Ich möchte etwas über den Film „Maneater“ aka „Antropophagus“ aka „The Grim Ripper“ schreiben.
Von diesem „Skandalfilm“ habe ich im Vorfeld schon viel gehört oder gelesen: Kannibalenfilm...sehr blutrünstig...bricht viele Tabus...ein Fötus wird verspeist...verboten und beschlagnahmt. „Der Film ‚Maneater’ ist so entsetzlich, dass Sie ihn in Ihrem ganzen Leben nicht vergessen werden. Er enthält extrem nervenbelastende Szenen, so dass wir folgenden Personen vom Besuch dieses Films abraten: Herzkranke, Magenkranke, Schwangere, Leute mit schwachen Nerven, Kreislaufschwache und Person unter 18 Jahren. Dies ist kein Werbegag, sondern ein ernstgemeinter Hinweis, den Sie nach dem Besuch des Films bestätigen werden!“ (Zitat von der damaligen Kino-Verleihfirma)
Und so stellte ich mir den Film ungefähr vor:
Schiffbrüchiger (gespielt vom finsteren George Eastman) ist gezwungen, Frau und Kind zu verspeisen, was möglicherweise detailliert zu sehen ist... Strandet auf einer verlassenen Insel...ist inzwischen wahnsinnig geworden...Andere Leutchen kommen zufällig auf diese Insel (auch durch Schiffbruch??) ...Eastman geht um und tötet alle auf bestialische Weise, um sich von deren Fleisch zu ernähren (bestimmt klasse Gore- und Slashereffekte, Leichenzerstückelung etc.). Daß der Film verboten wurde, unterstrich nur meine Meinung von einem Gore-Spektakel. Durch Zufall kam ich an die deutsche Uncut-Version heran (Video, 87 min.).Voller Hochspannung legte ich den Film eines Abends ein. Und so war er dann wirklich:
Erstmal ganz miese Bildqualität, was aber mehr auf das verwendete Filmmaterial, als auf eine zu oft gespielte Videokassette zurückzuführen scheint (der Regisseur war wohl ein Billigfilmer). Na jedenfalls war das Bild sehr blaß und stellenweise fast schwarzweiß. Nun gut, weiter zum Film. Ein Paar am Strand, die beide sehr gezwungen und sehr schlecht deutsch sprechen. Sie geht ins Wasser, er hört über Kopfhörer nervtötende Musik. Dann gehts ziemlich schnell: Frau schwimmt - sieht verlassenes Boot - schaut hinein – schreit - Mann am Strand hört nichts - Blasengeblubber unter Wasser - ein bißchen Blut - weg war die Frau -böses Etwas geht an Land (Ich-Perspektive) - sieht den Mann am Strand - blitzende Axt - Axt im Kopf des Mannes. Naja so richtig spannend war das schonmal nicht. Weiter geht's die nächste Dreiviertelstunde (!) mit langweiligem, nichtssagenden Dialogen zwischen den späteren Opfern. Dabei wurden noch zusätzlich Szenen eingespielt (italienisch mit deutschen Untertiteln), die aber in keiner Weise den Film bereichern. Zwischendurch gibt’s noch einen abgetrennten Kopf in einem Eimer zu sehen (sehr billig gemacht), ansonsten vorerst nur ödes Gequatsche und dazu eine Filmmusik, die einem beizeiten auf den Sack geht. Spannung kam hier schon nicht mal ansatzweise auf. Man hat echt zu tun, die Augen offen zu halten. Und vom Menschenfresser ist überhaupt nichts zu sehen. Erst in der 50. Filmminute tauchte er nun endlich auf! Er erschien wie ein Zombie in einem 30er-Jahre-Movie (und die waren bestimmt furchteinflößender!). Er war plötzlich im Zimmer, niemand hatte ihn kommen sehen oder hören (für einen Wahnsinnigen doch sehr clever). Beugt sich langsam über sein schreiendes Opfer und beißt ihn in den (Latex-)Hals. Ebenso schnell und unbemerkt ist die Bestie wieder verschwunden. Für einen Menschenfresser litt er offenbar an Appetitlosigkeit. Bei den anderen natürlich blankes Entsetzen - das war bestimmt ein wildes Tier - Sturm kommt auf -Blitz, Donner (wie furchtbar!) – eines der Mädchen ist verschwunden – alle suchen sie – die Mädchen finden schließlich ein altes Haus. Erst hier erfährt man diverse Hintergründe. Das Haus gehörte einem Millionär (=Maneater) und seiner Familie – diese waren die Besitzer der Insel – Millionär mit Frau und Kind seit langem auf einer Kreuzfahrt verschollen – nur seine Schwester lebt noch in dem alten Haus – sie betreten das Haus – finden das vermisste Mädchen – Schwester des Millionärs erhängt sich – Herumstöbern im Haus – hinter einer Geheimtür finden sie ein paar halbvergammelte Leichen – inzwischen suchen die männlichen Mitglieder der Gruppe weiter nach den zwei vermissten