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Als Ausgangslage für Schatzsucher gilt: Wenn man daran leckt, schmeckt Gold im Abgang etwas bitter, Kupfer hingegen leicht scharf. Alles andere ist staubiges Gestein. Leicht staubig geht es auch in dem Drama des chilenischen Regisseurs Juan Francisco Olea zu, in dem die Wüstenlandschaften beinahe die dünne Geschichte verschlucken.

Die Atacama-Wüste im Norden Chiles: Der alte Pacifico betreibt hier mit seiner 16jährigen Tochter Carola den Abbau von wertvollem Gestein in einem illegal betriebenen Stollen. Als es zu einem folgenschweren Konflikt mit einem der Tagelöhner kommt, ist Carola gegenüber den Arbeitern auf sich allein gestellt…

Der Stoff weist früh einige Elemente eines Neo-Westerns auf: Feindselige Umgebungen, Goldgräber (im weitesten Sinne) und eine Figur, die sich gegen eine kleine Übermacht behaupten muss. Bis zum folgenschweren Konflikt im Halbdunkeln wirkt die Chose wie ein wenig aufregendes Bergbaudrama.

Und bei dem bleibt es auch weitgehend. Zwar trägt das feindselige Umfeld in Form der lauernden Tagelöhner zur leicht bedrohlichen Stimmung bei, zumal das Patriarchat in seiner gruseligen Urform vorherrscht, doch etwaige Konflikte werden eher angedeutet und die Situation der Protagonistin fühlt sich nie lebensbedrohlich an. Eher zunehmend aussichtslos, denn Pacifico spielt im Verlauf und als vorherige Stütze immer weniger eine Rolle.

Während die Kamera einige starke Bilder der rauen Umgebung einfängt, bröckelt die eigentliche Story immer mehr und man ahnt bereits im Mittelteil, wie sie sich gegen Ende entwickeln dürfte. Leider tragen die schwachen Figurenzeichnungen kaum zum Mitfiebern bei, denn während die Bergarbeiter beinahe wie dünne Schatten in Erscheinung treten, macht Carola eine vergleichsweise schwache Entwicklung durch, die mit einigen unlogischen Konsequenzen verbunden sind, welche nach dem eigentlichen Finale umso mehr zutage treten.

Inhaltlich wäre das tauglicher Stoff für eine Kurzgeschichte gewesen, denn der dünne Plot liefert kaum spannende Momente und wirkt durch einige deutlich zu lange Einstellungen oft arg entschleunigt. Darstellerisch ist wenig anzukreiden, handwerklich wird solide geliefert, doch der berechenbare Verlauf lässt die Chose letztlich beinahe banal erscheinen.
4,5 von 10

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