Review
von Leimbacher-Mario
Verführerisch-stacheliger Fistbump
„Death Walks At Midnight“ ist ein Paradebeispiel, warum man als Giallofan den Namen Luciano Ercoli definitiv auf seiner Liste haben sollte. Eine italienische Schauspielerin hat unter Einfluss von Drogen Visionen eines grausamen Mordes - eine junge Brünette wird von einem zwielichtigen Mann mit einer gezackten Eisenfaust (!) bestialisch erschlagen. Doch diese Bilder im Drogenrausch scheinen keine Einbildung gewesen zu sein, machen dank einer gewieften Fotografenaffäre national Schlagzeilen und lassen den Killer schon bald auch an ihre Tür klopfen...
Von der legendären, bavaresken Mordwaffe über die etlichen möglichen Täter (obwohl die Auflösung zumindest teilweise doch recht früh klar ist) bis hin zu den wunderhübschen Damen, einem tretenden und schlagenden Showdown auf den Dächern und einem irrwitzig kichernden deutschen Gangster - „Death Walks On Midnight“ unterhält fabelhaft. Es wird fast schon meisterhaft mit Erinnerungen und Illusionen gespielt, es werden Finten und Kurven geschlagen wie von einem Hasen mit Todesangst, es gibt skurrile Nebenfiguren, die alles gekonnt auflockern. Es ist immer wieder eine Pracht und Genugtuung, nahezu komplette Neuentdeckung, solche italienischen Filmschönheiten nun endlich nahezu perfekt restauriert erleben zu dürfen. What a Time to be alive für Genrefans im Heimkino!
Fazit: ein Giallo in der Tradition Bavas - stilvoll, schwungvoll, kurvig. Und die Auflösung(en) haben mehr doppelte Böden, als man auf den ersten Blick zu durchschauen mag. Denkt mal drüber nach. Gefickt eingeschädelt.