Frauen (die eine wurde längst gefunden, die andere ließ ihr Freund auf dem Boot zurück, als sie auf der Insel landeten – Boot war dann verschwunden). Einer findet einen Damenschuh und schließlich eine Grotte – die Höhle des Menschenfressers! Er geht hinein – sieht eine Menge vergammelter Leichen – findet schließlich seine (hochschwangere) Freundin – diese lebt noch (wahrscheinlich hat der Maneater ein Magenproblem und hat sich die Schöne für später aufgehoben) – plötzlich erscheint die Bestie (die in ihrem Kostüm einfach nur lächerlich wirkt) – Frau jammert um ihr Baby – Mann versucht den Maneater zu vertreiben – dieser erinnert sich an seine Familie, wie er sie auf dem Boot tötet (Rückblende) – wirft den Mann beiseite – beugt sich über die jammernde Frau – hält sie mit der einen Hand am Hals fest – mit der anderen Hand greift er ihr langsam unter den Rock und zieht etwas hervor, als hätte es bloß unter dem Rock gelegen. Dieses Etwas soll natürlich der Fötus sein, sieht aber eher aus wie ein blutiger Plastiksack. Nebenbei erwürgt er die Frau, nimmt den „Fötus“ und beißt hinein. Das war die berüchtigte „Fötus-Szene“. Diese war eigentlich der lächerlichste „Effekt“ an dem ganzen Film. Von Schock kann da wirklich keine Rede sein. Den deutschen Zensoren ging’s sicher nur um’s Prinzip, so etwas überhaupt darzustellen. Na ja zum Ende hin wurde der Film noch ein wenig aufregend:
Die drei Mädchen sind immer noch in dem alten Haus – plötzlich ist der Maneater da – schneidet einer die Kehle durch – die anderen beiden flüchten auf den Dachboden – die Bestie verfolgt sie (ellenlanges Treppensteigen folgt) – Mädchen verbarrikadieren die Einstiegsluke – plötzlich ist der Menschenfresser auf dem Dach – schlägt ein Loch hinein – packt eines der Mädchen – zieht sie am Kopf durchs Dach – wieder ein blutiger Latex-Hals – anderes Mädchen findet eine Spitzhacke – haut diese dem Maneater in die Wade – die Bestie fällt vom Dach (in einen Brunnen) – Mädchen geht runter (mit der Spitzhacke) – sieht in den Brunnen – Maneater lauert unten und fängt sie mit einem Seil – zieht sie hinein – sie versucht zu entkommen (über eine Leiter) – die Bestie hinterher – sie klettert heraus immer noch die Seilschlinge um den Arm – versucht sich verzweifelt zu befreien – der Menschenfresser entsteigt dem Brunnen – er kommt immer näher – plötzlich ist die letzte überlebende männliche Person der Gruppe da – er haut dem Maneater die Spitzhacke in den Bauch – der Latex-Bauch reißt auf (die „Wunde“ sieht jetzt aus, wie mit einem scharfen Messer aufgeschlitzt und nicht mit einer relativ stumpfen Spitzhacke) – die Gedärme quillen heraus (sehen sogar mal ziemlich echt aus!) – der Maneater hält sie sich vor’s Gesicht und beißt hinein – dann fällt er um und ist tot – Filmende.
Also, ich hab schon etwas mehr erwartet. Der Film wirkt sehr amateurhaft inszeniert, die Schauspieler (außer Eastman alle unbekannt) überzeugen nicht. Selbst Eastman wirkt eher lächerlich. Die Musik ist ätzend, von Spannung oder gar Atmosphäre kann keine Rede sein. Die Story ist mehr als banal. Ein richtiger „Kannibalenfilm“ ist er auch nicht, da eigentlich keines der Opfer so richtig verspeist wird, Eastman knabbert alle nur an oder beißt sie tot. Die sogenannten „Effekte“ sind das Billigste vom Billigen, wirken meist lächerlich und kommen nur relativ selten im Film vor.
Ich glaube, man hätte aus diesem Film viel mehr machen können, nicht nur von den Effekten her, auch die Story hätte bedeutend interessanter sein können. In einem Punkt gebe ich der Verleihfirma recht (siehe Zitat am Anfang dieses Artikels): „Der Film ‚Maneater’ ist so entsetzlich... [schlecht], dass Sie ihn in Ihrem ganzen Leben nicht vergessen werden [So eine Gurke vergisst man auch nicht so schnell]. Er enthält extrem nervenbelastende Szenen... [gemeint ist hier wohl die Filmmusik].
Also wer den Film dennoch unbedingt sehen will, um vielleicht mitreden zu können, dem rate ich dringend davon ab, dafür eine Menge Geld hinzublättern. Glaubt mir, Leute, der Film ist es wirklich nicht wert! Versucht euch das Teil irgendwo auszuleihen. 1/10
Der eine Punkt bezieht sich nur auf die unfreiwillige Komik!