Wer regelmäßig Swingerclubs besucht, wird sich die Frage womöglich nicht mehr stellen: Wie viel ist man bereit, mit anderen Paaren zu teilen? Ab wann beginnt die Hemmschwelle? Beim gemeinsamen Tisch im überfüllten Restaurant? Im Zugabteil? Im Bett? Diesen moralischen Ansätzen geht Regisseurin Mercedes Bryce Morgan mit ihrem Psycho-Thriller ein wenig auf den Grund.
An diesem Wochenende scheint das Anwesen am idyllisch gelegenen Bone Lake doppelt gebucht worden zu sein: Kurz nachdem Sage und Diego hier ankommen, treffen auch Cin und Will ein. Man einigt sich darauf, die Zeit gemeinsam zu verbringen, doch ein Paar zettelt ein Spiel aus Intrigen und Täuschungen an…
Die Ausgangssituation ist so banal wie griffig, als es bereits nach wenigen Minuten zur ersten Grundsatzentscheidung kommt: Teilt man die Räumlichkeiten mit einem völlig fremden Paar, zumal es aufgrund der großzügigen Aufteilung genügend Rückzugsmöglichkeiten gibt, oder verzichtet man auf einen Teil Privatsphäre, da man letztlich doch recht viel Zeit zu viert verbringt und vielleicht mehr von sich preisgibt als man sollte.
Hinter dieser scheinbar harmlosen Prämisse verbirgt sich recht absehbar eine perfide Tour, die klar darauf abzielt, Misstrauen und Zwietracht zu säen. Das funktioniert eine Weile recht gut, da man in Sachen Empathie beim vermeintlichen Opferpaar ist und folgerichtig stille Entscheidungen trifft, ab wann man eventuell selbst die Reißleine ziehen würde. Im Verlauf kommt es zu einigen Situationen, in der mancher komplett eskalieren würde, wogegen sich andere eher still und leise zurückziehen würden.
Irgendwann werden die Karten zwangsläufig offen gelegt und ab da gibt es kaum ein Halten mehr, zumal sich auch mal Konfrontationen auf physischer Ebene hinzugesellen. Die dazugehörigen Gewalteinlagen sind passabel in Szene gesetzt, die Temposteigerung zum finalen Akt ist willkommen, allerdings gestaltet sich der Verlauf arg konventionell und überraschungsarm. Hinzu kommt, dass sich die Bösen etwas zu überzogen gebaren, wodurch eventuelle subtile Feinheiten komplett vom Tisch sind.
Obgleich die Charaktere letztlich eher austauschbar bleiben, gehen die Performances in Ordnung und auch der Score arbeitet zweckdienlich. Inszenatorisch hätte man etwas mehr auf visuelle Gimmicks setzen können, wie etwa beim Knacken zweier Schlösser, als die Kamera nach jedem Hieb leicht verrutscht. Auch die zynische Note wird zulasten einer wenig überzeugenden, leicht erotisch angehauchten Komponente vernachlässigt, - makaberer Humor kommt insgesamt zu kurz. Dennoch bereitet das Psychotreiben über weite Teile Laune, trotz ausbleibender Wendungen und der Tatsache, dass die Spielchen nicht komplett ausgereizt werden.
6 von 10