Daylight
„Nickel Boys“ wandert auf den großen Spuren von Jenkins, Malick, Poitier und erzählt extrem stilvoll aus den Egoperspektiven zwei schwarzer Jungen, deren Freundschaft über die Jahre von Land und Leuten und Leben auf harte Proben gestellt wird…
Wer den Penny nicht ehrt…
Die subjektiven Perspektiven, die amerikanischen (Alp-)Träume und Themen, die Sensibilitäten und Schönheiten, Grausamkeiten und Kunstfertigkeit - „Nickel Boys“ hat nicht nur Gefühl, er ist quasi ein Gefühl. Näher dem Arthouse als dem Erzählkino, näher der schwarzen Bevölkerung und deren Lebensgefühl. Und doch zeitlos und universell, persönlich und intim, stark und intensiv. Man wird angesprochen und angeguckt. Man spürt die Berührungen der Augen - mal liebevoll, mal hasserfüllt. Vielen wird das zu lethargisch und künstlerisch abgehoben auf Abstand sein. Für mich waren das jedoch zwei satte und vielschichtige Stunden, die ich nie und nimmer missen will. Die Oscarnominierungen gehen vollkommen klar. Ohne sich anzubiedern. Komplex, kompliziert, unmittelbar. Kunstkino war selten nahbarer. Die „schwarze Erfahrung“ war selten nachvollziehbarer. Tolle, frische Gesichter und Darsteller. Eine Kamera für die Ewigkeit. Fliegendes Auge. Neutral und traurig. Bitter und barfuß. Die Dokuprofession des Regisseurs spürt man porentief. Blick für Details, Blick für Wahrheit, Blick für Poesie und Natur. Alles andere als Krokodilstränen. Themenkomplexe und gemischte Gefühle, die Amerika und seine Seele wohl nie wieder verlassen werden und auf ewig beschäftigen werden. Es müssen. Leider.
Americana-Edelstein
Fazit: audiovisuell ein Rausch, einer der hübschesten Filme seit Ewigkeiten. Erzählerisch etwas angestrengt, lose und fordernd. Eher ein Vibe. Dennoch ein wichtiges und wuchtiges Kunstwerk, ein Unikum, eine freie Collage und feiner, sensibler, bleibender Beitrag zum „Black Cinema“!