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Februar 2022, kriegsgezeichnete Ukraine: Die 17-jährige, hörgeschädigte Olga will gemeinsam mit ihrem Vater Roman, ihrer Stiefmutter Marina und ihrem jüngeren Bruder Sashko in den Westen des Landes fliehen, um den vorrückenden russischen Truppen zu entkommen. Doch plötzlich besetzen feindliche Soldaten ihr Haus. Die Eindringlinge bedrohen die Familie, setzen sie unter Druck und misshandeln sie. Währenddessen spitzt sich der Konflikt zwischen Olga und ihrer Stiefmutter weiter zu, die Olga die Scheidung ihrer Eltern anlastet. Gefangen zwischen Leben und Tod, in einem angespannten Machtgefüge zwischen Geiselnehmern und Geiseln, muss Olga allen familiären Groll zurückstellen und ihre letzten Kräfte mobilisieren, um zu überleben – und ihre Familie zu retten.

Ich habe die Zusammenfassung bewusst so lang gelassen, wie sie der Pressetext vorgibt, denn daran merkt man schon, dass THE DAUGHTER ein bisschen zu viel will. Familiendrama, Thriller, Home-Invasion-Horror – das ist dann doch eine Spur zu viel des Guten.

Natürlich handelt es sich um eine ukrainische Produktion. Man muss aber fairerweise sagen, dass man das Ganze noch halbwegs ausgewogen darstellt und nicht komplett in das typische „Russen sind böse, Ukrainer sind gut“-Schema verfällt.

Insgesamt wissen die Home-Invasion-Elemente am meisten zu überzeugen, weil sie auch die spannendsten Momente liefern. Das ganze Familiengetratsche hätte man dagegen ruhig etwas zurückfahren können – das bremst den Film eher aus, als dass es ihm hilft.

Die Hauptdarstellerin, die ich vorher natürlich nicht kannte, liefert eine wirklich solide Leistung ab. Der Rest des Casts neigt allerdings stellenweise zum Überchargieren. Vielleicht wirkt das auf mich auch nur so, weil ich Filme aus dieser Region kaum kenne.

An manchen Stellen hätte der Film ruhig etwas härter sein dürfen. Ich brauche jetzt keine Dauer-Blutorgie, aber ein bisschen mehr Konsequenz hätte dem Ganzen durchaus gutgetan und vielleicht auch ein anderes Publikum angesprochen.

Fazit: Ein etwas wirrer Mix aus zu vielen Genres, der zum Glück nicht mit erhobenem Zeigefinger inszeniert wurde. Dass die Russen dabei etwas schlechter wegkommen als die Ukrainer, ist in der aktuellen Lage wenig überraschend – und irgendwo auch verständlich.

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