Review

Gezeichnet wie Asphalt

In „Street Mobster“ folgen wir einem durch und durch fiesen Knasti, Gangster und Draufgänger, der es irgendwie genießt sich im eigenen wie menschlichen Dreck zu suhlen, seine eigene kleine Bande zu führen und zu tun, was er will, zu ficken, wen er will und wen kalt zu machen, wann er es will - natürlich bis er an die falschen, größeren Fische gerät und noch immer nicht zurücksteckt…

Kein Mamakind

Wer als Kind schon keine Liebe von der Mutter bekommt und eigentlich gar nicht gewollt war, der kann auch kein guter, rechtschaffener Mensch werden. Diese These unterstützt „Street Mobster“ sehr vehement und lässt eine Yakuzaballade vom Stapel, die sich in einem Freudenhaus gewaschen hat und danach einen fetten Drachen auf den Rücken hat tätowieren lassen. Und das in unter 90 Minuten. Deutlich beeinflusst von Godards „Breathless“, aber auch von älteren Samuraiepen aus dem eigenen Land. Nur gestaucht, asozial, anti-episch und wesentlich sprunghafter. Selbst wiederum neuere Yakuzawerke von Kitano bis zu Videospielen wie der „Like a Dragon“-Reihe deutlich beeinflusst, die jedoch selten dermaßen gemein und unleidlich zur Sache gehen. Ein sehr dreckiger und hoffnungsloser, auch erstaunlich humorloser Film. Jetzt kein „Menschenfeind“ von Noe. Aber definitiv wenig Sonnenschein hier. Intrigen, Mord, Betrug und einen tiefer, innerlicher, nihilistischer Drang bestimmen das Geschehen. Gegen sich selbst sowie die Welt. Ohne Rücksicht auf Verluste, vom Finger bis zum Leben. Sehr grimmige und stylische Bilder, ein wenig chaotisch und lückenhaft von der Erzählweise. Dazu noch mit ein paar Figuren zu viel und im Grunde mit keiner allzu neuen Geschichte in diesem Genre. Aber Feeling und Stil bleiben bei einem, sind bis heute prägend und halten einen genug bei Laune. Schon noch ein Special Interest-Geheimtipp. Aber weit davon entfernt mein liebster Yakuzastreifen zu sein. Aber er will den meisten auch gar nicht gefallen. Roh, hart, wild, cool. Mutiges Stück Abschaum. 

Fazit: ein ungeschliffener und unangenehmer, kompakter und doch anstrengender Gangsterdiamant aus Japan - „Street Mobster“ ist versmogt, verdreckt und verdammt cool. Und Letzteres ohne auch nur eine Sekunde das Leben der Kriminellen zu feiern oder zu beschönigen. Heiße Ware, die man nie regelmäßig auf Streamingportalen finden können wird, die daher in die geneigte Sammlung gehört. Leider aber massiv sprunghaft und mit wenig „Storyfleisch“ auf den Rippen. 

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