Mal wieder eine späte Fortsetzung, diesmal zu „Gladiator“ (2000), wie auch diese Neuauflage inszeniert von Ridley Scott. Und diese beginnt mit einer gemäldeartigen Erinnerung an den Vorgänger mit Russell Crowe. So mag man sich fragen, ob das auf eine Verbindung hinweist oder ob man einfach nur ins Gedächtnis rufen möchte, was man mal hatte. Nun, beides.
Einiges erinnert in den dann folgenden zweieinhalb Stunden an den Vorgänger. Mit der Eroberung von Numidien in Afrika bringt Feldherr Acacius den Gefangenen Hanno mit ins römische Reich. Dieser wird von Macrinus in die Gladiatorenriege aufgenommen, plant seine Rache an Acacius und wird Teil eines größeren Plots, welcher den Sturz der römischen Imperatoren beinhaltet.
Und so nimmt das Historienepos einen vorhersehbaren Weg, bleibt bei aller inhaltlichen und dramaturgischen Wiederholung aber meist unterhaltsam. Das muss man ihm immerhin zugestehen, wobei das weniger an der Leistung des Ensembles denn mehr an seinem Design und dem Spektakel liegt. Das kann der Film, wenn er denn will (und man die hässlichen CGI-Affen überstanden hat, Anm. d. Red). Und wenn man das filmische Ergebnis als Fantasie-Historie betrachtet. Dann liefert Scott hier durchaus ansehnlichen Krawall mit Schwert, Sand und Pöbel. Und computeranimierte Tiere, die nur so lala gelungen aussehen und die Frage aufkommen lassen, ob Gladiatoren auch mal gegen Gladiatoren kämpfen sollten. Es gibt hier und da etwas Bombast, das Imperium ist ansehnlich ausgestattet und gekleidet, auf diesen Ebenen macht „Gladiator II“ Laune.
Das aufspielende Ensemble versprüht diese nicht immer. Ein Paul Mescal bleibt eher physisch präsent, denn da brennt kein Feuer in seinen Augen, so sehr ihm das Skript auch die Wut andichtet. Und da scheitert „Gladiator II“ auf der emotionalen Ebene. Das Drehbuch gibt Mescal allerdings auch nicht viel Gelegenheit, sodass man nicht exakt sagen kann, wo denn jetzt das Problem liegt. Sein Sinneswandel kommt aus dem Nichts, was aber ein typisches Merkmal dieser Fortsetzung ist. Charakterentwicklung geht anders.
Hanno ist wie ein Bruchstück von Crowes Maximus. Einen weiteren Teil von diesem findet man in Acacius, gespielt von Pedro Pascal. Der Feldherr hadert mit dem, was aus dem Reich geworden ist, aus der Rolle hätte man gerne mehr machen können. Wie anno dazumal ist Connie Nielsen wieder als Lucilla dabei, neu spielt sich ein Denzel Washington im Standardmodus als Macrinus durch die sonnigen Kulissen. Die beiden Imperatoren Geta und Caracalla bleiben so blass wie sie aussehen, die beiden Kasper kann man wenig ernst nehmen.
Wie auch manches sonst. Ich weiß nicht, ob die Römer „Aye“ gesagt haben, ich hatte nie Latein. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht Sätze in englischer Sprache an die Wände gepinselt haben. Und für das, was der Film über seine Laufzeit hin aufbaut, ist das Finale dann eher mau. Sowohl in der Arena, als auch im Bächlein vor dem Tore. Ein bisschen kriegt er mich am Ende aber doch – weil er sich wieder audiovisuell an den Vorgängerfilm hängt. Was eigentlich genug über diese Fortsetzung aussagt.
„You have worms.“
Historie kann er nicht, Spektakel immerhin manchmal. Wo „Gladiator II“ mit nur solidem Spiel, weniger Epik als angedacht und der Wiederholung der Inhalte dramaturgisch manches in den (Arena-)Sand setzt, da kann er immerhin mit ein paar Schauwerten glänzen. Audiovisuell ist das öfters chic, ich habe für die Epoche aber auch einfach ein Faible. Design und Ausstattung passen, die insgesamt zu kurzen Kämpfe werden wenig zimperlich bebildert und unterm Strich ist das trotz der Länge und kleinen Längen eine unterhaltsame Fortsetzung. Nur wirklich gebraucht hat die wahrscheinlich niemand.