Ein rabenschwarzer Muttertag
Von überforderten Müttern am Rande eines Nervenzusammenbruchs (oder schon weit darüber hinaus) hatte das Horrorgenre in den letzten Jahren mehr als genug. Da hat spätestens der „Babadook“ etwas losgetreten, das kaum noch zu stoppen aber auch kaum noch zu toppen war. Was kann „The Beldham“ zehn Jahre später dem Ganzen also noch hinzufügen, wenn eine psychisch labile Mutter mit ihrem Baby in ein abgeschiedenes Haus zu ihrer eigenen Mutter zieht und es scheinbar mit einem alten, kinderfressenden Vogeldämon zu tun bekommt…
The Horror… and the Drama
„The Beldham“ nimmt etwas Bekanntes und dreht den Strick um dessen Hals dermaßen tight, real und böse zu, dass man allen Beteiligten unbedingt gratulieren muss. Mit einer gewissen dramatischen Ouvertüre und Auflösung muss man leben, reinrassiger bzw. mainstreamiger Horror sieht in letzter Konsequenz wahrscheinlich sehr anders aus. Das kann den ein oder anderen enttäuschen bis verärgern. Wer seinen Grusel und seine Schocks aber menschlicher und bleibender mag, der wird hier auf seine Kosten kommen, da bin ich mir sicher. Die Damen spielen allesamt mit vollem Einsatz, seelisch wie körperlich aufopferungsvoll bis ans Limit. Audiovisuell hat „The Beldham“ fast schon halluzinatorisch oder zumindest traumwandlerisch auch etwas auf dem Kasten. Und das Finnish hat mich brutaler und tiefer getroffen als ich es mir anfangs zugestehen wollte. Gerade als Elter. Rechnet man dazu eine übersichtliche Laufzeit und sicher nicht nur für mich nachvollziehbare generationale und familiäre Konflikte, dann ist „The Beldham“ zumindest für meinen Geschmack deutlich mehr als die Summe seiner unheimlichen Teilchen.
Mutterleib, Mutterzeit, Mutterleid
Fazit: Super solider und effektiver und im Endeffekt sogar erstaunlich emotionaler Mamagrusler, der eigentlich Gewohntes, Abgenutztes und Klischeehaftes dermaßen gekonnt und stilvoll auf den Punkt brät und seelisch, menschlich, dramatisch freidreht, dass er viel mehr Spaß sowie Angst (und betroffen!) macht als er theoretisch jedes Recht hätte. Und das hätte ich beim ausgetretenen Thema „Muttertraumata“ kaum noch für möglich gehalten…