Review

Blut auf Schnee auf Erde auf Leichen

Wer vor ein paar Jahren Tjahjantos „The Night Comes For Us“ ebenfalls auf Netflix gesehen und gefeiert hat, weiß in etwa was nun mit „Codename 13“ aka „The Shadow Strays“ für ein Kaliber auf uns zurast… Erzählt wird in dieser Ninja(!)-Splittergranate von Actionexot (und wesentlich besseren, thematisch ähnlichen Alternative zu „Black Widow“) von einer Auftragskillergeheimorganisation im asiatischen Raum - meist mit jungen, technisch top ausgestatteten und seit ihrer frühesten Kindheit ausgebildeten Frauen besetzt - in der ein Mitglied während einer eigentlich verordneten Auszeit nun auf eine ganz persönliche Rachemission gerät…

Ein neuer ultimativer Ninjafilm?! 

Ich dachte Ninjanonsense wäre seit Scott Adkins letztem Aufbäumen tot… und dann liefert Actionspezi Timo Tjahjanto mit „The Shadow Strays“ ein Brett in dieser einst so angesagten, nun so angestaubten Schublade… Da wären Cannon, Orion, die Shaw Brüder, PM Entertainment, Carolco und Golden Harvest allesamt stolz. Und der Index damals gierig. Nun frei für alle auf Netflix. Wie die Zeiten sich ändern… „The Shadow Strays“ schlägt jedenfalls ebenfalls ins neuere Gestrüpp von „The Equalizer“ - nur mit einer indonesischen Exotik und Kompromisslosigkeit, die Ihresgleichen sucht. Okay, „The Raid (2)“ bleibt unerreicht. Dennoch kommt danach schon direkt sowas. Ich bin schwer begeistert. Ich kriege das, wofür ich gekommen bin. Unsere Protagonistin sieht unscheinbar und zierlich aus, geht aber ab wie Schmitz' Kätzchen auf Steroiden. Sieht dabei manchmal aus wie eine asiatischere Version von Meghan Markle. Da beschwert sich keiner. Die Action ist einwandfrei, eindrucksvoll und ultrabrutal inszeniert. Nichts mit zu vielen Schnitten oder Shaky Cam. Die Locations (u.a. Tempel, Hinterhöfe, Discos), der Score, Dreck und Schweiß stimmen auffällig gut. Alles ist sehr handfest und viszeral, sehr haptisch und garstig, menschenfeindlich und unglamourös trotz vielen Neonlichtern. Und trotz doch viel Gore und Blutspritzern aus dem Computer - hier jedoch recht ordentlich und hochwertig gemacht. Trotzdem hätte ich's natürlich gerne gänzlich praktisch. Aber das ist bei diesem Regen aus Körperteilen und Innereien sicher manchmal schwer bis unmöglich. Trotzdem sieht’s geil aus, das kann ich nicht anders sagen. Immer dynamisch, immer kreativ, immer aggressiv, immer gewalttätig ohne Ende. Nie comichaft oder augenzwinkernd gebrochen. Böse und bitter. Adrenalintreibend und aufreibend. Das ist zum Teil der „Hotline Miami“-Film, den ich mir schon so lange wünsche. Klar, die Story passt auf den berühmten Bierdeckel. Wahrscheinlich reicht sogar eine Streichholzschachtel. Aber mich könnte das kaum weniger kümmern oder stören - wenn es dermaßen brummt und spritzt und kracht bis jede Schwarze platzt… 

Fazit: die Action samt Gewalt und Gore ist superb, da gibt’s momentan kaum einen Besseren und Splatterigeren als Tjahjanto. Das färbt die Heimleinwand rot. Dagegen sieht selbst der Kampf der Braut gegen die Crazy 88 noch zahm aus. Das ist schlicht und ergreifend der Wahnsinn. Der sonstige Kit, der diesen zweistündigen Ninja-Overkill zusammenhält ist… gerade noch okay. Aber man kommt ja für den Kampfwahnsinn. Und als stylische Schlachtplatte ist das nonplusultranah und lässt selbst John Wick alt aussehen. Ich übertreibe nicht. „The Shadow Strays“ ist in seinem Genre einer der Toptitel. Absolut erbarmungslos. Absolut atemberaubend. Absolute Actionfeinkost. 

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