Zu Nu Images Glanzzeiten Mitte der Neunziger entstanden, kann sich „Cyborg Cop III“ noch in die Riege wirklich unterhaltsamer und professionell inszenierter B-Action-Movies einordnen. Nachdem Sam Firstenberg („American Ninja“, „American Samurai“) noch die beiden Vorgänger verantwortete, durfte nun Nu Images weniger talentierter Kameramann und Hausregisseur Yossi Wein („U.S. Seals“, „Octopus 2: River of Fear“) ans Ruder und obwohl der Mann abseits von „Operation Delta Force II: Mayday“ keinen brauchbaren Film zustande brachte, findet ein gravierender Qualitätsverlust hier überraschenderweise nicht statt. Anderseits möchte ich gar nicht wissen, was dann andere Regisseure aus dem Stoff gemacht hätten.
Das nun wahrlich nicht vor intelligenten Einfällen strotzende und Verbindungen zu den Vorgängern vermissen lassende Drehbuch von Jeff Albert („Human Timebomb“, „Warhead“) und Dennis Dimster („Out for a Kill“) steckt hier pikanterweise ausgerechnet Bryan Genesse („Cold Harvest“, „The Alternate“) und Frank Zagarino („Shadowchaser“, „Operation Delta Force“), ein Jahr nachdem sie sich in „Project Shadowchaser II“ bis aufs dort großzügig suppende Kunstblut bekämpften, als Buddy-Duo zusammen.
Sie beide sind so eine Art Federal Marshalls, die sich für jeden Job aber extra ausbezahlen lassen und eigentlich darauf erprobt sind irgendwelche Leute einzufangen. Das klappt mal mehr, mal weniger und manchmal kann das für den Staat richtig teuer werden, wenn die beiden beispielsweise gleich Propellerflugzeuge bei ihrer Jagd zerlegen.
Wie für Nu Image typisch ist der Halunke vom Dienst hier mal wieder ein überambitionierter Wissenschaftler, der mit seiner Firma Delta Tech an einer Universität munter vor sich hin forscht, die Versuchsexemplare gleich vom Campus rekrutiert und sie zu willenlosen Cyborgs umfunktioniert, die dann sich selbst heilende, unbesiegbare Superkrieger (Insektenblut... Radioaktivität.. bla sülz...) abgeben. Und natürlich ist es auch eine TV-Reporterin namens Eveylyn (Jenny McShane, „U.S. Seals“, „Shark Attack 3: Megalodon“) die dank eines Insider-Tipps dort zu schnüffeln beginnt, auffliegt, aber mal eben die zentrale Datenbank mitgehen lässt, worauf der erboste Obermotz Max (Genesse) und Saint (Zagarino) engagieren lässt, damit die das Mädel suchen. So ganz durchsichtig ist das übrigens nicht, weil dem Mädel auch bald ein paar Schergen am Heck hängen. Also wozu extra die beiden auf sie ansetzen?
Ist aber auch egal. Bis der Film in Schwung kommt, dauert es allerdings ein wenig und diese Zeit kostet dem Film dann leider auch eine höhere Wertung. Vielleicht ist die deutsche Synchronisation zu albern geraten, aber Genesse und Zagarino geben gewiss kein erinnerungswürdiges Buddyduo ab. Dafür sind ihre Oneliner definitiv zu flach und ihre Dialoge zu hohl. Lachen konnte ich da jedenfalls nur in den seltensten Fällen.
Auch wenn Genesse den ständig und überall Dosenbier suchenden, Süßigkeiten kauenden, großmäuligen mit seinen Martial-Arts-Tricks angebenden Womanizer abgibt, sind die beiden sich doch zu ähnlich, denn Zagarino, etwas abgeklärter und um Vernunft bemüht, ist nicht weit von ihm gelagert.
Dafür kann sich dann allerdings die Action sehen lassen, auch wenn sie den Zuschauer etwas lange warten lässt. Das Duo schlägt sich natürlich auf die Seite von Eveylyn, worauf wir dann Zeuge einer langen Verfolgungsjagd inklusive einer abschließenden „Auto rauscht durch einen Zugwaggon, überschlägt sich und rutscht auf dem Dach weiter“ -Szene und eines in einer Tiefgarage stattfindenden Kampfes gegen eine Horde von Bikern werden, die jedes Mal in herumstehende Tonne rutschen, die wiederum in schicken Explosionen aufgehen und last but not least endlich dann auch die Cyborgs in Action erleben dürfen.
