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Beim Regiedebüt der luxemburgischen Regisseurin Eileen Byrne kann der titelgebende Marianengraben durchaus als kleine Metapher betrachtet werden. Denn einerseits sind die beiden Hauptfiguren durch ihre jeweilige Trauer miteinander verbunden und andererseits muss jener Graben voller Trauer und Schmerz überwunden werden.

Auf einem nächtlichen Friedhof treffen die beiden unfreiwillig aufeinander: Paula (Luna Wedler), die um ihren jüngeren Bruder Tim trauert und Helmut (Edgar Selge), der soeben im Begriff ist, die Urne seiner verstorbenen Frau Helga auszugraben und sie, wie er meint, zu ihren wahren Heimatort in Südtirol zu bringen. Mit einem Wohnmobil begibt sich das ungleiche Paar auf eine zunächst ungewisse Reise…

Natürlich wirkt es recht konstruiert, auf welche Weise die Hauptfiguren aufeinander treffen und fortan eine Zweckgemeinschaft bilden. Während Paula von Schuldgefühlen geplagt wird, weil sie das Ertrinken ihres Bruders nicht verhindern konnte, versucht Helmut, der anbei an Lungenkrebs im fortgeschrittenem Stadium leidet, mit den Seinen und sich selbst ins Reine zu  kommen.

Entsprechende Entwicklungen bilden angesichts eines typischen Roadmovie Verlaufs allerdings keine Überraschungen. Anfangs mag man sich nicht sonderlich, was der grimmige Helmut nicht selten griesgrämig zum Ausdruck bringt, während die beiden immer mehr Parallelen in ihrem Leben entdecken und Trost beim anderen finden. Nach einem leicht emotionalen Ausbruch muss man final wieder zueinander finden, was ebenfalls einem konventionellen und folgerichtig erahnbaren Verlauf kennzeichnet.

In der ersten Hälfte spielen diverse Auflockerungen eine Rolle, welche jedoch eher harmloser Natur sind. Dennoch gewinnen die beiden rasch Sympathien und man pendelt stets zwischen leichter Melancholie und seichter Situationskomik, wobei man auf Kitsch und übermäßig sentimentale Einlagen verzichtet. Einen weiteren Pluspunkt markieren der passende Score und die Kulisse, welche die (teils mentale) Isolation der Protagonisten widerspiegelt.

Am meisten profitiert der Streifen allerdings von den ausgezeichneten Darstellerleistungen. Beide performen einnehmend und gleichermaßen bodenständig, emotionalen Momenten wird mit leisen Gesten Ausdruck verliehen und nicht zuletzt werden die gut ausgearbeiteten Dialoge glaubhaft wiedergegeben. Auch die beiden tierischen Weggefährten in Form eines Hundes und eines Huhns reichern den Sympathiefaktor an.

Das entscheidende Manko der Geschichte ist die Vorhersehbarkeit, welche sich bis zum Finale durchzieht. Überraschungen sucht man vergebens und obgleich der Stoff recht ernste Themen behandelt, ziehen diese emotional nicht übermäßig und gehen überdies nicht allzu sehr in die Tiefe. Dennoch taugt die Tragikomödie durchaus als seichte und gleichermaßen berührende Reise.
6,5 von 10

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