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Julie (Tisa Farrow) sucht eine Mitfahrgelegenheit auf eine kleine Insel und lernt glücklicherweise eine kleine Gruppe Erwachsener (Bob Larsen, Mark Bodin, Serena Grandi und Saverio Vallone) kennen, welche ein Segelboot besitzen. Man erklärt sich einverstanden Julie auf der Insel abzusetzen. Dort angekommen stellt Julie fest, dass das kleine Dorf komplett verlassen ist. Auch zieht ein Sturm auf und die kleine Gruppe beschließt die Nacht im Dorf zu verbringen. Dort findet Julie die blinde Henriette (Margaret Mazzantini) blutüberströmt vor. Sie faselt etwas von einem Mann, der die ganze Dorfbevölkerung dahingemetzelt. Nikos Karamanlis (George Eastman) sei einst ein angsehener Mann auf der Insel gewesen, doch bei einem Bootsausflug mit Frau und Sohn, kenterte das Boot. Tagelang trieben die Drei auf See, bis Nikos Hunger auf menschliches Fleisch bekam. Nun beginnt Nikos die kleine Gruppe grausam zu dezimieren.

"Man Eater" wäre doch das perfekte Opfer für ein Remake. Für Joe D´Amato war es damals eine Niederlage. Mit knappem Budget dreht er den Film in kürzester Zeit, doch dank der ausufernden Gewalt hatte schnell die FSK ein Auge darauf geworfen und auch an den italienischen Kinokassen war der Horrorfilm ein Flop. Ich war auch ein wenig enttäuscht, da ich "Man Eater" auf dem selben Level erhoffte, wie die inoffizielle Fortsetzung "Absurd". Dabei hatte sich D´Amato wirklich ins Zeug gelegt. Zusammen mit Hauptdarsteller George Eastman verfasste er das Screenplay und produzierte, den sogar für damalige Verhältnisse, billigen Streifen.
Die Story erfindet das Genre bestimmt nicht neu, ist aber in dieser Form noch nie verwendet worden. Auch verwendet D´Amato hier keine nervigen Teens, sondern anständige Erwachsene. Man ist hier nicht nur auf Alkohol, pubertäre Sprüche oder Sex aus. Normalerweise zeigt der italienische Regisseur gerne nackte Haut in seinen Filmen, hier lässt er die Erotik komplett flöten, was der eh schon langsamen Inszenierung auch den Rest gegeben hätte. "Man Eater" will einfach nicht in die Gänge kommen. In der erste Stunde gibt es nur ein paar Morde zu sehen, welche aber recht atmosphärisch in Szene gesetzt sind. Erst in der letzten halben Stunde bricht das Eis und Nikos darf gnadenlos Jagd auf die kleine Gruppe machen. Dabei benutzt er keine Waffe, sondern beisst seine Opfer zu Tode, am liebsten in den Hals. Wäre da noch die Goreszene als Nikos der schwangeren Frau den Fötus aus dem Unterleib reisst. Wirklich eine abartige Idee, doch D´Amato hält das Geschehen hier mit Absicht etwas dunkler, damit nicht jedes Detail zu erkennen ist. Eklig ist es trotzdem, auch die Szene mit den Gedärmen im Finale. Die Goreeffekte sind auf gutem Niveau, nur der abgetrennte Kopf im Wassereimer sieht zu künstlich aus.
Im Finale lernt D´Amato dem Zuschauer dann das Fürchten, denn hier kommt endlich richtig Spannung auf. Vorher wirkte die verlassene Inselkulisse zwar bedrohlich, doch man wartet einfach zu lange, bis Nikos zuschlagen darf. Mittig fährt D´Amato noch mit einem Gewitter auf, man rennt in dem Dorf herum, trennt sich andauernd, was zu ein wenig Grusel führt. Der Score ist schön schräg, aber nicht sonderlich abwechslungsreich.
Von den Darstellern dürfte Jedem Tisa Farrow ein Begriff sein. Sie war auch schon in Fulcis Zombieklassiker "Woodoo" zu sehen. George Eastman macht als Kannibale Nikos einen tollen Job. Er sieht mit seiner Größe, den langen Haaren und dem verunstalteten Gesicht wirklich furchteinflößend aus.

Ich kann hier die Fans des italienischen Films durchaus verstehen, dass sie "Man Eater" als Klassiker betiteln. Bei mir ist das leider nicht der Fall. D´Amatos Film hat zuviel Leerlauf und damit auch Spannungseinbrüche. Die Kulisse hat er aber bedrohlich in Szene gesetzt, auch das Finale hat es in sich. Die Darsteller agieren auf durchschnittlichem Niveau.

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