"Sag mal, ist er eigentlich immer so brutal?" ... "Ja, und gegen seine Fechtkunst hat keiner eine Chance." ... "Aber das eben war wirklich unnötig grausam." ... "Na, deswegen wird er ja auch der Menschenschlächter genannt."
Im Korea des 16. Jahrhunderts gerät König Incho durch einen Putsch an die Macht. Jahre nach seiner Herrschaft fallen plötzlich immer mehr hochrangige Minister Anschlägen zum Opfer. Yun Gyu-yeob (Jo Jae-hyun), Anführer der königlichen Leibgarde und dazu bekannt bei seinen Feinden äußerst brutal vorzugehen, bekommt den Auftrag die Attentäter ausfindig zu machen und ihrem Urteil zu unterziehen, nicht wissend, dass es sich bei den Attentätern unter anderen um seinen einstigen Blutsbruder Choi Ji-hwan (Choi Min-su) handelt, mit dem er an der Elite-Militärakademie des einstigen Reiches ausgebildet wurde.
Gepriesen als fulminantes Schlachtenepos zog "Sword in the Moon" recht viel Aufmerksamkeit auf sich. Im Grunde unverständlich, da es hier weder fulminant zugeht noch viele Schlachten zu sehen sind, letztere begrenzen sich nämlich auf eine einzige.
Korea war nie bekannt für eine gute Qualität wenn es um Swordsplay ging. Schon immer stand es im Schatten der Werke aus China und Japan. So beläuft es sich auch hier. Erstaunlicherweise ist die erste Kampfszene äußerst gelungen choreographiert und anschaulich präsentiert. Diese anfängliche Stärke findet sich allerdings bei keiner folgenden actionreicheren Szene wieder. Viel zu unübersichtlich folgen die später auftretenden Auseinandersetzungen ab, die zwar einen moderaten sowie realistischen Härtegrad aufweisen, aber ebenso unspektakulär verlaufen. Masse statt Klasse steht auf dem Programm wodurch man auf Dauer gelangweilt auf die Mattscheibe glotzt. Mit Zeitraffereffekten wird versucht den Einheitsbrei ein wenig abwechslungsreicher zu untermalen was völligst mißlingt. Vermissen tut man übrigens die für einen Eastern typischen Einlagen übertriebener Schwerelosigkeit, diese fallen ersatzlos aus.
Der Plot ist bei einem "Spektakel" dieser Art meist sehr grob ausgefallen, so auch hier, was eigentlich untypisch für die Kost aus Fernost ist. Der Zwist zwischen den drei Hauptfiguren dreht sich um Freundschaft, Liebe und Hass, sowie um Treue und Verrat. Diese Gefühlsebenen wurden in eine viel zu abgenutzte Geschichte um einen Anti-Helden gestrickt, der sich mit all diesen konfrontieren muss und, wen wundert es, eine erleuchtende Erkenntnis daraus zieht.
Getragen von flachen, beinahe lächerlichen Dialogen plätschert die sterile Rahmenhandlung monoton vor sich hin ohne Spannung zu erzeugen.
Verwirrung erzeugen die ohne Ankündigung auftreten Rückblenden, plötzliche Schauplatzwechsel und schnelle Schnitte. Wäre dies nicht schon schlimm genug, so sorgt die Handlung selbst für eine Menge Fragezeichen, diese wird nämlich völligst ohne Struktur erzählt und hüpft nach Belangen einfach mal so von Ort zu Ort über verschiedene Zeitebenen. Allgemein wirkt "Sword in the Moon" sehr lieblos und zusammenhanglos.
Trotz wenigen Figuren um die sich die Handlung dreht wird wenig Charaktertiefe erzeugt, oder nur bruchstückhaft zugeführt, was den Zugang zu den Charakteren enorm erschwert.
Die musikalische Untermalung wurde sehr deplaziert arrangiert und fügt sich nur selten dem Geschehen ein.
Erst im Laufe der Entwicklungen gen Richtung des letzten Drittels steigert sich das Tempo merklich. Die Aufklärung einiger Verhältnisse der Charaktere untereinander verhilft hier spürbar zu mehr Spannungsaufbau. Zu diesem Zeitpunkt glänzt das Epos durch ein paar effektvollere Abschnitte, die dann tatsächlich in ein fulminantes Finale münden. Die Luft wird dann aber abgeschnürt als sich das plötzlich eintretende Ende des Filmes präsentiert, ohne eine wirkliche Auflösung zu bieten und die Handlung geradezu abzureißen.
Aus koreanischer Sicht weist der Cast einige "Perlen" der schauspielerischen Ebene auf, beispielsweise Choi Min-su, Ki Joo-bong oder Jo Sang-geon. Erschreckenderweise kann keiner seine Figur auch nur annähernd ansprechend verkörpern. Einerseits wirken die Darstellungen zu zurückhaltend, andererseits hoffnungslos überzeichnet. Der Faktor der unzugänglichen Präsentation der Charaktere ist hierbei natürlich zu beachten, somit hängt es nicht nur an den Schauspielern eine unbefriedigende Vorstellung zu bieten.
Von meiner Sicht gibt es hier nichts wirklich sehenswertes. Die beginnende Kampfszene sowie das eindringliche Finale sind recht wirkungsvoll gestaltet, ansonsten bleibt nach dem sehen nichts im Kopf hängen. Es fehlen die gern genutzen anschaulichen Landschaften sowie eine epische Aufmachung. Störend wirkt die Erzählweise, der kämpferische Einheitsbrei und die mangelhaften Darsteller. Hier handelt es sich definitiv um kein fulminantes Epos sondern um eine unterdurchschnittliche Fernost Vorstellung.
2 / 10