Dass Costner sein Westernepos Horizon (2024 ff.) mit eigenen Mittel und viel Optimismus angegangen ist, lässt sich bei dem anhaltenden Erfolg des Genres (im kleineren Rahmen) nicht verdenken, Auslöser auch mit seiner Fernsehserie Yellowstone (2018 - 2024), die nicht bloß Sequels und Prequels und andere Ableger, sondern auch diverse DtV-Mitglieder gezeugt hat, ob nun thematisch oder titelmäßig oder lokal sogar verbunden, The Unholy Trinity ist dafür schon fast spät, also autark angelegt – (Die Drei Western von Nicolas Cage kommen auch nicht von ungefähr). Der Zuschauer hier wahrscheinlich nicht wegen, sondern trotz Saban Film dahinterstehend anbei, die Besetzung macht den Reiz, gerade Brosnan, der auch körperlich in den Einsatz muss und geht, aber auch im Verbund mit Jackson; dabei die erste Szene schon eher eine Überraschung, ein richtiges Gefängnis hier, eine bevorstehende Hinrichtung, in Montana im vergangenen Jahrtausend spielt es, kurz vor der Jahrhundertwende, Trinity ist eine Stadt übrigens, keine Person, es hat nichts mit Spencer und Hill zu tun. Ein Drama wird gezeichnet, ein Versprechen noch kurz vor dem Tode gemacht, ein Lohn kommt von Gott, ein falsches Todesurteil, der Strick um den Hals, die Klappe geht auf, der Vorhang fällt:
Montana 1888. Der junge Henry Broadway [ Brandon Lessard ] hat bei der Hinrichtung seines Vaters Isaac [ Tim Daly ] diesem schwören sollen, dass er den tatsächlichen Verbrecher, den Sheriff von Trinity töten soll. Henry macht sich auch zur Stadt auf, nicht ohne vorher eine Pistole des ebenfalls anwesenden St. Christopher [ Samuel L. Jackson ] zugesteckt bekommen zu haben, und nimmt vor Ort auch den verantwortlichen Gesetzeshüter Gabriel Dove [ Pierce Brosnan ] ins Visier, entpuppt sich dieser aber als Nachfolger des mittlerweile verstorbenen, früheren Sheriffs Saul Burton. Dennoch entbrannt vor Ort bald genug Unwesen, tötet Henry in Notwehr einen der Benton-Brüder [ Austin J. Sharpe, Beau Knapp, Tim Montana & Beau Linnell ] und trifft auf der Flucht auf den falschen Priester Father Jacob [ David Arquette ]. Zudem hetzt Gideon [ Gianni Capaldi ], der sich als wahren Stadtführer sieht, eine Posse sowohl auf den Fliehenden als auch die ebenfalls gesuchte Ureinwohnerin Running Club [ Q'orianka Kilcher ] auf, was bald nicht nur den Sheriff selber, sondern auch seine Frau Sarah Dove [ Veronica Ferres ] mit in die Schusslinie bringt.
Viel Besuch war bei der Hinrichtung, eine Urne ward über, "He was framed." - "Aren't they all.", es wird gereist, weit, ein Versprechen zu erfüllen, den letzten Willen. Oft sieht und weiß man genauso viel oder wenig wie die Hauptperson, ein junger Mann, die Urne mit sich herumgetragen, falsche Fragen gestellt, der junge Mann neu in der Gegend, ein Grünhorn noch, aus der Stadt kommend, noch nicht allzu viel gesehen. Die Reise ist per Kutsche, als Passagier, ein Zwischenstopp gemacht, ein Gespräch, dann das Ende der Reise, man landet wieder im Yellowstone Park; eine beliebte Filmkulisse, für entsprechende Filme erbaut, Mord in Yellowstone City (2022) bspw., Rust - Legende des Westens (2025), The Old Way (2023), siehe oben den Vermerk. Täuschen kann man den erfahrenen Zuschauer, den G.F. Unger unter dem Auditorium damit nicht, die Stadt in seiner Form ist charakteristisch aufgebaut, die Kirche verrät es meist, weit draußen vor den Toren, ein Mord mit geplant, die ersten Waffen gezogen, ein Standoff in und vor der Kirche, in Gottes Haus. Doch es kommt anders als geplant und gedacht, eine böse Überraschung, Brosnan tut seinen Part, er trägt den Film, er verleiht ihm Würde, die halbe Stadt hat den Colt gezückt. "Every town has it's heroes and it's villians.", ein kleiner Ratschlag, eine kleine Hilfe, eine Dramaturgie über 'heroes and villians', zum Glück ist Brosnan (und Jackson) da, die weitere Besetzung besteht unter anderen aus Capaldi und der Ferres, das ist nicht gerade die perfekte Eintrittskarte, dazu der Kirmespark, das Schauspiel abseits dessen, der Namhaften wird entsprechend schlechter.
