50 Shades of Meh
Der Film läuft noch keine Minute, da werden einem nackten Typen schon die Eier vom Pfeil einer Armbrust durchbohrt. Ein neuer Hardcoresplatter erwartet uns in BONE LAKE allerdings nicht. Auch der Song zum Intro, „Sex & Violence“ von The Exploited, verspricht ein bisschen mehr, als der Film tatsächlich einlöst, obwohl es beides gibt.
Aber der Reihe nach: BONE LAKE gehört zum Minisubgenre „doppelt gebuchtes Airbnb“. Zwei junge Paare beschließen, aus einem Buchungsfehler das beste zu machen und das großzügige Anwesen übers Wochenende einfach zu teilen. Zwischen Möchtegern-Schriftsteller Diego und seiner ihn finanzierenden Freundin Sage läuft‘s sexuell nicht mehr so gut, während Brett und Cin (!) das Traumpaar schlechthin zu sein scheinen. Aber wie das so mit dem Schein ist: er trügt mal wieder. Das edle Herrenhaus verbirgt nämlich ein paar Geheimnisse hinter sorgfältig verschlossenen Türen. Und einige der Urlauber legen nach und nach ein etwas merkwürdiges Verhalten an den Tag, bei dem man erst nicht so recht weiß, ob es nur verführerisch oder schon psychopathisch ist.
Der Film verrät seinen ersten Twist schon in der Mitte, was den Zuschauenden allerdings sehr entgegen kommt, denn das Herumscharwenzeln bis dahin ist alles andere als abendfüllend. Zwar gibt der Film sich sexy und schamlos, ist letztlich aber mindestens so prüde wie jeder andere amerikanische Film auch: Beim Sex wird schön das Oberteil anbehalten (oder Hände auf die Brust gepresst) und eine Decke über die „private parts“ gebreitet, lediglich das nackt fliehende Pärchen zu Beginn wurde wohl genau für ein wenig „full frontal“ eingekauft. Das musste dann wohl mit ein paar überraschenden Gewaltspitzen wettgemacht werden, sowohl Chekhovs Axt als auch Chekhovs Kettensäge und Chekhovs Außenbordmotor finden pflichtschuldig Verwendung.
BONE LAKE ist stylisch gefilmt, die zweite Hälfte genregerecht spannend und gegen Ende sogar nochmal etwas splattrig (s.o.), so dass man alles in allem zwar über die konstruierte Geschichte und die Logiklücken hinwegsehen mag, einen besonders cleveren Genrebeitrag hat man aber trotzdem nicht geschaut.
6.5/10