Review

Ja, es besteht kein Zweifel: Aristide Massaccesi - hier unter seinem bekanntesten Pseudonym Joe d´ Amato aufgeführt, schuf mit Man Eater - Der Menschenfresser (Anthropophagus, Italien 1979) nicht nur einen der umstrittensten, sondern auch grenzwertigsten Slasher-Streifen der Horrofilm-Historie. Ich bin mir sicher, es wäre gegenüber den vielfach qualitativ hochwertigeren Produktionen aus der Horrorkategorie einfach unfair zu leugnen, dass es Billigwerke wie dieses hier waren, die das weitläufige Horrorgenre nun endgültig in den Verruf brachten - ihm sozusagen den Todesstoß versetzten! Selten - fast kaum - wurde die Sparte der filmischen Horrorkunst seitens des Regisseurs (Au weia!) so sehr mißverstanden und dilettantisch-dreist ausgeplündert. Und da ich selbst seit langem Fan der cineastischen Horrorzunft bin, ist es mir in diesem Fall scheißegal, ob d´ Amato jetzt in erster oder zweiter Linie Filmemacher oder Geschäftsmann ist! Tatsache bleibt:
Dieser Schocker ist reine Spekulation auf niederste menschliche Instinkte - er unterstellt den Horrorfans, wenn auch nicht unbedingt bewußt, sie seien nichts weiter als kranke, blutrünstige Fetischisten. Der Film ist absolut minimalistisch, billig heruntergekurbelt und lediglich auf den reinen Ekel aus. Er wird bestimmt von unerträglicher Langeweile sowie barbarischer Widerwärtigkeit. In der Tat: "Man Eater" verfügt nicht im Geringsten über so etwas wie einen Spannungsbogen - auch irgendwie eine Kunst, Derartiges zustande zu bringen. Das Drehbuch (Ähm...welches Drehbuch, bitte!), die Bildgestaltung, Kameraführung, aber auch der Schnitt: alles totaler Schrott!
Und dennoch - allein wegen seiner Skandale! - sollte (und wird)
sich jeder bekennende Horrorfan im Sinne eigener Meinungsbildung d´ Amatos perfide Magen- und Geist-Attacke wenigstens einmal zu Gemüte führen, sofern er überhaupt an eine Kopie des Films (§ 131) zu kommen weiß.
Es ist äußerst zweifelhaft, schreibt Hans Schifferle in seinem Buch "Die 100 besten Horrorfilme", ob wir je einen künstlerischen
oder wenigstens interessanten Film von diesem italienischen
Exploitation-Dynamo sehen werden.
Ganz sicher nicht mehr:
D´ Amato (Aristide Massaccesi starb am 23. Januar 1999.
Randnotiz: Die meisten Fans werden es wissen, aber dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass es sich bei der berüchtigten Embryo-Szene um ein gehäutetes Karnickel gehandelt haben soll - wie schön! Mich hat diese Info, nachdem ich sie recherchieren konnte, ungemein beruhigt.
Original Text der Verleihwerbung (auch sehr nett!):
Der Film "Man Eater (Der Menschenfresser)" enthält extrem starke und nervenbelastende Szenen, die bei sensiblen Zuschauern zu gesundheitlichen Belastungen führen können. Wir bitten deshalb nachstehend genannte Personen, unbedingt auf den Besuch des Filmes zu verzichten: Herzkranke, Kreislaufschwache, Magenkranke, Schwangere sowie Personen, die unter Schlaflosigkeit leiden, und Jugendliche unter 18 Jahren. Dies ist kein Werbegag, sondern eine sehr ernst gemeinte WARNUNG, die Sie nach dem Besuch des Filmes bestätigen werden!
D´ Amato kommentiert dazu: Sind meine Filme krank? Manche Szenen sind zu delirierend, um wirklich zu schockieren. Sie sind nicht krank, weil sie nicht imitiert werden können. Meine Filme provozieren vor allem die Imagination. (...) Ich spiele gern mit Innereien, Fleischstücken, lebenswichtigen Organen herum.
Gibt es eine Grenze? Überhaupt nicht! Wir können soweit gehen, wie wir wollen. Aber mit dem Fötus in "Man Eater" habe ich meine eigenen Grenzen überschritten.

Noch Fragen? "Man Eater": sowohl inhaltlich wie handwerklich gehört dieses Machwerk versenkt!
2 von 10 Punkten!

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