Review

Schon zum vierten Mal bohren sich im Jahr 2003 die berüchtigten "Graboiden" durch die Erde und terrorisieren unschuldige Dorfbewohner, die einfach nur ihre Ruhe haben wollen. Wieder mit dabei: das einzig verbliebene Urgestein Michael Gross. Im Gegensatz zu Kevin Bacon und Fred Ward mischt er weiterhin fleissig mit, aber auf eine andere Art, als man denkt.

Wie schon die Vorgängersequels "Die Rückkehr der Raketenwürmer" und "Die neue Brut" ist auch der vierte Teil um Innovationen bemüht. Da man aber den gesamten Evolutionszyklus der Raketenwürmer bereits in der Urtrilogie durchgespielt hatte, musste etwas Neues her.
So entschloss man sich, einfach ein Prequel zu drehen und den Zeitraum auf das Ende der Industriellen Revolution anzulegen (1889). Michael Gross spielt dabei einen Vorfahren seines Ausgangscharakters Burt Gummer. Sein Name hier: Hiram Gummer, wohlhabender Minenbesitzer und eitler Snob. Er sieht sich gezwungen, sich in die Gesellschaft des Proletenvolkes aus dem Örtchen Rejection zu begeben, weil es wohl Probleme bei seiner Mine gibt: diverse Minenarbeiter wurden einfach verschluckt! Mit Hilfe einiger Dorfbewohner macht er sich auf die Jagd (und treibt nebenbei mit seiner hochnäsigen Art die rustikalen Typen aus Rejection zur Verzweiflung), doch der Feind ist größer als angenommen. Da heuert Gummer einen söldnerischen Revolverhelden an, um die Biester in die ewigen Jagdgründe zu befördern.

Der vierte Aufguss der semi-erfolgreichen Monstertrash-Serie ist ein durch und durch zwiespältiges Erlebnis. Positive und negative Punkte gehen Hand in Hand. Daher will ich mit ersteren anfangen.

Zunächst fällt eben das neue Ambiente auf. Der Ausflug in eine andere Zeit funktioniert besser, als erwartet. Im Vorfeld musste man Schlimmes befürchten, weil gerade der Original-"Tremors" durch die hinterwäldlerische Atmosphäre des rückständigen Wüstenkaffs punkten konnte. Doch das Flair bleibt erstaunlicherweise weitestgehend erhalten; zumindest, soweit es auch von Teil 2 und 3 versprüht wurde.
Wiedermal bedeutungsintensiv ist der Name des Örtchens, bei dem es sich zwar um dasselbe wie in den Vorgängern handelt, das aber damals noch einen anderen Namen trug. War der neue Name "Perfection" noch reine Ironie, metaphorisiert die Ortsbezeichnung "Rejection" jene Siedlung als Festung, deren Ziel es ist, die fiesen Erdwürmer abzuwehren.
Kostüme und Kulissen sind zwar dem Budget entsprechend deutlich als solche zu erkennen, haben aber dennoch ihren Anteil daran, dass durchaus Atmosphäre aufkommt.

Dass der Anspruch auf historische Korrektheit nicht gegeben ist, zeigt auch die Selbstironie, die den größten Anteil am Spassfaktor hat. Nie nimmt sich diese Trashausgeburt ernst, das Augenzwinkern ist stets deutlich zu spüren. Wunderbar schräg sind dann auch die Figuren. Im Mittelpunkt steht natürlich das Urgestein Michael Gross. Manchen mag es stören, dass er mit dem Waffennarren Burt Gummer aus Teil 1-3 überhaupt nichts mehr gemein hat. Im Gegenteil, er trifft die Riesenwürmer nicht mal, wenn sie unmittelbar vor ihm stehen. Entschädigt wird der Zuschauer dafür von einer wunderbaren alternativen Rolle, die Gross quasi wie auf den Leib geschrieben scheint. Denn er mimt den reichen Industriellen so wunderbar weltfremd, dass er inmitten all der erfahrenen Landeier wirkt wie ein wandelndes Fettnäpfchen.
Der restliche Cast gibt auch keinen Grund zum Unmut. Der Revolverheld, bekannt u.a. aus einer Akte X-Folge als Voodoo-Guru, gibt eine schön schmierige Vorstellung zum Besten. In bester Han Solo-Manier ist sein Sold für ihn das höchste Gut, und obwohl er manchmal mitfühlende Züge erahnen lässt, hat er letztendlich doch nie das nötige Taktgefühl.
Die chinesischen Ladenbesitzer bilden eine Überleitung zum Original-"Tremors" und erklären, wie der dortige Ladenbesitzer in das Örtchen gekommen ist. Obwohl der übertriebene Dialekt manchmal nervt.

Erfreulich ist auch die Tatsache, dass man sich bezüglich des Creature Designs wieder auf die Wurzeln besonnen hat, sprich: auf die eigentlichen "Graboiden" (dieser Ausdruck kommt übrigens konsequenterweise in "Tremors 4" nicht vor... klar, der wurde ja auch erst 100 Jahre später erfunden). So sehr diese feuerfurzenden Truthähne aus Teil 3 und die Tyrannosaurus-Hühnchen aus Teil 2 den Kult-Trash-Faktor auch in die Höhe getrieben haben: mich hat es immer gestört, dass man sich aus der Erde hinausgewagt hat. Denn der Aspekt des Angriffs aus dem Erdreich hat dem Original erst den besonderen Kick gegeben. Die Urmonster waren eine komplementäre Variation zum "Weißen Hai" (Wasser), "Jurassic Park" (Land) und "Die Vögel" (Luft). Schön, dass sie wieder zurück sind. Eine weitere Mutation der "Arschknaller" möglicherweise hin zum Amphibienwesen oder so hätte wohl niemandem genützt.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass das Ende in seiner Ausführung sehr originell ist (bitte jetzt keinen grandiosen Storytwist erwarten; ich rede lediglich von der Ausführung).

Doch genug des Lobes. Kommen wir zum Negativen.
Für einen Monsterfilm gibt es eindeutig zu viele Dialoge und zu wenig Action. Zwar ist die Serie sowieso eher für dosierte Actioneinlagen bekannt (Teil 1 war noch am actionreichsten), doch hier nimmt der Dialoganteil bisweilen Überhand.
Eng damit verbunden ist die Tatsache, dass die Dramaturgie schlecht ausgearbeitet ist. Ohne roten Faden nimmt das Geschehen seinen Lauf. Diverse Storystränge verlieren sich einfach im Nichts.
Auch die Tools sind eher rar gesät. Eine Ausnahme gibt es: die Riesenschrotflinte ist einfach kultig. Yeah, so muss das sein. Leider ist das schon alles. Panzerwagen? Infrarotgerät? Raketenwerfer? Fehlanzeige. Klar, wir befinden uns im 19. Jahrhundert. Trotzdem darf da etwas Innovation erwartet werden.

Ich habe das Gefühl, die "Tremors"-Reihe könnte ewig weitergehen, ohne nennenswert besser oder schlechter zu werden. Mit "Tremors 4" gibt sich schon das dritte Sequel auf gleichbleibendem Durchschnittsniveau die Ehre. Wie immer sehenswert ist der ganz eigene Humor und die Selbstironie, die der Reihe wohl eine kleine, aber feine Fangemeinde beschert haben dürfte. Andererseits sind die filmischen Schwächen und das geringe Budget deutlich spürbar.
Was soll`s. Nicht jeder Fan des Originals wird sich mit diesem Film anfreunden können, aber wer mit dem zweiten und dritten Teil zufrieden war, der wird auch hier seine Freude haben.
5/10

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