Review

"Justin Routt didn’t direct a thing. He was just there. Randall was the one who called all the shots."

~ Steve Noell

This character (Routt) was just kind of looming around on the periphery of the set. He kind of stood around and had strange conversations ... about his sexual exploits and his business dealings in Miami.

~ Nathan Hughes

He (Routt) literally was pretending he was directing the scene that was going on — looking at the monitor and then looking over at the action and making hand motions to make it look like he was telling people what to do. It was all make-believe.

~ Michael Castro

Ursprünglich als Armored an den Start gegangenes Projekt, welches ähnlich wie der bescheidene Cash Out (2024; welcher mit Cash Out 2: High Rollers eine kaum zu erwartende Fortsetzung bekommen soll) inoffiziell von Randall Emmett gedreht wurde, dort unter Pseudonym, dem Mittelnamen 'Ives', hier wurde tatsächlich mit Justin Routt ein (vorbestrafter) anderer Mitarbeiter am Film als Regisseur angegeben, Emmett selber ist und sieht sich scheinbar auch als Persona non grata, als nicht mehr tragbar. Dabei waren die letzten Arbeiten des erst kürzlich als Regisseur Tätigen nicht besser oder schlechter als seine Funktionsweise als Produzent, wobei berüchtigte Arbeitsbedingungen und Zahlungsausfälle mittlerweile mehrfach die Schlagzeilen machten und der Mann auch mit seinem Privatleben in die negativen Nachrichten und entsprechend die Auswirkungen dessen gerückt ist. Fraglich ist bei Armor nur, wer den Job hier am Dringendsten benötigt, der Mann dahinter, oder die Leute vor der Kamera; Stallone hat zumindest noch Tulsa King als Trumpfkarte und eine hohe Entlohnung (3,5 Mio. USD) für wenig Arbeit, für einen Drehtag, die Willis-Methode, Jason Patric ist schon länger auf dem absteigenden Ast, wahrscheinlich hiermit – der Film wird immerhin gesehen werden – noch der zweite Gewinner:

Der ehemalige Cop James Brody [ Jason Patric ] ist nach dem Unfalltod seiner Frau zum Trinker, und beruflich zusammen mit seinem Sohn Casey [ Josh Wiggins ] Sicherheitsbeamter, der Fahrer eines gepanzerten Lastwagens geworden. Eines Tages werden sie von Rook [ Sylvester Stallone ] und seiner mehrköpfigen Bande, bestehend aus u.a. Smoke [ Dash Mihok ] Viper [ Jeff Chase ] und Echo [ Josh Whites ] von der Straße auf eine verlassene Brücke abgedrängt und in die Mangel genommen.

Die üblichen Verdächtigen hinter der Produktion braucht man nicht mehr aufzählen, man kann sie erraten schon, Grindstone, Bondit und Lionsgate, die Bilder kräftiger als im 'Vorgänger', die Darsteller stabiler, das Szenario ähnlich, dort eine Bank unter Beschlag, hier ein Geldtransport in Belagerung. Stallone und Travolta sind ungefähr die gleiche Ära und waren mal dieselbe Popularität, eigentlich müssten die beiden zusammen mal arbeiten, dafür reicht wahrscheinlich nicht das Geld: Das Budget betrug 11,5 Mio. USD. Die ersten Sätze (über das Radio) sind schon zum Weglaufen oder Ausschalten, spätestens in der Endabnahme hätte man es bemerken sollen und müssen, die Musik ist erstmal Upbeat Country, es spielt in der Provinz, in der Abgeschiedenheit, sonst funktioniert die Story nicht.

Ein stabil gutes Aussehen des Filmes hilft, ein größeres Waffenarsenal, amerikanische Ländlichkeit, mitten im baldigen Trump-Land, kurz vor der Übergabe der Präsidentschaft, der Übernahme der Weltherrschaft. Tabletten zum Frühstück, die ersten Klischees, der Schnaps zum Herunterspülen, ein Mann mit Dämonen, mit Bereitschaft zur Hilfe, mit Anteilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Es wird gepredigt und selber gesündigt, das kann man noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren, der Sohn ist besser als der Vater geraten, aber noch grün hinter den Ohren, noch unerfahren.

Viele gleiche Aufnahmen und mehr oder minder sinnvolles Gerede machen die Einleitung aus, dazu einige Einstellungen zum Aufwecken des Publikums, zum Vorbereiten des Geschehens. “It's protocol.“, erst etwas Geplänkel, dann das Actionszenario, vorher ein paar Geheimnisse, später ein paar Wendungen. “10 miles to bumfuck nowhere“ geht es hier, theoretisch, praktisch wird man aufgehalten, irgendwann später mal zumindest. Perspektiven wechseln sich, Gewehre werden geputzt und gewartet, das C4 eingepackt, der Plan steht, "just nice and quiet" die ersten vielen Minuten, denn “the best action is no action“, die Zwischenzeit wird mit vielen Drohnenaufnahmen, schicker Geografie aus der Vogelperspektive gefüllt.

10 Minuten vergehen so, 20 Minuten, 25 Minuten, dann bekommt man Begleitung, eine Verfolgungsjagd steht an. Metall kracht auf Metall, Reifen quietschen, auf dem Weg nach bumfuck nowhere wird man mitten am helllichten Tage bedrängt und belästigt, ein Abdrängungs- und Ablenkungsmanöver, mitten in die Falle, die Geschichte nimmt ihre Form dann an. Ein paar Schüsse, ein Granatwerfer, die erste Explosion sieht immerhin besser aus als alles mit der Munition, die ersten Treffer, die ersten Toten. Rustikal ist das Ganze, es ist deutlich klein gehalten, das Budget überschaubar, eine eindeutige Pflichterfüllung, kein Anspruch auf Vormachtstellung, es ist wie es ist, es sei wie es sei.

Außer den beiden Hauptdarstellern kennt man niemanden hier und will man auch nicht, Patric muss mehr arbeiten, Stallone ist für das Marketing, den weltweiten Verkauf, er bringt den Film in den Verlauf. Ungewöhnlich dabei natürlich die Rolle, er spielt den Bösen, das ist neu, eine gute Wahl, es erweitert das Angebot, die Nachfrage, das Interesse. Um Millionen geht es im Film, ein paar davon hat man investiert, die Genrewerke werden eher preiswerter als teurer, die Rendite sinken. Eine Verhandlungssache steht hier an, Taktik gegen rohe Gewalt, man lässt sich durchaus etwas einfallen für seine 'fucking shitshow', man bleibt immerhin in Obacht und Bewegung.

Wahrheiten kommen zu Tage, eine Rückblende verlängert nicht die Prämisse, aber erweitert tatsächlich die Charakterisierung, die beste Szene fast im ganzen Film. Improvisation das oberste Gebot hier, ungewöhnliche Wege und Methoden, eher ein Thriller mit Actionszenen als andersherum, es vergeht dann plötzlich überraschend schnell die Zeit. Ein 'Feuerstunt' per selbstgebauten Molotowcocktail wird geboten, mit dem Taser gearbeitet, mit Tränengas, mit einem “Rammbock“, mit internen Streitigkeiten vor allem, mit gegenseitigen Provokationen, es ist zumindest deutlicheres und ehrlicheres Handwerkszeug als der Expendables 4 (2023), es ist auch besser als Backtrace (2018) und ja, das war es als Lob.

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