Review

"Sword in the Moon" (nehmen wir mal den "deutschen" Titel) ist wieder mal einer dieser kostümlastigen, pathetischen und mit stilisierten Kampfszenen angefüllten Koreastreifen. Wer "Legend of Gingko" und "Musa - Der Krieger" kennt, wird hier nicht viel neues für sich entdecken können. Irgendwie kennt man das alles, und in den beiden eben genannten Filmen wurden die altbekannten Motive - Treue, Männerfreundschaften und Verrat -, wie man sie zum Beispiel auch aus den Filmen John Woos kennt, auch noch um einiges besser umgesetzt.

Was den Film zumindest beim ersten Durchlauf für mich weniger genießbar gemacht hat, ist die unnötig herumvagierende Erzählstruktur. Der Einstieg ist noch sehr solide gemacht: Es wird ein treuer und kampfkräftiger, aber verbitterter Soldat im Dienst eines zynischen und nichtsnutzigen Usurpators gezeigt, an dessen Hof eine Mordserie unter hochrangigen Politikern von statten geht. Der Mörder taucht ab und zu halbvermummt auf und man merkt, dass es zwischen ihm und dem desillusionierten Soldaten eine Verbindung aus der Vergangenheit gibt. Zuvor erleben wir noch, wie unser Held ein Attentat auf den Monarchen verhindert und dem Angreifer den Kopf abschlägt - eine in Ablauf, Kameraperspektiven und Spezialeffekten sehr gut umgesetzte Passage; wenn der Rest des Film auch so wäre, gäbe es nicht viel auszusetzen.

Aber es kommt leider anders. Nach einigen Ministermorden beginnt nämlich unversehens eine große Rückblende, und wer das nicht sofort mitbekommt - das muss ich jetzt von mir ganz offen zugeben - versteht erst mal nur noch Bahnhof. Jetzt erleben wir nämlich die Vergangenheit des Protagonisten und seines besten Freundes, die durch unglückselige Verstrickungen an die Spitzen gegnerischer Fronten gerieten und nun hin- und hergerissen sind, wie man es von richtigen epischen Helden nun eben einmal so kennt. Einige Zeit später landen wir wieder in der Zeit der Exposition, und man fragt sich, ob diese Verschachtelung wirklich nötig oder überhaupt sinnvoll war.

So kompliziert, dass man nicht irgendwann wieder hereinfinden würde, ist die Handlung natürlich nicht. Ein Mädel darf der Gerechtigkeit halber auch mitmachen und kämpft schon mal gegen 10-20 Männer gleichzeitig, damit es schön realistisch bleibt. Damit wären wir dann beim wichtigsten Punkt, den Kämpfen. Die überzeugen hier im Endergebnis genauso wenig wie in ähnlich ausgerichteten Filmen. Schnelle Schnitte, Nahaufnahmen und völlig überzogene Matschgeräusche beim Einstich oder -schlag sollen meistens darüber hinwegtäuschen, dass keine Mühe auf vernünftige Spezialeffekte verwendet wurde - was nicht heißt, dass nicht seltener mal auch ein Körperteil amputiert würde. Blut sickert aus Ärmeln, spritzt auf Gesichter usw. - sprich, alles wird hochstilisiert, ohne wirklich explizit oder brutal zu werden, womit die FSK 16 auch ihre Berechtigung findet. Viele Kämpfe finden auch bei finsterer Nacht und gar dunklem Blaufilter statt, womit wieder ein Stück realistische Darstellung eingespart wird. Mir fallen allerdings nicht viele Schlachtepen statt, in denen das alles besser gemacht worden wäre - es gibt sie natürlich, aber nicht jeder Heldenschinken ist gleich ein "Die zwei Türme".

Weitere Minuspunkte verschafft sich der Film leider noch mit einem völlig abrupten Ende, das gänzlich unbefriedigend daherkommt und den verstörten Zuschauer mit einem (leider) englisch gesungenen Schmachtfetzen von Schlusslied konfrontiert, der längst nicht die Klasse von Liedern hat, wie man sie beispielsweise aus weitaus billigeren Japan-Gruslern kennt.

Insgesamt ein durchschnittlicher Film mit vielen Bestandteilen, die man schon kennt. Ansehbar, aber man hätte vieles besser machen können.

Noch mal ein Wort zur alten deutschen Splendid-DVD. Es gibt O-Ton, aber keine Untertitel, was für Deutsche mit sehr guten koreanischen Sprachkenntnissen natürlich ideal ist. Ich möchte betonen, dass ich kein Synchro-Hasser bin, aber: Wenn in der deutschen Synchro die Rede davon ist, dass auf einem Schwert koreanische Schriftzeichen seien, die "Sword in the moon" bedeuten, ist das schon ziemlich lächerlich. Synchronsprecher, die das englische "th" nicht sprechen können, tun ihr übriges zur Fragwürdigkeit der deutschen Sprachfassung.
Auf der "Gold-Edition" gibt es jetzt deutsche Untertitel. Ich gehe aber mal davon aus, dass die koreanischen Schriftzeichen dort auch "Sword in the moon" bedeuten...

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