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Wenn Reden Silber und Schweigen Gold ist, tendiert Autor und Regisseur Ben Goodger eindeutig zu letzterem. Denn in seinem postapokalyptischen Überlebensfilm gibt es keine Dialoge, es wird kein Wort gesprochen. Für die überschaubare Handlung sind Worte auch nicht zwingend notwendig.

Vor zehn Jahren brach die Zivilisation zusammen. Erst fraßen die Überlebenden die Toten, dann machten sie sich über die Lebenden her. Als eine Kannibalengang Jake, seine kranke Freundin und seinen Vater überfällt, stirbt letzterer und die notwenige Medizin wird gestohlen.
Jake verfolgt die Gruppe, um Gestohlenes zurückzubeschaffen…

Sollte die Zivilisation tatsächlich so rasch verfallen, dass die menschliche Sprache komplett verkümmert? Jene, die uns so deutlich von der Kommunikation unter Tieren abhebt? Genreverwandte wie „Planet der Affen“ haben eher das Gegenteil untermauert, doch sobald man sich an das hiesige Treiben ohne Worte gewöhnt hat, funktioniert es so einigermaßen. Auch mithilfe des Scores, welcher einige Lücken zu füllen hat, der die raue und trostlose Stimmung jedoch angemessen untermalt.

Hier herrscht nichts anderes als „Survival of the fittest“, denn obgleich hier und da noch vereinzelt ein alter Wohnwagen oder gar eine Waldhütte vorzufinden sind, versuchen die Überlebenden von dem zu zehren, was der Wald hergibt, - oder eben denen, die sich dort drin bewegen. Als weitere Bedrohung gesellen sich Rudel wilder Hunde hinzu, von denen man gerne mehr gesehen hätte, zumal die fast noch kompromissloser vorgehen als besagte Kannibalen. Etwaige Fressszenen bleiben nämlich aus und das Blutvergießen hält sich generell eher in Grenzen und wird überwiegend ins Off verlagert.

Mit einem eventuellen Sympathieträger ist das hier jedoch so eine Sache, denn auch Jake raubt und mordet für eigene Belange, lässt aber immerhin einen Jungen und seinen Großvater am Leben und trifft zudem Entscheidungen, die nicht immer ganz nachvollziehbar erscheinen.
Wenn man schon konsequent vorgeht, sollte man bei einem Diebstahl doch zumindest den Gegner ausschalten, anstatt auf dessen Tiefschlaf zu setzen und eine Hundepfeife bewirkt nun mal nicht, dass die Meute jenen verschont, der die Pfeife betätigte.

Ansonsten ist aber ganz gut Bewegung im Spiel, es gibt einige körperliche Konfrontationen und kurze Hetzjagden, viel Anpirschen, aber auch einiges Ausharren, wobei der karge Wald und die umliegende Landschaft durchaus zur Endzeitstimmung beitragen. Grundlegend wurde mit einem eher geringen Budget zu Werke gegangen, welches jedoch Wert auf eine glaubwürdige Ausstattung setzte und eine recht effektive Kamera. Auch darstellerisch sind fähige Leute am Start.

Ob Dialoge zu emotionaler Tiefe beigetragen hätten, lässt sich im Nachhinein nur schwer abschätzen, denn der Ausgang bleibt ein wenig ungewiss und erscheint nur bedingt versöhnlich. Die simple Handlung generiert zuweilen ein paar spannende Sequenzen, bleibt jedoch phasenweise ein wenig ideenlos und zu schwach durchdacht, wonach der Stoff nicht über die komplette Laufzeit zu fesseln vermag. Die Stimmung und das gesunde Maß an Bewegung steuern dem etwas entgegen.
5,5 von 10



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