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Wie prägend doch ein Meisterregisseur wie Hitchcock für die Nachwelt war. Und wie häufig bereits „Das Fenster zum Hof“ als Inspirationsquelle diverser Nachwuchsautoren diente. Also eigentlich eine Fingerübung für Regiedebütant und Autor Paul Tamasy, der mit dem Drehbuch zu „The Fighter“ (2011) immerhin eine Oscarnominierung erhielt.

Das 1928 erbaute Lancaster-Gebäude diente ursprünglich als Hotelkomplex. Mittlerweile leben hier überwiegend Alleinstehende und Studenten wie der ehemalige Footballspieler Alex, der sich rasch mit den Nachbarinnen Grace und Aria anfreundet. Doch in dem dubiosen Mr. Evers (Dermot Mulroney), welcher nahezu allabendlich merkwürdigen Besuch erhält, wittert er einen Serienkiller, da in der Gegend in letzter Zeit einige junge Frauen spurlos verschwanden. Die drei ermitteln auf eigene Faust…

Bis auf sehr wenige Außenaufnahmen spielt sich die Handlung in den Räumlichkeiten des Wohnkomplexes ab, welches zumindest von außen betrachtet einen markanten Eindruck hinterlässt. Mal abgesehen von der leicht schummrigen Waschküche bleiben die Interieurs hingegen austauschbar, was leider auch auf die Beteiligten der überschaubaren Figurenkonstellation zutrifft.

Während die zurückhaltende Aria Kunst studiert und Grace etwas mit Jura am Hut hat, vermag Alex nach einer schweren Verletzung nicht mehr viel mit sich anzufangen, was natürlich seinen Enthusiasmus in Richtung Verschwörung erklärt. Er ist es auch, der die beiden anderen ermutigt, mal in die Wohnung des Verdächtigen einzusteigen, da Luftschächte für derartige Unternehmungen scheinbar stets günstig konstruiert sind.

Eine Zeit lang funktioniert das Versteckspiel mit Verdächtigungen, Indizien und Hinweisen in Sachen Suspense ganz gut, doch nach einem einschneidenden Ereignis flacht die Spannung merklich ab. Stattdessen konzentriert man sich auf einige Härten und teils überraschend einsetzende Gewalteinlagen, was den Spannungslevel allerdings kaum nach oben treibt.
Vielmehr erahnt man im finalen Akt recht früh die Zusammenhänge, wonach der Showdown nur eine Frage der endgültigen Enthüllung sein dürfte.

Darstellerisch wird derweil ganz okay performt, vor allem Mulroney überzeugt mit einer unheimlichen Präsenz, indem er bis auf ein entscheidendes Wort grundlegend schweigt und düster drein blickt, was der Atmosphäre durchaus zuträglich ist. Gleiches gilt für den Score, der sich über weite Teile auf klassisch arrangierte Streicher verlässt.

Leider mangelt es insgesamt an Sympathiewerten für die Charaktere und obgleich sich ab und an einige spannende Szenen ergeben, überrascht das Gesamtergebnis des Thrillers kaum, zumal der Laufzeit von 112 Minuten einige Straffungen gut getan hätten.
Und ein simpler Türspion ist auf Dauer eben auch nicht so effektiv wie ein Fernglas…
Knapp
6 von 10   



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