1001 Nacht hatte seine Zeit, so wie jedes gute Genre in Hollywood und irgendwann war es dann wieder gut.
Die „arabischen“ Abenteuer kamen besonders gut während der düsteren Kriegszeiten in den 40ern an, da konnte man in der Pracht der Kalifen schwelgen, gab es Paläste, Kämpfe, Wunder, Zauber, starke Helden und schöne Frauen ohne Ende.
Kickstarter war sicherlich United Artists „Der Dieb von Bagdad“, nicht der erste Film aus Aladins Wunderwelt (schließlich war der Film, der Sabu zu einem Star machte, selbst ein Remake), aber sicherlich der bekannteste und einer der erfolgreichsten, just als Europa in Flammen aufging.
Mit der Mischung aus Fantasy, Schauwerten und Heldenfiguren, inclusive Romantik war er fast perfekt ausgewogen und bot die Blaupause für die vielen Epigonen der kommenden Jahre.
Die hatten – angesichts natürlich schrumpfender Budgets und immer kürzerer Produktionszeiten – nicht mehr den vollumfänglichen Zauber zu bieten, sondern konzentrierten sich auf die robusten Elemente der Stories, also das Setting, Held und Schurken, schöne Frauen und Konflikte. Die märchenhaften Elemente und die schönen Fantasyeffekte gingen als Erstes aus Kostengründen über Bord und so kommt auch Universals direkter Nachzieher „Arabische Nächte“) komplett ohne magisches oder übernatürliches Element aus.
Obwohl man deutlich sehen kann, dass das Budget deutlich südlicher als das von „Dieb“ gelagert war, handelte es sich um eine Prestige-Produktion, die Erste für das Studio 3-Strip-Technicolor, so dass zumindest die Farben für die notwendige Prachtatmosphäre sorgen konnten (was sie auch tun).
Man lieh Sabu für die große Nebenrolle aus (er wiederholte praktisch seinen „Dieb“-Erfolg eins zu eins) , besetzte den immerhin physisch soliden Jon Hall und machte Maria Montez mit ihrer ersten richtigen Hauptrolle zu einem Glamour-Star auf Zeit. Leif Erickson und Edgar Barrier taten ihr Möglichstes, um Conrad Veidt nachzueifern, scheitern allerdings ziemlich krachend bei dem Versuch (Erickson ist zu steif, Barrier wirkt manchmal wie betäubt, wenn er bedrohlich wirken sollte).
Optisch ist das alles eine – natürlich inzwischen angejahrte – Pracht. Recht ordentliche Kombinationen aus photographischen oder gemalten Hintergründen machen etwas her und die Sets sind, wenn schon nicht verschwenderisch, so doch sehr dem Anlass angemessen. Was jedoch fehlt, ist der nötige träumerische Touch, alles gestaltet sich recht robust und männlich, unterbrochen nur von den verbalen und physischen Faxen der Artistentruppe, die zur allgemeinen Verblüffung auch gleich noch die – wohl anderweitig arbeitslosen – Sindbad und Aladin beinhalten.
Der Fokus liegt deutlich auf dem (leicht hölzernen) Hall und auf Montez, die sich, noch etwas eckig, zwar wie ein Star gebärdet, aber mit Emotionen und Leidenschaft deutlich Schwierigkeiten hat – abgesehen davon, dass sie im Leben nicht aussieht, als könnte sie aus Arabien stammen oder sensationell verführerisch sein.
Mit den humorigen Einlagen kann man halbwegs klar kommen, besonders inspiriert sind sie jedenfalls nicht (die unvermeidliche Transvestitennummer des natürlich dicksten Helfers als besonders alberner Einfall).
Aber der Film holpert sich mit all seinem Gereite sowieso mühsam über seine eh schon kurzen 87 Minuten.
John Rawlins war ein ordentlicher Actionregisseur und kriegt seine vielen Scharmützel auch gut geregelt, aber was Michael Hogan da zusammengeschrieben hat, ist schon sehr bemüht.
Ungewohnt ist, dass man den Bösling gleich zu Beginn bei seiner Hinrichtung/Folter präsentiert bekommt: Kamar ,der böse Bruder des guten Kalifen Harun al Rashid. Der wird dann allerdings doch noch befreit und Harun verletzt sich bei einem Attentat, so dass Ali Ben Ali (Sabu) an ihn gerät und seinen Kalifenring entsorgt.
Von da an entspinnt sich ein Reigen darum, wer denn nun der Böseste im Film ist. Kamar entert den Thron, doch sein Wesir Nadan wäre, während er Scheherazade verfolgt, gern Kalif anstelle des Kalifen und hetzt zudem noch seinen Hauptmann auf die Artisten.
Als der sie eigenmächtig in die Sklaverei verkauft (Ah, Mädels…), foltert er ihn anschließend und bringt ihn dann um und wird selbst zum großen Finsterling, während der Bruderzwist im Hintergrund köchelt.
Held Harun ist meistens damit beschäftigt, seine Indentität zu verleugnen und während er dank Rasur das schafft, reitet er sich mit einem Liebesgeständnis gleich wieder in den nächsten Kerker als Todeskandidat per Attentat. Warum er das ständig tut, bleibt unklar, auf jeden Fall muss ihn Sabu mit seinen Artistenclowns alle 10 Minuten wieder aus der Bredouille hauen.
Es dauert bis zum Finale im Wüstencamp (inclusive Swimming Pool im Nirgendwo für den Harem…ah…Mädels…), bis Mrs. Montez endlich wie schon in der Anfangssequenz versprochen die Hüften schwingt (wenn sie es denn selbst war), aber bis dahin ist das Interesse beim ständigen Verfolgen, Flüchten und Gefangennehmen schon dahin.
Ergo ist vom Zauber von 1001 Nacht nur wenig zu spüren, es verbleibt ein sandiger Abenteuerstreifen in Kostümen, der zwar ganz charmant ausschaut, aber an den Ecken doch etwas nach halbleerem Studio schnuppert, anstatt sein Publikum wirklich mitzureißen.
1942 war das offenbar nicht so auffällig, der Film wurde ein Riesenhit, heute fehlt dem offensichtlichen Ränkespiel allerdings jeder Lebensberechtigungsnachweis abgesehen von seiner filmhistorischen Einordnung.
Aber was immer Sindbad noch unter Deck verborgen hatte, es war nicht selten noch phantasieärmer als „Arabische Nächte“, die übrigens, das sei nur mal so nebenbei erwähnt, nur in der Eröffnungsszene mal NICHT bei Tag spielen! (4/10)