Review

Matthias arbeitet bei 'My Companion' und lässt sich als Begleiter auf gehobenem Niveau buchen. Regelmäßig schlüpft er in passgenaue Rollen für seine Auftraggeber, hadert zugleich aber immer mehr damit, er selbst sein zu können. Als seine Freundin sich von ihm aufgrund seiner unterkühlten Distanziertheit trennt, gerät er in einen wahnwitzigen Strudel der Erkenntnis. 

Sicherlich denkt man sofort an Ruben Oestlund, wenn es um aktuelle Gesellschaftssatire geht, immerhin war sein 'The Square' ein Headliner im Feuilleton und auch 'Triangle of sadness' mangelte es trotz aller Kritiken weder an Witz noch an Bissigkeit. 

All das und noch ein bisschen mehr hat auch Bernhard Wengers Regiedebüt 'Pfau - Bin ich echt?' zu bieten. Neben einem großartigen Hauptakteur bilden Inszenierung und Erzählung eine veritable Symbiose. Mit schwarzem Humor, allerhand Sarkasmus und satirischem Sachverstand wird Matthias' Geschichte als professioneller Begleiter, oder besser noch Mietfreund, erzählt. Während er bei seinen Aufträgen überzeugt und stets beste Bewertungen von seinen Auftraggebern erhält, versagt er im Privaten auf ganzer Linie.

Der Film ist eine zynische Anekdote auf die Fähigkeit, sich zu verstellen, kategorisch zu funktionieren, und andere glauben zu lassen etwas zu können oder zu sein, was man unter Umständen gar nicht kann oder ist. Der Film ist aber auch eine Warnung darüber, sich selbst zu vergessen durch die unentwegte Funktionalität die man im oktroyierten (Arbeits-)Alltag aufbringt. Dieser Aspekt und die Reflektion aus Sein und Schein bescheren Regisseur Wenger schlussendlich einen klaren Vorteil gegenüber all der anderen obligat gesellschaftskritischen Satiren der Gegenwart.

Getragen wird der Film von einem hervorragend agierenden Ensemble, dem man das Zusammenspiel jederzeit abnimmt. Es gibt keine charakteristischen Übertreibungen wie bei Oestlund, vielleicht fehlt es dadurch auch an einem Hauch von Bissigkeit wenn nicht sogar Bösartigkeit. Dafür bleibt Wengers Inszenierung nahezu bodenständig und viel näher beim Publikum. 

Fazit: Clevere Gesellschaftsparabel über das Sein, den Schein und das Verlorensein im Schein. Großartig. 

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