„Man-Eater" gehört zu den umstrittensten Horrorfilmen überhaupt. Die einen finden ihn langweilig, die anderen finden ihn menschenverachtend und brutal, wieder andere erfreuen sich an der düsteren Stimmung, die der Film ausstrahlt. Für den Baumlangen George Eastman wurde „Man-Eater" zur Paraderolle und Joe D'Amato, der nach eigenen Angaben hier seinen billigsten Film drehte, wurde zum Kultregisseur.
Die Handlung ist schnell erzählt: Eine schiffbrüchige Familie (Vater, Mutter, Sohn) treibt mit einem Schlauchboot seit Tagen auf dem Meer umher. Als der Sohn stirbt macht sich der Vater hungrig über den Leichnam her. Die Mutter, die die Leiche schützen will, wird dabei vom Vater erstochen. Sohn und Mutter sollen den Vater fortan als Nahrung dienen. Der Man-Eater ist geboren. Inzwischen vom Wahnsinn gezeichnet und ans Menschenfleisch gewöhnt, treibt er nun auf eine griechischen Insel sein kannibalisches Unwesen. Eine Gruppe abenteuerlustiger Touristen kommen ihn dabei gerade recht.
George Eastman, der nicht nur den Man-Eater spielt, sondern auch das Drehbuch verfasste, hatte hier eigentlich eine anspruchsvollere Handlung im Sinn gehabt, doch am Ende wurde alles schön von Joe D'Amato zurechtgestutzt. Was übrig blieb ist ein teilweise etwas langatmiger Film, der mehr von einer seltsam düsteren Stimmung getragen wird, als von Blutspritzereien. Spannung generiert „Man-Eater" über weite Strecken nur durch die Tatsache, dass sich der Zuschauer stets darüber bewusst ist, dass die auf der Insel umherirrenden Touristen ständig vom Man-Eater verfolgt und beobachtet werden. Kultig hierbei die Handkameraführung aus der Man-Eater-Perspektive. Der Film hat über weite Strecken viel mehr was von einem klassischen Gruselfilm, als von einem Splatterfilm. Die wenigen Splatter- und Goreszenen Haben aber durchaus ihre Wirkung. Gleich am Anfang bekommt der Zuschauer davon einen kleinen Vorgeschmack, als ein Tourist am Strand ein Fleischerbeil in den Kopf bekommt. Eine wirklich eklige Szene: Der Man-Eater jagt zwei Frauen, die sich auf einen Dachboden verstecken. Statt wie erwartet durch die Luke, greift der Man-Eater plötzlich und nicht mehr erwartet durchs Dach an, wobei er ein Loch ins Dach schlägt und eine Frau an den Haaren packt und sie dabei fast skalpiert, bevor er ihr beherzt in die Kehle beißt. Am effektvollsten fand ich die Szene, wo ein blindes Mädchen, wahnsinnig vor Angst, plötzlich wie ein Springteufel aus einem Fass auftauchte und mit einem Messer wie wild auf die Protagonisten einstocherte. Wer den Film zum ersten mal sieht, dem fährt hier der Schreck garantiert in die Glieder, gerade weil sich eine spannende Situation unmittelbar zuvor in Wohlgefallen auflöste, als es ein junges Kätzchen war, welches für unbehagliche Geräusche auf einem Klavier sorgte und eben nicht der Schwarze Mann.
Seine Umstrittenheit verdankt „Man-Eater" jedoch zum großen Teil zwei Szenen. Zum ersten: Der Menschenfresser reißt einen Fötus aus dem Leib einer Schwangeren und beißt rein. Zum zweiten: Der Menschenfresser wird mit einer Spitzhacke getroffen und er beginnt sein eigenes Gedärm zu fressen. Gut bei der ersten Szene kann man streiten, ob das geschmackvoll ist. Nun ja, ich habe auch schon Reviews gelesen von Leuten, denen dass noch zu harmlos war, weil man zu wenig gesehen hat. So pervers will ich nicht sein. Man hat nicht viel gesehen und das war gut so. Der Menschenfresser hat in einem enthäuteten Kaninchen gebissen - das war eklig genug und ich weiß nicht, wie man so eine Szene überhaupt echt aussehen lassen sollte und vor allem nicht wozu. Die Schlussszene, in der sich der Menschenfresser sein eigenes Gedärm schmecken lässt sorgte bei mir für mehr Heiterkeit. Toll gemachter Effekt und bis heute nicht kopiert.Waren es also diese beiden Szenen, die „Man-Eater" so berüchtigt machte? Die Beschlagnahmung, die darauf folgte war es wohl eher, schmecken doch verbotene Früchte noch am besten. Oder aber so knallige Marketingsätze wie diese: „Dieser Film ist so entsetzlich, dass Sie ihn in Ihrem Leben nicht mehr vergessen werden" oder „Verglichen mit diesem Monster sind Zombies liebliche Geschöpfe" oder mit Totenköpfen verzierte Warntafeln, die Menschen mit zu hohem Blutdruck oder schwachen Nerven davor warnen den Film zu sehen. Jedenfalls ist mir so eine übertriebene Marketingkampagne bisher nie wieder begegnet. Der Film ist ganz sicher viel weniger entsetzlich und orientiert sich eigentlich mehr ans klassische Horrorkino und so sind dann Viele, die den Film heutzutage erstmals sehen maßlos enttäuscht. Fakt ist, dass es schon seinerzeit viel Abartigeres gab, man muss sich nur mal im Kannibalen- Subgenre umsehen.
Aus heutiger Sicht ist Man-Eater sowieso völlig antiquiert. Die Kids von heute können sich heute auch direkt von Hollywood anekeln lassen. Was seiner Zeit gewagte Nischenproduktionen mit geringsten Budgets waren gibt es heute in Hochglanzformat und in Dolby Digital 5.1.