Review

Zwischen Côte d’Azur und Kaliber: „Criminal Squad 2“ sucht die Spannung

Von außen betrachtet scheint alles zu stimmen: ein charismatischer Gerard Butler, ein smarter Gegenspieler, ein Coup an der französischen Riviera – und ein Regisseur, der bereits mit dem Vorgänger einen ruppigen, testosterongetränkten Cop-Thriller vorgelegt hat. Doch „Criminal Squad 2“ ist kein bleihaltiger Nachschlag des ersten Teils, sondern ein Film, der sich in der Sonne der Côte d’Azur ein wenig zu sehr entspannt. Wer hier ein bleihaltiges Actionfeuerwerk à la Heat 2.0 erwartet, bekommt stattdessen einen sonnengetränkten Heist-Thriller mit gemächlichem Puls, gelegentlichen Adrenalinschüben und viel Côte-d’Azur-Glanz auf der Oberfläche. Statt Pulverdampf gibt’s Aperolgläser, statt Hochspannung eine mediterrane Brise. Christian Gudegast liefert mit dem zweiten Teil seines Cops-und-Ganoven-Duells solide Thrillerkost ab – aber leider nichts, was wirklich knallt.

Die Handlung knüpft lose an den Vorgänger an: Gerard Butler kehrt als Detective Nick O’Brien zurück – jener abgekämpfte, moralisch flexible Cop, der in Los Angeles noch mit der Wucht eines Presslufthammers auf Gangsterjagd ging. Diesmal führt ihn die Spur des flüchtigen Donnie (O’Shea Jackson Jr.) nach Europa, genauer: an die sonnengetränkten Küsten Südfrankreichs. Dort plant Donnie den nächsten großen Coup, einen spektakulären Raub in der High-Society-Kulisse der französischen Riviera. Banken, Juwelen, Tresore, geheime Pläne – das klassische Arsenal des Genres ist versammelt. 

Klingt spannend? Ist es auch – zumindest auf dem Papier. Doch das Drehbuch nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Zwischen der ersten Planung des Überfalls und dem eigentlichen Knall (der dann eher ein Plopp ist) vergeht gefühlt eine ganze Staffel Lupin. Der Film verheddert sich in seiner eigenen Routine: Man hat das alles schon gesehen, und meist in aufregenderer Form. Die Zutaten des Genres sind alle da – das taktische Hin und Her, die Intrigen, die Double-Crosses –, doch so richtig zündet das Gemisch nicht. Was fehlt, ist der Kick. Diese nervöse Energie, die gute Heist-Movies wie „The Town“ oder „Inside Man“ antreibt. „Criminal Squad 2“ läuft auf soliden Genre-Schienen, aber der Zug fährt etwas zu gemütlich. Die Spannung kurvt auf mittlerem Niveau, ohne je den Turbolader einzuschalten.

Gudegast versteht das Handwerk: Er weiß, wie man Cops fluchen, Gangster cool aussehen und Handys kryptische Nachrichten schicken lässt. Aber das Script wirkt diesmal ein bisschen so, als hätte jemand den Final Draft mit Sonnencreme verschmiert. Das Drehbuch arbeitet die Heist-Checkliste souverän ab: Planung, Komplikation, Wendung, Showdown. Doch wo andere Filme mit dieser Formel funken sprühen, herrscht hier gepflegte Routine. Ein paar clevere kleine Wendungen gibt es, und O’Shea Jackson Jr. bringt charmanten Street-Smarts-Humor rein, aber die große Raffinesse bleibt aus. Für ein Heist-Movie ist das Ganze einfach nicht spannend genug.

Was „Criminal Squad 2“ definitiv besser kann als viele seiner Genre-Kollegen: aussehen. Französische Riviera, türkisblaues Wasser, Luxusjachten, enge Gassen, glitzernde Abendlichter – Gudegast und sein Team wissen, wie man Postkartenästhetik in Szene setzt. Wenn die Kugeln dann endlich fliegen, spürt man kurz das alte Criminal-Squad-Feeling wieder aufleben. Die Action ist gut inszeniert – präzise, klar gefilmt, mit sattem Sound und einem angenehm physischen Impact. Man merkt: Gudegast kann das, wenn er will. Nur will er zu selten. Die großen Feuergefechte des ersten Teils, diese wuchtigen Schusswechsel, die an „Heat“ erinnerten, die fast militärische Choreografie, die brachiale Energie – all das fehlt hier weitgehend. Stattdessen gibt’s kleinere Scharmützel, Verfolgungen und taktisches Gerangel. Alles ordentlich gemacht, aber nie wirklich spektakulär. Der große Heist selbst ist solide, aber kein Gänsehautmoment. Präzise, ja. Effektiv, ja. Aber eben auch: vorhersehbar. Mehr „professionell abgewickelt“ als „Wow, was für ein Coup!“.

Was man „Criminal Squad 2“ nicht absprechen kann, ist technisches Können. Kamera, Schnitt, Score – alles sitzt. Das Bilddesign ist makellos, der Ton satt, der Score trägt mit feinen elektronischen Spannungsflächen durch die trägsten Passagen. Gerard Butler ist wieder in seinem Element: kernig, leicht abgewrackt, mit diesem unnachahmlichen Mix aus Zynismus und Pflichtbewusstsein. Er ist dieser Typ Cop, der nie Urlaub macht, aber jeden Drink doppelt nimmt. Seine Performance trägt den Film – auch wenn sie ein bisschen in Routine abdriftet. O’Shea Jackson Jr. überzeugt als Donnie: cool, kontrolliert, mit einem Hauch Tragik. Er verleiht der Figur Menschlichkeit, wo das Drehbuch nur Funktion vorsieht. Zwischen ihm und Butler herrscht eine gute Chemie – das altbekannte Katz-und-Maus-Spiel, diesmal mit weniger Gebrüll, aber mehr psychologischem Pingpong.

Fazit

„Criminal Squad 2“ ist das, was man einen gepflegten Mittelklassefilm nennen könnte: solide inszeniert, gut gespielt, schön anzusehen, aber ohne Ecken, Kanten oder Mut. Wer ein kompromissloses Action-Spektakel erwartet, wird enttäuscht. Wer Adrenalin erwartet, bekommt mediterranes Understatement. Wer sich aber auf einen ruhigen, handwerklich gut gemachten Thriller mit Heist-Elementen einlässt, bekommt immerhin solide Unterhaltung – nur eben ohne Nachbrenner. Die Spannung flackert, das Tempo schwankt, und die Story bedient Genre-Klischees, ohne sie zu sprengen. Doch Butler und Jackson Jr. retten viel mit Charisma und Präsenz, und das Côte-d’Azur-Setting sorgt für frische Luft im staubigen Cop-Gangster-Milieu. Am Ende bleibt ein Film, der nicht weh tut, aber auch nicht lange nachhallt. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Schießerei, ein bisschen Spannung – und ein leichtes Schulterzucken, wenn der Abspann läuft. Solide gemacht, charmant gespielt, hübsch anzusehen – aber das gewisse Etwas? Leider irgendwo zwischen Nizza und Monaco liegen geblieben.

Details
Ähnliche Filme