Worum es genau geht wird später erst klar, man weist immerhin seine Wendungen und Wirrungen auf, mit zunehmender Laufzeit wird es zunehmend schwächer, immerhin nimmt der Ärger zu, die Protagonisten, die Komplikationen aufgereiht. Geschossen wird im Puff, ein paar Stunts dargereicht, eine der unerwarteten Wendungen, eine Unholy Trinity hier. Manchmal findet man auch unerwartete Szenarien, neue Kameraeinstellungen, drei Tote bald, den offiziell Hingerichteten nicht mitgerechnet, derer Tote zusätzlich drei. Einen guten Stand hat der Sheriff hier nicht, er wird immer mit dem Vorgänger verglichen, er hat seine Seele in Irland gelassen, sein wahres Leben, er spielt im Grunde nur den Gesetzeshüter hier. Der Bürgerkrieg ist vorbei, es wird ein neuer aufgezogen, Freund und Feind wechseln sich hier fleißig, die Toten wartend auf den Sheriff, einen halben Tag lang, aufgebahrt auf der Straße, im Bett oder hinter dem Schweinestall, neue Waffen werden gezogen, sich auch mal in die Umgebung, die Umwelt mit einbezogen, Arrangements gemacht und nicht eingehalten, sondern verändert. "I got ambushing to do.", die Laufzeit halb vergangen, das Terrain kühl, die Leute warm angezogen, der Witterung angemessen, es ist kein Seraphim Falls - Gnadenlose Jagd (2006) zumindest, Brosnan hier ohne und nicht mit und gegen Neeson.
Geschossen wird mittig, wenig getroffen, vor einem alten Schacht ein Duell mit dem Teufel und seinen Vertretern gemacht; vorher mal ein deftiger Kehlenschnitt, eher keine Gefangenen gemacht. Dass man sich bewegt, hilft dem Film deutlich, "Evil's wearing all kinds of things these days.", zudem ist das Trio im Fokus ordentlich aufgestellt, Akzent hin und her, hin oder her, Zwei glorreiche Halunken, The Good, The Bad and the Ugly (1966), böse Blicke überall, die Verhältnisse ändern sich ständig, ein Verwirrspiel, ein Vexierspiel, ein Versteckspiel, "Welcome to Trinity", eine Posse bereit zum Lynchen, dazu drei Einzelspieler bzw. ein Duo und ein Einzelgänger, die die Fäden der Marionetten hier zieht, zwischendurch auch auf Spannung gegangen, low tense, die Fäden enger zusammengefasst, enger geschnürt. Ein Spiel mit vielen Variablen, von Beginn an schon, keine Neuerfindung des Genres, aber eine angemessene zeitgenössische Bearbeitung, etwas mehr als die Kostümwestern sonst, duster im Wesen, die (raren) Shootouts relativ trocken, mit einigen wenigen Ideen. Ansonsten ist es und bleibt es Theater, wie viele der anderen aktuellen Vertreter auch, mit etwas mehr Aufwand hier, ein geschicktes Drehen im Kreise, dekorativ bebildert, museal bestückt, mit einem doppelten Showdown am Ende, einer Belagerung und einer Ent- und Verlagerung, die eher Lust auf die alten Vertreter macht als mehr hiervon, als umgekehrt.