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Für Gore-Nostalgiker und Freunde des schlechten Geschmacks (mich inbegriffen)!


Ach waren das noch Zeiten, als man vergeblich als Jugendlicher versuchte, an die verbotenen Früchte der 70er und 80er Jahre zu kommen und auch mal naschen zu dürfen. Da wurden alle bedenklichen Wege beschritten, um an dies Material zu gelangen. Vieles war vom Hörensagen berüchtigt, machte auf seine Weise auf sich neugierig, war leider legal nicht mehr zu bekommen, bis sich die Zeiten vor einigen Jahren drehten, sich legale und staatlich genehmigte Türen öffneten und die heutigen Teenies an den Früchten von einst laben liessen. Die allerwenigsten interessieren sich kaum noch an den damals so schockierenden und widerwärtigen Horrorkrachern, mit denen man cool war, wenn man sie irgendwie im Schrank zuhause hatte. Und selbst wenn Papa den im VHS-Rekorder vergessen hatte. Das war früher, eine andere Zeit. Heute, im digitalen Internetzeitalter, schert sich kaum noch eine Sau darum; der Jugendschutz wird laxer, Brutalitäten kennen keine Grenzen mehr. Frei nach dem Motto: Je härter, desto geiler! Einer dieser berühmt-berüchtigten Klassiker, der diesen verruchten "Banned-Status" erreicht hatte, war der "Man-Eater". Kein anderer liess sich so einen Namen brennen, wie Joe D' Amato' s Ex 131er, der so manche Jugendschützer auf die Palme brachte und deswegen sogar eine Sendung namens "Mama, Papa, Zombie" ins Leben rufte, die sich dieser grausamen Titel annahm und sie verpöhnte. Meine Fresse, was für geile Zeiten das waren. Vergessen wir nicht andere Vertreter dieser harten Gangart, wie "Tanz der Teufel", "Zombie" usw. die auch selbiges Zensurschicksal wie den "Man-Eater" ereilte, aber dieser Italo-Goreschinken war prägend für einige Generationen.

Eine Gruppe von Freunden macht Urlaub in Griechenland und schippert per Boot auf eine abgelegene Insel. Dort angekommen, scheint alles wie ausgestorben. Die Häuser seit längerer Zeit verlassen; ein paar verrottete Leichen finden sich in manchen Wohnstuben. Und damit beginnt der Horror erst: Das Boot fährt auf unerklärliche Weise aufs Meer hinaus und schon bald gibt es den ersten Toten zu beklagen. Bis sie auf ein blindes Mädchen treffen, das sich im Keller versteckt hatte. Sie berichtet der Gruppe von ihren Erlebnissen und von dem Riesenungeheuer in Menschengestalt, der mordend durch das Örtchen zieht und sich vorzugsweise von Menschenfleisch ernährt.

Der einst so brisante Horrorschocker, der ausschliesslich davon lebt, seine exzessiven Blut-und Gewaltexzesse zu zelebrieren, hat von seinem Schrecken kaum was verloren. Völlig ironiefrei und bierernst, wie es bei jedem Horrorfilm sein sollte, wird hier ohne Rücksicht auf jegliche Verluste drauf los gegoret. Sprichwort: Fötusszene und Selbstverzehr! Für heutige Verhältnisse wirken die Ekeleffekte etwas aus der Zeit gefallen und billig, aber lieber Handmade als CGI.

Viele Aufnahmen wirken wie ein Home Video vom letzten Urlaub, teilweise wackelig, aber verzeihbar. Schliesslich besass D' Amato kein Budget,wie zeitgleich erschienene Amiwerke, aber das europäische Publikum war bestens bedient mit dem, was auf der Leinwand geboten wurde. Was heute ein "Art, the Clown" ist, war damals der "Man-Eater". Der Hauptaugenmerk lag vor allem an den Blut- Gedärmszenen, die verstörend wirken. Einige Passagen kitzelten Geschrei- und Geisterbahneffekte heraus, wie zu der Zeit im Italo-Subgenre nicht unüblich, was vergleichsweise den heutigen Jump-Scares entsprechen dürfte. Veraltet und mottig, kaum noch den Zweck des Erschreckens wirksam, aber nostalgisch eben.

Allerdings muss man hier anmerken, das nicht alles so aalglatt von der Rolle fiel, wie der angesprochene Goreschock. Dauerhaft nerviges Orgelgeklimpere, heutzutage sehr antik. Dazu wird die Dramatik,wie bei allen Vertretern dieser Art, sehr überspitzt aufgebauscht, wobei sowas wie Spannungstiefe auf der Strecke bleibt. Die Location der verlassenen Insel war nett gemeint, aber dichte Atmosphäre wird hier kaum versprüht, da meist im Hausinneren agiert wird. Das muss man auch erst mal schaffen. Zu mühselig plagt sich der Film ab, biegt auf Umwegen und Längen ins Leere ab, schmückt die Choose mit reichlich dünnem Geschwafel aus und zwischen Geschrei und Herumgezicke werden einzelne Goreschocks eiskalt serviert. Auch die einzelnen Abhandlungen der Akteure erweisen sich als bieder bis unerklärlich. Die Auflösung des Ganzen wird letztendlich schlüssig erklärt, bleibt dennoch wirklichkeitsfremd. Einzig und alleine George Eastman als menschenverschlingende Bestie bleibt ein unvergessenes Unikat, bei dem sich der 2022er "Man-Eater" eine fette Keule abschneiden kann.

Netter Horrorklassiker mit ein paar deftigen Szenen, die nicht für jedermann geeignet sind. Durch seinen §131 Status berühmt berüchtigt und unvergessen, doch viele Schwächen werden hier offenbart, die das Grauen etwas abdämpfen. Leider verrinnt die Spannung im Sande und zuviel Leerlauf wird mit hölzernen Dialogen aufgefüllt. Aber immerhin einer der besseren Filme vom Meister des Schmuddelfilms, der einen Cameo in der Seilbahn als bärtiger Tourist hat.


Ist die 18er Freigabe gerechtfertigt? Die Beschlagnahmeaufhebung war etwas gewagt, aber eine Indizierung hätte aufrecht erhalten werden können, trotz angestaubter Effekte. Härte und Ekel bleiben trotz hohem Alter unangetastet.

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