Wenn das eigene Kind in Extreme verfällt, ist das für Eltern natürlich nur schwer oder gar nicht hinzunehmen. Doch wie weit kann und sollte ein Elternteil gehen, um jemanden zu retten, der eventuell gar nicht gerettet werden will? Diesem Thema geht die dänische Regisseurin Charlotte Sieling nach, in einer Mischung aus Drama und Psycho-Thriller.
Kriegseinsätze in Afghanistan und Irak kommen dem Soldaten Christian zugute, den es 2014 ins kriegszerrüttete Syrien verschlägt. Er schleust sich in Terrororganisationen ein, um seinen Sohn Adam aufzuspüren, welcher sich womöglich bereits dem IS angeschlossen hat…
Obgleich in Jordanien gedreht wurde, fallen die authentisch wirkenden Kulissen mit den ersten Einstellungen positiv ins Auge. Karge, wüstenähnliche Landschaften, zerstörte Gebäude und rostige Fahrzeuge bestimmen den Ton in hellen Umgebungen, in denen vor allem die schwarz gekleideten Terroristen einen deutlichen Kontrast markieren. Mit dem Überqueren der Grenze wird aus Christian Abu Issa, der sich mit leidlichen Arabischkenntnissen durchzumogeln weiß, um möglichst nicht aufzufallen.
Während Christian stets unter dem Radar agieren muss, findet er mit Bilal einen Helfer und kann immerhin mit Adams Mutter telefonieren, um sie auf den neuesten Stand zu halten.
Doch im Verlauf muss er auch Entscheidungen treffen, die ihn immer wieder vor ein moralisches Dilemma stellen, - gegebenenfalls muss er jemanden hinrichten, um nicht selbst enttarnt zu werden. Jedoch kann er nicht wie ein heldenhafter Einzelkämpfer zu Werke gehen, zumal seine Mission damit umgehend beendet sein würde. Doch selbst, wenn er Adam finden sollte, stellt sich bei alledem die Frage, ob der gerade erst Achtzehnjährige überhaupt auf seinen Vater reagieren würde.
Folgerichtig dominiert irgendwann eine gewisse Ohnmacht. Es ist wie bei einem Alkoholkranken, der erst ganz tief am Boden liegen muss, um eventuell selbst einen Schalter umzulegen. In dieser Situation auf einen Betroffenen einzureden, bringt absolut nichts und so muss auch Christian irgendwann eine Entscheidung treffen. Leider bleiben die Hintergründe der familiären Entwicklungen nur grob angerissen und auch die Entscheidungen des verzweifelten Vaters sind nur teilweise und nur bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar.
Leider ist das Geschehen kaum von Action umgeben. Etwaige Fortschritte ergeben sich ausschließlich durch Gespräche mit diversen Beteiligten und durch Abwägen eventueller Verbindungen. Dadurch entstehen zwar hin und wieder spannende Momente, doch das ganz große Mitfiebern bleibt aus, zumal Extremsituationen weitgehend außen vor bleiben, wozu auch der zurückhaltend eingesetzte Score passt.
Die treffend besetzte und sauber performte Geschichte zieht folgerichtig nur bedingt in ihren Bann. Die Ausgangslage ist durchaus involvierend, doch trotz einer latenten Angespanntheit ist man emotional nur leidlich mittendrin, da es zwischenzeitlich an Hintergründen mangelt. Jene Oberflächlichkeit führt letztlich zu einem zwar ansprechenden, jedoch nicht mitreißenden Seherlebnis.
Knapp
6 von 10