Review

Trotz einer Voraussetzungen, die eins, zwei bekannte Namen (wie Robert Carradine, Danny Trejo oder Weston Cage) umfassen und vor allem das im Heimvideomarkt durchaus auch als B-Picture beliebte Genre des Western weitgehend unbekannt und unbesprochen gebliebener Vertreter, präsentiert von Lionsgate im Verbund mit Grindstone Entertainment, von einigen kleineren Produktionsstudio fabriziert. Schaupatz weit her und weit entfernt, mit einer längeren Einleitung per Texttafeln gehalten, basierend auf einer wahren, bereits in The Harder They Fall (2021) angekreuzten, dort von Idris Elba verkörperten Geschichte und dies im Gattungseinerlei. Begonnen in einem Gefängnis, das Tagebuch schreiben, die letzten und vorletzten Gedanken eingetragen und so für sich und vor allem auch die Nachwelt festgehalten, die ersten Monologe, das Bedauern, die verlorene Hoffnung, das Besinnen im Nachhinein, das "the last time": 

1895. Oklahoma, Choctaw Nation, Fort Smith. Die von Rufus Buck [ Charlie N. Townsend ] angeführte Gang bestehend aus u.a. Sam Sampson [ Hugh McCare Jr. ], Maoma July [ Ivan Villanueva ], Charles Buck [ Chase Stephens ] und Lewis [ Nicholas Rising ] & Lucky Davis [ Philip Andre Botello ] treibt ihr Unwesen im Wilden Westen von Oklahoma, was auch die Familie von Chuck Palmer [ Brian Austin-Green ] samt Tochter Jolene [ Kelsey Reinhardt ] und seinem Sohn Tommy [ Kassius Marcil-Green ] bedroht. Bald werden die örtlichen Sheriffs, speziell Heck Thomas [ Tim Abell ] und die Indianerpolizisten wie Corporal Paden Tolbert [ Tommy Wolfe ] auf die zunehmend brenzlige Lage aufmerksam und versuchen einzuschreiten. 

Mit Rückblenden wird begonnen, mit steifen Theater, gedreht vom eigentlich erfahrenen, schon bei PM Entertainment tätigen, hier vollkommen überforderten Paul G. Volk, ein steriles Geschehen, ein Nachspielen von Mythen im Kostüm, ein Austeilen von bekannten Szenen und Szenerien. Der Cognac fließt, der braune Fusel, der die Sonne heller macht und die Zunge lockerer, erste Fragen und erste Antworten, bejahend oder verneinend, auf das Thema ankommend und die Situation. Die Gespräche raschelnd, die Akzente eingeübt, die Kameraarbeit gediegen bis stehend bis übersichtlich agierend, die Darsteller aus dem Fundus der Gattung Film und dem Reservoir und Repertoire eingekleidet und ausgestattet und auch so eingefangen, Gespräche über die Gang und die Grenze und Law & Order, dazu etwas Unsere kleine Farm. Zwischen erster Seifenoper und Familienserie und der Bedienung der Mythen über gezogene Colts und Pulverrauch, die Titel erst später gezeigt, vorher die ersten andeutenden Szenen und die bemühte Eröffnung. Horizon on a dime, im Miniformat, mit allem drum und dran etwas länger als anderthalb Stunden und etwas andauernder und ausdauernder als er sein muss und kann gehalten, die erste Konfrontation nur akustisch und nicht visuell dargereicht. Eine Schnittwunde im Gesicht, eine Schramme auf der Wange, eine Szene, die an Hängt Ihn höher erinnert, die von dort kopiert, die die Messlatte hoch liegt und bei Weitem nicht erreicht, ein Versuch ist müßig, aber scheinbar in den Augen der Filmemacher wert. 

Von Schnitt zu Schnitt und Einstellung zu Einstellung wird sich gehangelt, mehr in den Text (von tatsächlich John A. Russo und James O'Brien) verliebt als die Aktion, ein "guilty as charged" in der Eröffnung, ein drohendes Hängen in der trockenen Wüste, ohne weitere Emotionen dargereicht und trotz der bedrohlichen Situationen nicht so eingefangen und nicht so gespielt. Viel in der Bewegung ist man eigentlich nur bei den diversen Ortseinblendungen, durchaus viele Personen teilweise in der Handlungsführung, wacklige Dekoration und frisch aufgestelltes Mobiliar, eine Art fahrender Zirkus, das Spielen für das (fehlende) Publikum und ebenso das Inszenieren, einige Thematiken im Anreißen und weniger in der Ausführung und Ausübung, einige Andeutungen, die im Geschriebenen sicherlich einzeln für sich bestehen könnten und dort zumindest besser klingen. Um Landverbreitung geht es, um Landvertreibung, um Ureinwohner und neue Generationen, um Anarchie und Gesetzesordnung, um das Reisen von A nach B und mitten in das Nirgendwo, um Lebende in der Führung und Tote über dem Pferd gelegen, um No Names und Buffalo Bill Cody, um Scharfrichter und Duckmäuser, Personen mit dem Sheriffstern und welche in der Missachtung. 

Immerhin gibt es hier Pferde als Fortbewegungsmittel zu sichten, die die oftmals hörspielartig vorgetragene Handlung am Laufen halten und westernähnliche Bauten in der Blickrichtung, ein Vortäuschen von Möglichkeiten, das Andeuten von Gefahr und dräuenden Milieu, wieder mehr in der späten Einzelaufnahme als dem eigentlichen Zeigen der Abläufe, Tote im Nachklapp, in der Wüste und im trauten Heim, das Darreichen eines "somewhere" und "somehow", das Aneinanderfügen unzureichender Szenen. Geschrieben verhältnismäßig mit Hand und Fuß, umgesetzt mit Einfallslosigkeit und ohne Wirkung und spürbaren Interesse und fühlbaren Enthusiasmus, das schlichte Bebildern der Sätze, eine sparsame bis aseptische Zeichnung, wenigstens in offener, die Weite und Unberührtheit bzw. fehlende Zivilisation durchaus präsentierter Gestaltung, ein Begehen eines vorsintflutlichen Oklahoma, ein Gebaren an frischer Luft, den ersten Schusswechsel nach einer halben Stunde Vorlauf bereithaltend. Zuweilen trotz aller Ernsthaftigkeit nahe am Rande einer Parodie, die Prämisse verlockend, die Umsetzung nicht, ein mühsames Hin und Her an vielzähligen, aber parallel orientierungslosen Ortsbeschreibungen und milden und gleichzeitig jederzeit vorhandenen und uninspirierten Gewaltausbrüchen, Blut auf dem Boden und Dampf in den Zimmern. Die schwelenden Rassenkonflikte, deren "go slow down" - Diskussion und die kriminelle Ausbreitung im gesamten Territorium inklusive Mord, Kidnapping, Vergewaltigung, Missbrauch, Sklavenhandel und allumfassenden "it is the seed to much evil" dabei als einzige interessante Option, die auch so erhalten und in aller unzureichenden Ausführung noch am positivsten in der Erinnerung, als vertane Chance in all der wortreichen Tempolosigkeit über bleibt, eine minimalistische "you only dress it up in fancy clothes" - Dramaturgie, die Sporen klickernd, die Waffen klackernd, das Holz knarzend, faszinierend in all der staubigen Langsamkeit und der trockenen Ausdrucksweise und ausgelebten Emotionslosigkeit.

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