Gesicht des Todes
Benjamin Barfoot konnte mich mit seinem schmissigen "Double Date" vor ein paar Jahren köstlich unterhalten. Kein Wunder, dass ich bei seinem neuesten Werk "Daddy's Head" nicht lange zögere und Play drücke. Gelobt sei mein Shudder-US-Account. Dieses Mal geht das vielversprechende Horrorregietalent wesentlich emotioanlere und gruseligere Themen an. In einem intimen, familiären, langsamen und visuell exquisiten Monsterfilm mit genialem Kreaturendesign - wenn der kürzlich verstorbene Vater und Ehemann (oder zumindest der Kopf bzw. das Antlitz dessen) seine zwei nicht sehr einander zugewandten Hinterbliebenen (Sohn + Stiefmutter) terrorisiert...
Die Welt steht Kopf
Kummer und Verlust, Schmerz und Andenken, Loslassen und Erinnerung, Abschied und Alptraum, Konfrontation und Terror, Schönheit und Traurigkeit, Boshaftigkeit und Bedenken, Erwachsenwerden und Zusammenwachsen. "Daddy's Head" hat eine echt alptraumhafte Atmosphäre und gerade die äußerst langsame, kriechende erste Hälfte trägt dazu bei. Hier sind die Details und Nuancen schon äußerst unangenehm und beunruhigend. Doch was dann kommt, geht zum Teil auf keine Kuhhaut mehr. Positiv gemeint. Ekliges Sounddesign, gerade mit Kopfhöreren oder starker Surroundanlage. Bodyhorrorelemente. Coming-of-Age-Elemente. Arthouseelemente. Home Invasion-Elemente. Und am Ende doch sein ganz eigener, giftiger Cocktail. Für mich in jeder Minute und Faser gemein und packend. Gute Balance aus Gänsehaut, Drama und Schocks. Ich denke vor allem für Patchworkeltern ein Leberhaken. Der Junge spielt das introvertiert, nuanciert und gut, ist kein nerviges Kind. Barfoot hat Auge und Genregespür. Dazu noch etwas zu sagen ohne den bösen Spaß herauszunehmen. Heimvideohorror. Melancholiemadness. Designerstroboskop. Zum Glück aber nicht nur reine Metapher. Er wirkt auf mehreren Ebenen. Für manche mehr als andere. Aber ich bin durchaus Fan und spreche eine Empfehlung aus. Das kriecht einem schon sehr gewissenhaft den Rücken hinauf... Starkes Doppel mit dem "Babadook". Oder direkt ein Triple mit "Ich seh, ich seh" daraus machen. Der Anti-"Starman". Der Showdown könnte allerdings deutlich spektakulärer sein und das Design öfter gezeigt oder beleuchtet werden. So bleibt viel Verstörendes vage.
Geliebte Hackfresse
Fazit: Slowburn und Creature Feature vereint und done right - "Daddy's Head" ist eindringlich, emotional, stilsicher, kompakt, traurig, nachvollziehbar, teils creepy af und hat eine wunderbar fiese Visage!