Im Kyle Reese – Look darf sich das erste Exemplar in einer Sequenz, die wohl ein wenig von “The Terminator” (das Massaker auf dem Polizeirevier) inspiriert wurde, durch die Campus-Polizei ballern, worauf Max und Saint nebst Eveylyn flugs stiften gehen, aber auch in ihrem Versteck nicht von dem Rabauken in Ruhe gelassen werden, so dass sie sich zu einem Finale auf dem Lerner (höhö) Schrottplatz treffen, wo dann reinen Tisch gemacht werden und die inzwischen wieder gekidnappte Eveylyn gegen die mordsmäßig wichtige Zentraldatenbank ausgetauscht werden soll.
So soll es dann auch kommen, nachdem das Duo fix mit Sprengstoff und Fallen auf dem Autofriedhof schon mal für eine Handvoll Cyborg-Krieger vorgesorgt hat, weshalb die sich dann auch nicht lange bitten lassen. Deren Zielgenauigkeit ist zwar komplett für die Jahrmarktbude, was Max und Saints Gesundheit natürlich sehr entgegen kommt, aber dafür darf alles ringsherum explodieren oder in Flammenbällen aufgehen. Das Make-Up der Cyborgs und deren Ego-Perspektive sind noch ein paar nette zusätzliche Gimmicks, ansonsten wird eben so lange geballert, bis man die organischen Blechbüchsen vornehmlich zerquetscht hat. Anders ist ihnen kaum beizukommen. Warum Max da taktisch unklug mit seiner Karre durch die Gegend cruist und die Waffe raus hält, wollte sich mir allerdings nicht erschließen.
Der Rest vom Fest ist dann für Arme und ein Beweis für das miese Drehbuch, denn mit dem Schrottplatz-Scharmützel hätte man den Film fast beenden können. Doch Eveylyns Ausstieg (Oder nicht, so ganz klar wird das nicht...) aus der Handlung und dann noch der Flächenbrand an der Uni nach großzügiger Pestizidberieselung, der übrigens schick und effektiv recht bombastisch aussieht, sind enttäuschend antiklimatisch und lassen den Zuschauer fragend zurück, denn seinen Bumms hatte „Cyborg Cop III“ bereits auf dem Schrottplatz und irgendwie wirken diese letzten Szenen ein wenig so, als ob man noch genug Pyrotechnik übrig hatte, weswegen man das Drehbuch provisorisch um diese feurige Sequenz erweiterte. Naja...
Trotz etlicher Mängel eines der deutlich besseren Nu Image-Vehikel bei dem man sich als Genrefan prächtig amüsieren kann, auch wenn deren Vorzeigeexemplare noch einen Tick besser waren.
Wenn der angebende Genesse Zigaretten aus Mundwinkeln tritt, Motorräder in Zeitlupe sauerstoffarme Höhen in Tiefgaragen (!!!) erklimmen oder Autos volle Pulle durch Waggons rasen, obwohl man ungefähr 200 Meter zum Bremsen Zeit gehabt hätte, aber stattdessen trotzdem aufs Gaspedal latscht, habe ich jedenfalls meinen Spaß.
Nur schade, dass der Film bis dahin etwas braucht und die Buddyduokomponente nicht so recht funktioniert.
Fazit:
Alles in allem dennoch ein sehr ordentliches Nu Image-Produkt, das ein wenig den Flair der Cannon-Filme versprüht und neben einer hirnrissigen, löchrigen Story zwei gut aufgelegte Hauptdarsteller zu bieten hat. Yossi Weins Regie fand ich überraschend gut (Den Gag mit dem Gemälde sogar richtig klasse!), denn die Actionszenen sehen mit ihren Verfolgungsjagden, Stunts und Explosionen richtig gut aus. Nur der Score nervt ein ums andere Mal. Würde der Wortwitz noch besser sein, was im O-Ton ja durchaus der Fall sein kann, wäre zwar kein denkwürdiges, aber ein gutes B-Movies draus geworden. So reicht es immer noch für den oberen Durchschnitt. Da würde beide heute sicherlich gern noch mal hin, aber außer in Nebenrollen (Bryan Genesse kürzlich in „Edison“) wird das wohl für beide nichts mehr. Achja, einen Cyborg Cop gibt es hier übrigens nicht. Da waren nur die Vermarktungsstrategen von Nu Image am Werk. Naja, wenigstens hat man die Reihe danach ruhen lassen und nicht a la „Operation Delta Force“ zu Tode geritten.