbar.

Im Kino der Coolness war der Auftragskiller schon immer ein Star. Ob „Der eiskalte Engel“, „Scorpio“, „Der Schakal“ , „Léon“, die Kombination aus eiskalter Präzision, selbst auferlegter Einsamkeit und einem ganz speziellen Kodex sorgt für ein eigenwilliges Faszinosum ähnlich dem des Outlaw im Western-Films. Mit der Jahrtausendwende wurde dieses Subgenre des Kriminalfilms um zwei Facetten erweitert, die es auch noch in seiner aktuellen Ausformung prägen: Action und Kampfkunst. Die Berufskiller Jason Bourne und John Wick brachten es jeweils auf vier Einsätze und verankerten das Subgenre endgültig im Mainstream. Für den geneigten Fan ein zweischneidiges Schwert. Eine häufige Folge jedweden Erfolgs sind beispielsweise Trittbrettfahrer, oder - um im passenden Jargon zu bleiben - Nachahmungstäter. Innovation und Exklusivität stehen auf deren Agenda meist sehr weit unten, es zählt der schnelle und vermeintlich sichere Gewinn.

Vor allem die stets um Eigenwerbung bemühten Streaming-Anbieter schielen nach solchen Blaupausen. Es ist sicher kein Zufall, dass die beiden Marktführer praktisch zeitgleich ein stylisches Produkt auf den Markt werfen, das die nach wie vor grassierende Assassinen-Euphorie bedient. Während Netflix mit einem $70 Million-Budget, großen Namen (Jamie Foxx, Cameron Diaz) und familientauglichem Humor alte Kundschaft halten und neue generieren will („Back in Action“), wählte Amazon den inhaltlich derberen, aber finanziell risikoärmeren Weg für dasselbe Ziel. Die Lionsgate-Produktion „The Killer´s Game“ floppte Ende 2024 gnadenlos in den Kinos und soll nun als Streaming-Hit reüssieren. Eine keineswegs abwegige Strategie. Dieses „Kunststück“ gelang schon so einigen Filmen, da das Publikum auf der Couch offenbar andere Ansprüche anlegt als bei einem Kinobesuch.

Vor allem Fans der John Wick-Reihe dürften in Scharen einschalten. Die Parallelen sind schließlich mehr als offenkundig. Auch der von Dave Bautista gespielte Joe Flood benötigt für Vor- und Nachnahmen nur je eine Silbe, arbeitet als Auftragsmörder für eine in jeder Hinsicht inoffizielle Organisation und bewegt sich in einer Parallelwelt die von einem bunten Killer-Panoptikum bevölkert wird, in dem nicht nur jeder jeden kennt, sondern in dem auch jeder einen ganz besonderen Tötungsstil pflegt. Aber damit nicht genug, selbst bei der Handlung kopiert man schamlos das große Vorbild.

Hier wie da möchte der altgediente Killer aussteigen und ein ruhiges Privatleben führen. Zwar stirbt Joe Floods neue Flamme Maize Arnaud (Sofia Boutella) nicht zu Beginn des Films und er hat auch weder einen Hund, den man meucheln, noch einen Ford Mustang, den man entwenden könnte. Dafür wird bei ihm eine tödliche Krankheit diagnostiziert und da er adäquat abtreten will, beauftragt er kurzerhand seine größte Feindin im Kollegenkreis, ihn auf höchst professionelle Art umzubringen. Natürlich stellt sich die fatale Nachricht schnell als Fehldiagnose heraus und selbstredend ist die auf Rache sinnende Nemesis Antoinette (Pom Klementieff) keinesfalls bereit den erteilten Auftrag zurückzuziehen. Und so findet sich der arme Joe im bewährten Wick-Szenario wieder, soll heißen, ganze Heerscharen der bunten Killerwelt machen sich auf den Weg nach Budapest, um das millionenschwere Salär für seine Beseitigung zu kassieren. 

Bis es zu diesem blutigem Showdown kommt, ist allerdings bereits die Hälfte der Laufzeit vorbei. Regisseur J.J. Perry lässt sich reichlich Zeit um Protagonist und Setting zu beleuchten. Vor allem die aufkeimende Liebe des arbeitsmüden Profikillers zu der lebensfrohen Tänzerin Maize bekommt sehr viel Raum. Ironischerweise kann Dave Bautista hier mehr überzeugen als in den späteren Actionszenen, in denen er bei Kampfass-Gegnern wie Scott Adkins aufgrund seiner Schwerfälligkeit lediglich qua Skript die Oberhand behält. Wer Sofia Boutella nur aus den Netflix-Desastern der „Rebel Moon“-Serie kennt, dürfte sich ebenfalls überrascht die Augen reiben. Als quirlige und forsche Tänzerin hat sie eine spürbare Chemie zum brummigen Bautista und meistert den ausgedehnten Drama-Teil mühelos. Leider entscheiden sich Drehbuch und Regie in Hälfte 2 für einen deutlichen Tonwechsel, der das zuvor aufgebaute Beziehungs- und Stimmungsbild unter lautem Getöse zusammenkrachen lässt.

Mit Auftritt der auf Antoinettes Auftrag anrauschenden Profikiller weicht die gemächliche Melancholie einer Kaskade aus gnadenlos überdrehten Comic-Panels. Der absolute Knallchargen-King in diesem Kuriositäten-Kabinett durchgeknallter Mörder ist der Spanier Emilio „El Botas“, ein gestiefelter Zwitter aus Torero und Flamenco-Tänzer, der seinen Opfern mit messerscharfen Sporen den finalen Cut verpasst. Joe Flood pflügt sich durch diese Heerscharen vom Killer-Rummelplatz wie eine ächzende Dampfwalze und man staunt nicht schlecht, wie er deren Geschwindigkeits- und Überzahl-Vorteile ohne erkennbare Raffinesse ausgleicht. Neben diesem Überdrehtheits- und Glaubwürdigkeitsproblemen gibt es aber noch ein weiteres Manko, das dem uneingeschränkten Actiongenuss im Weg steht. Ob nun dem Budget, oder einfach nur dem Umstand moderner Gepflogenheiten geschuldet, das aus allen Poren und in alle Richtungen spritzende CGI-Blut sieht dermaßen künstlich aus, dass es den teilweise derben Gewaltspitzen einen Großteil ihrer implizierten Wirkung raubt. Die nach wie vor deutliche Überlegenheit praktischer Effekte wird jedenfalls mal wieder schonungslos offen gelegt.

„The Killer´s Game“ ist damit in seiner neuen, unfreiwilligen Streamingheimat bestens aufgehoben. Fans von John Wick und Co. können sich die Wartezeit auf Teil 5 und das Spinn-off „Ballerina“ bei einem gemütlichen Couchabend verkürzen. Bei Coolness, Style und Druck gilt es allerdings Abstriche zu machen. Beim gelegentlichen Griff zum Smartphone oder zum Kühlschrank verpasst man nichts Wesentliches. Trotz einer aus allen Rohren feuernden zweiten Filmhälfte wird hier definitiv mehr berieselt als berauscht. Der Ton schwankt, die Killer chargieren und Bautista ist Bud Spencer näher als John Wick. Im Auftragskiller-Ranking bleibt somit nur schnödes Mittelmaß, aber auch dort lässt sich ja bereits ordentlich verdienen. 

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