Monströses Malbuch
Selbst Gelegenheitsgucker wissen, dass man auf Netflix spärlich gute „Netflixfilme“ bekommt. Vielleicht trifft das wahllos drückende Gelegenheitsgucker sogar noch mehr als sich auskennende und vorher forschende Filmnerds. Doch „It's What's Inside“ ist nicht nur ein neuer Genregem in der relativ kurzen Netflixliste eben dieser, er hat auch das Zeug dazu Filmkenner und Mainstreamschauer unter einer stilvollen und verspielten Kappe zu vereinen und super gut zu unterhalten. Bavas Buntheit trifft Rian Johnsons Murdermysteries. Ein wilder Ritt. Über eine Clique, die sich Jahre nach dem College in einer abgelegenen Villa wiedertrifft und durch einen rätselhaften Koffer samt Technik ein ganz neues (Miss)Verständnis füreinander bekommt…
Bodies Bodies Bodies
„It's What's Inside“ ist eine der schönsten Überraschungen des Filmjahres. Ultrastylisch, gewieft, verzwickt, verspielt. Die jungen, attraktiven Darsteller spielen das gut, auch wenn/gerade weil einige ihrer Figuren äußerst unsympathisch und überdreht sein können. Aber das passt ins Konzept. Die Farben und Nuancen, die Schichten und Finten, die Spielereien, visuell wie erzählerisch - ich dachte kurz, Tarantino hätte hier unter einem Synonym sein erstes horroraffines Projekt realisiert. „It's What's Inside“ ist intelligent und bissig, die Pointen sitzen bis zum letzten Moment, die Bildsprache ist aus einem Guss von den Produzentenlogos an. Ich hatte einfach aufregend viel Spaß. Im Grunde auch nicht komplett weit entfernt von sowas wie „Talk To Me“ oder „Tarot“ - aber mit wesentlich mehr eigener Identität und Verve. Das wirkt frisch, das wirkt ungezähmt, das müsste eigentlich selbst die jüngere Generation mit einer Aufmerksamkeitsspanne von drei Minuten bei Laune halten. Vielleicht bleibt das Handy da ja mal beim Filmgenuss aus. Man muss nicht immer mehrere Dinge gleichzeitig machen. „It's What's Inside“ kann Multitasking dagegen exzellent. Alle Bälle wirbeln durch die Luft - und das giftige Grinsen dabei sitzt auch noch. Das ist attraktiv, das hat eine Grundidee zum Gedankenanregen und Austausch, das hätte für meinen persönlichen Geschmack ruhig noch gemeiner und horrornäher werden können. Doch auch so als Mysterygenremix ist dieses reflektierende Streamingsternchen ein kurzweiliger Hochgenuss.
Blutige S(ch)eide
Fazit: einer stylischsten, cleversten und coolsten Genrefilme des Jahrzehnts. Hipper könnte eine farbenfrohe „Twilight Zone“ heute nicht kommen. Und das trotz Hyperaktivität und viel nerviger Menschen… Es zählen halt die inneren Werte! ;)