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Der Job bei einem schwedischen Elektro-Riesen ist eher fad für Conny (Filip Berg), der tagein, tagaus nichts anderes macht als Fernseher zu verkaufen und zuhause bei den Kunden zu installieren. Als ihn eines Tages eine Kundin nach Kopfhörern fragt, geniert er sich sogar zuzugeben, in dem Laden überhaupt zu arbeiten. Denn der geschiedene Enddreißiger würde gerne mehr Zeit mit seiner kleinen Tochter verbringen, die bald Geburtstag hat und vom neuen Freund ihrer Mutter, einem Flugkapitän, ein richtiges Pferd erhalten soll. Aber solch ein Geschenk liegt außerhalb der Möglichkeiten von Möchtegern-Pilot Conny, der zuhause zwar gerne die eine oder andere Stunde in seinem Flugsimulator verbringt, jedoch noch nie in einem richtigen Cockpit saß.
Als er gerade einen neuen Fernseher bei einer Kundin installiert und ihn diese kurz alleine lassen muß, wird er Zeuge, wie deren heimkehrender Ehemann ermordet wird. Dummerweise greift er sich die Mordwaffe, bevor er selbst mit einem Schlag auf den Schädel niedergestreckt wird. Als er wieder zu sich kommt, geht alles ganz schnell: als Täter verhaftet will Kommissarin Helena (Eva Melander) nichts von seiner Unschuld wissen und so wird Conny im Handumdrehen wegen Mordes verurteilt und findet sich alsbald im Gefängnis wieder. Sein schlafmütziger Anwalt erklärt ihm lapidar, daß eine Berufung ausgeschlossen sei. Tja, dumm gelaufen.
Conny versucht wie immer, sich anzupassen und mit der Situation zu arrangieren. In der Wäscherei eingeteilt, hört er ein Gespräch zwischen zwei Knackis, die mittels eines Tunnels ausbüxen wollen. Den Tunnel findet Conny sofort und macht sich aus dem Staub, zur Wohnung der Kundin, wo er verhaftet wurde. Die Witwe will er davon überzeugen, daß er kein Mörder ist. Aber das ist gar nicht so einfach...

Eine turbulente Krimikomödie verspricht Netflix mit der schwedischen Produktion Strul und weckt damit Assoziationen zu der Ende letzten Jahres erschienenen, ebenfalls schwedischen schwarzen Komödie Konferensen. Doch obwohl hier wie dort Eva Melander auf der Besetzungsliste steht, weist Ein ganz mieser Tag, so der deutsche Titel, nahezu überhaupt keine Parallelen zu der sehenswerten, nicht mit derben Scherzen geizenden 2023er Produktion auf. Stattdessen präsentiert sich mit Strul die x-mal gesehene Story eines nicht unsympathischen Losers, der unschuldig in den Knast gerät und diese seine Unschuld beweisen will. Leider ist der Film trotz flottem Erzähltempo nicht im Mindesten witzig oder von besonderer Situationskomik geprägt, sondern eine samt und sonders äußerst biedere Angelegenheit.

Filip Berg alias Conny, besonderes Kennzeichen seine sich nie verändernde Mimik, erträgt so ziemlich alles ohne großen Widerspruch, versucht aber immerhin, seine Lage zu verbessern. Dazu will er als erstes einmal das Handy des Toten finden, weil sich darauf Spuren finden lassen sollten, wieso der Besitzer ermordet wurde. Doch die Polizei (hier: Kommissarin Helena) zeigt kein Interesse. Helenas Mitarbeiterin Diana (Amy Deasismont) dagegen, zufällig die Kopfhörerkundin vom Filmbeginn, schlägt sich auf Connys Seite und unterstützt dessen Ambitionen immer tatkräftiger. Der allerdings soll nach Willen der beiden Knastbrüder Musse und Norinder diese ins Ausland fliegen, da er sich als Pilot ausgegeben hatte. Und natürlich soll den Knackis ein Batzen Geld aus einem Drogengeschäft den Ausstieg versüßen. Weil Conny aber gar nicht fliegen kann und auch nicht türmen will, läuft das natürlich alles schief.

Es dauert etwa 17 Minuten, bis der erste als solcher erkennbare Gag daherkommt: Conny bekommt im Knast eine Gabel in die Hand (natürlich unblutig) und muß selbst auf dieses corpus delicti hinweisen, was allerdings ohne Reaktion bleibt. Auch beim Zuschauer, der während des ganzen Films kein einziges Mal lachen muß. Später wird noch ein Fernseher zerlegt und kurz darauf durchschossen, zwischenzeitlich springt Conny aus dem Cockpit eines Flugzeugs, da er ja nicht wirklich fliegen kann oder rasiert sich die Augenbrauen ab, weil er damit sein Äußeres entscheidend verändern will, wie er erklärt. Soll das lustig sein, ist das schwedischer Humor?

Strul ist genaugenommen ein Remake einer bereits 1988 ausgestrahlten Komödie, doch hier wirkt dies wie eine Ausrede, daß der Regie unter Jon Holmberg, der auch am Drehbuch mitschrieb, zu diesem Remake einfach gar nichts Witziges eingefallen ist. Denkt man an die Komiker der späten 1980er Jahre, fallen einem allein für den deutschen Sprachraum (der gemeinhin nicht als Hochburg des Humors galt) Kapazunder wie beispielsweise Didi Hallervorden ein, der gleich serienweise mit Slapstick, Klamauk und blöden Sprüchen (z.B. Didi auf vollen Touren, 1986) für den einen oder anderen Brüller sorgte - doch in Schweden scheint man damals zum Lachen in den Keller gegangen zu sein. Eventuell auch heute noch, zumindest wer Strul für witzig oder auch nur humorvoll hält.

Das bedeutet nicht, daß der Film schlecht ist, allerdings erzählt dieses Remake, das keinerlei Lust auf die Sichtung des Originals weckt, einfach eine belanglose Geschichte von einem Papa, der dank Scheidung und Besuchsrecht seine Tochter ohnehin nur selten sehen kann, diese aber trotzdem gerne glücklich machen will - schließlich wünscht sie sich ja ein echtes Pferd. Eine familienfreundliche Story ohne Tiefgang, bei der man den mitschauenden Kindern aufgrund der Harmlosigkeit auch gar nichts weiter erklären muß. Gähn. 4 Punkte.

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