Review

Nachdem durchaus verstörenden und grandiosen SADO - STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (1979) gilt MAN - EATER auch zu einem der umstrittenen Filme Joe D'Amato's der neben seinen wenigen Horrorfilmen hauptsächlich Pornos drehte. Wie auch immer und aus welchem Zweck heraus Joe D'Amato Filme drehte, so muss ich persönlich sagen, ist er einer der unterbewertesten Regisseure, die es damals geschafft haben, mit ihren Filmen aufgrund expliziter Gewaltdarstellungen und Ekelszenen bekannt zu werden. So beschränken sich Kritiker und Feinde seiner Filme lediglich auf besagte schundige Ekelszenen in seinen Filmen, die auch tatsächlich über damalige Grenzen gingen, aber vergessen dabei andere Faktoren, die einen (Horror) film ausmachen. Klar, Splatter und jeglicher Gore und explizite Darstellung von Gewalt war damals Hauptgrund, dass der Horrorfilm als Genre immer mehr in schlechten Verruf stand, so vermochte es Joe D'Amato trotzdem noch neben diesen Szenen, wenn auch mit kostengünstigen Mitteln, einen lupenreinen Horrorstreifen aufzustellen, die zwar film und tricktechnisch äußerst minimalistisch ausfielen aber dennoch eine bedrückende Atmosphäre einfingen.

So sehen wir am Beginn von Man - Eater ein Päarchen durch weiss unterlegte Häuserschluchten eines kleinen Dörfchens pendeln, gefolgt von einer Filmmusik, wie wir sie eigentlich aus einer 70er Jahre Schnulze erwarten. Schon hier vermag es D'Amato idyllische Bilder einzufangen, doch am Strand wendet sich dann das Bild. Die Frau sieht auf dem einsamen Meer ein führerloses Boot schwimmen, nachdem sie sich über dies emporrug und mit einem Schrei aufhallt wird sie in die Tiefe gerissen. Der am Strand relaxende und durch Musik hörlose Freund bekommt davon nichts mit, auch die Warnungen des Hundes werden ignoriert und eine Szene später hat er schon das Fleischerbeil im Kopf. Auch hier besitzt D'Amato schon die Fähigkeit mit den Ängsten des Zuschauers zu spielen. Der Täter bleibt unerkannt, so ist die Bedrohung fortan unbekannt.
Szenenwechsel.
Eine Gruppe Männer und Frauen starten einen Bootstrip und nehmen dabei eine Frau mit, die auf einer Insel ihre Verwandten besuchen will. Auf der Insel angekommen, wird sie von den anderen begleitet, ausser einer Frau, die schwanger ist. Bald bemerkt man, dass das Dörfchen wie ausgestorben zu sein scheint, als auch dann noch ihr Schiff merksamerweise austreibt macht man sich Sorgen, auch wenn die Gruppe glaubt, das diese wieder zurückkkommen würden. Man sucht vergebens nach Einwohnern, wird aber bloss von einer merkwürdigen Frau durch einen Hinweis auf dem Fenster "Go away" gewarnt, wobei diese auch die Flucht ergreift. Man beschliesst also, das Haus der Verwandten zu besuchen. Auch dieses ist verlassen. Trotzdem beschliesst man dort zu übernachten, da man keinerlei Chancen hat von der Insel zu entkommen. Nachts ertönt aus dem Keller Klaviergespiele. Mit der Kerze und dem Messer macht man sich auf, um diesen Geschehnissen nachzugehen. Das böse Unterfangen stellt sich als Klamauk der Katze, doch kurz darauf wird der Mann aus dem Hinterhalt wie wild von einer Frau mit dem Messer abgestochen. Joe D'Amato vermochte es sicherlich damit gewisse Schocks einzubauen, so erfahren wir nach diesen Szenen erst, was es mit den Vorfällen auf sich hat, so entpuppt sich die Frau mit dem Messer als die blinde Cousine der Mitreisenden, die daraufhin erzählt sie sei auf der Flucht vor einem nach Blut riechenden Ungeheuer, das das Dorf in Ansgt und Schrecken setzte. Fortan entwickelt sich die Bedrohung im Film grenzenlos. Ständig ist die Gruppe neuen Herausforderungen und Beängstigendem gestellt.

Den Ursprung für die Taten erfahren wir erst sehr spät. So ist  es der Mann einer reichen Familie, die auf See Schiffsbrüchtig wurden und der Vater nach Tagen kannibalistische Tendenzen erfuhr und daraufin Kind und Frau aß ( Im Film jedoch nicht zu sehen)  und anschliessen durch seinen Verlust wie hysterisch das Dorf ausrottete. Einzig und allein seine Schwester, ließ er am Leben. ( Die Frau am Fenster "Go away"!

So wird man erst sehr später in die Handlung eingeweiht, das alles vermochte auch D'Amato sehr geschickt umzusetzen, so bleibt uns der Killer lange Unbekannt. Jede Szene wird getragen und atmosphärisch erweitert durch die eindringende, bedrückende Filmmusik, die wirklich überaus grandios eingesetzte wurde und jede Szene perfekt unterstreicht. Ich habe schon viel gesehen, aber nicht wirkliche viele Horrorfilme vermochten es mir wirkliche Beängstigung einzujagen, so schafft es gerade dieser Film, der hier durchaus bloss durch seinen Splatter positiv bewertet wird, dieses Gefühl zu geben. Schon komisch, etwas qualitatives muss doch dran sein, dass ein vermeintlicher Ekelfilm der mit selbstzweckhaften Billigsplatter sowas zustandebringt? Durch und durch wird man bedrängt von der morbiden Grundstimmung nicht zuletzt durch die vielen gut gewählten Kamerwinkel und Positionen, durch die D'Amato abermals eine gute Atmosphäre aufzubringen vermochte. Nicht zuletzt ist es diese dreckige, farblose Atmosphäre die diesen mit guten Kulissen, Szenarien, Score und
 durchgehender Spannung auszeichnet. So ist es auch die einführende Charakterzeichnung, die hier einige als öden Mittelteil abtun, der dazu beiträgt, dass man förmlich mit den Darstellern mitfiebert und hofft. So sind diese zwar recht eindimensional gehalten vermögen aber dennoch sowas wie Symphatie aufzubringen. Durch und durch tun diese Darsteller ihre Sache gut. Peinlichkeiten sind nicht festzustellen, wenn auch der Film nicht zuviel von ihnen abverlangt. Fälschlichweise, werden diese aber auch von vielen Usern als untalentiert und "grottig" abgestempelt. Einzig grottig und billig in diesem Film sind diese besagten Splatterszenen, nicht zuletzt wurde der Film auch durch diese verboten. Vorallem durch das Entnehmen des Babyembrios, dass nach meiner Kenntnis ein gehäutetes Hasenbaby sein soll. Trotzalledem würde der Film auch ohne diese unterhalten, schockieren tun diese Szenen ohnehin nicht, zumindest mich nicht.

Fazit:
Durch und durch hochatmosphärischer und vorallem unterschätzter Horrorfilm eines noch mehr unterschätzen Regisseurs. Seinen bösen Ruf hat er zurecht, nicht zuletzt ist es aber vielmehr was diesen Film auszeichnet. Atmosphäre nämlich.

9/10

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