Mädchen, Monster & mancherorts Mythen
Interessante, persönliche und genresprengende kanadisch-deutsche Co-Produktion zwischen „Picnic At Hanging Rock“, einem weiblicheren „Stand By Me“, „Tiger Stripes“ und klassischem Monster-In-The-Woods-Movie, die der langsam müden Mode des Metapherhorrors clever eine Falle legt. Über eine neue Schülerin, die den Platz eines ermordeten Mädchens einnimmt und versucht mit ihrer neuen Clique einem monströsen Wesen im Wald auf die Schliche zu kommen…
Der böse, böse Berglöwe…
„Spirit In The Blood“ ist ganz klar eher Coming-of-Age als Horror - was aber keinen abschrecken sollte! Denn hier wird weder der Finger gehoben noch belehrt, hier wird nicht metaphorisch aufgetragen oder zu arthousig gelangweilt. Regienewcomerin Carly May Borgstrom (wohnhaft in Hamburg!) hält die Balance aus Anspruch und Spannung, Mädchenfreundschaften und Genrefilm, Pubertät und gesellschaftlicher Paranoia, Lauflänge und Tempo, monströsem Grusel und menschlichem Grusel sehr gekonnt. Erst recht für ein Erstlingswerk. Die Jungdarstellerinnen machen ihren Job sehr glaubhaft und lebhaft, null steif oder überfordert. Die Auflösung könnte gleich mehrere Zuschauergruppen zufriedenstellen. Oder auch keine. Und zu Kirche, Familie, Mobbing und die Verantwortung der Gesellschaft wird auch noch etwas gesagt. Sodass ich auch „Spirit in the Blood“ fraglos zu den wegweisenderen momentanen Genreproduktionen aus Deutschland zählen würde. Sicher kein Gamechanger und manchen könnte er mit etwas falsch gelagerten Erwartungen viel zu wenig Horror sein. Eher einer für die Kritikergazetten als die Splattersuffragetten, könnte man sagen. Aber er macht seine Sache ordentlich und zeigt vor allem weiblich-pubertäre Wahrheiten sehr ungeschönt.
Fazit: mehr als er den Anschein macht… weiblich, intelligent, hochwertig, gut. Ein respektables Erstlingswerk im Genrezirkus. Mit mächtigen letzten 10 Minuten.