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Die unscharfen, mit schmalzigen Liebesschnulzen unterlegten Bilder des VHS-Tapes von ihrer Hochzeit sind nur noch eine verblassende Erinnerung an bessere Zeiten, als Iris (Beauty Gonzalez) und Francis (Sid Lucero) sich dereinst das Ja-Wort gaben. Heute jedoch ist alles anders. Alles! Die inzwischen 4-köpfige Familie Abel ist nämlich auf der Flucht: auf den Philippinen ist ein Zombie-Virus ausgebrochen, der die Mehrheit der Menschen befallen hat, die nun einzeln oder in Gruppen überall herumstreunen.
So hat Vater Francis kurzerhand seine Frau, die Söhne Joshua (Marco Masa), etwa 15 und Lucas (Aiden Tyler Patdu), etwa 8 Jahre alt sowie ein paar Habseligkeiten ins Auto geladen und steuert seinen völlig heruntergekommenen Kleinbus über ländliche Pfade zu einem großen Gutshof. Es ist das Haus seiner Eltern, doch er kommt zu spät: der Vater hat sich bereits selbst erschossen und liegt tot auf seinem Bett, die Mutter erwacht gerade in der Küche und geht fauchend auf Francis los - der muß sie notgedrungen mit der Waffe seines Vaters erschießen. Nach dem Begräbnis im Garten beschließt die Familie, vorerst im Haus zu bleiben.
Doch während Francis sich im Haus seiner Eltern für längere Dauer einrichten will, drängt ihn Iris, sich wieder auf den Weg zu machen. Irgendwo da draußen muß es doch Hilfe geben. Auch wenn es keinerlei Empfang mehr für Handies, TV oder Rundfunk gibt, so enthielten die letzten gesendeten Nachrichten doch den Hinweis, sich 'Richtung Norden' durchzuschlagen. Einen Versuch gesteht Francis seiner Familie zu, doch die kurze Fahrt endet auf einer Brücke, wo schon ein Dutzend verlassene Fahrzeuge eine Weiterfahrt verunmöglichen. Mehr noch: es tauchen einige Zombies auf, die die Abels angreifen - Francis kann sie nur mit seiner Pistole stoppen. Bald sind die vier wieder auf dem elterlichen Gutshof, wo der Familienvater Türen und Fenster verrammelt. Doch während die Zahl der dort aufkreuzenden Zombies in den folgenden Wochen immer geringer und ein Spaziergang nach draußen immer gefahrloser möglich wird, beschließt Francis, daß überhaupt niemand mehr aus dem Haus gehen sollte...

Unter dem Allerweltstitel Outside hat Regisseur Carlo Ledesma eine Zombie-Apokalypse kreiert, in der die anfängliche Bedrohung von außen sich langsam zu einer Bedrohung von innen wandelt. Denn obgleich immer wieder Untote auftauchen, die vom anfänglich fürsorglich auftretenden Francis erledigt oder vertrieben werden müssen, wandelt sich der Familienvater selbst immer mehr zu einem Besessenen. Das philippinische Familiendrama überzeugt dabei durch ebenso einfache wie durchdachte Dialoge zwischen den nur 4 Protagonisten, die dem Zuschauer langsam aber sicher die seelischen Abgründe offenbaren, die bei Francis, bedingt durch die strenge Erziehung seines Vaters, langsam durchbrechen und die Familie, die er doch zu beschützen vorgibt, zu zerbrechen drohen.

Während Francis immer mehr zum Tyrannen wird, gewinnt Iris zunehmend die Sympathien des Publikums: anfangs eher abweisend, unbeteiligt und stets mürrisch dreinblickend, versteht man mit zunehmender Laufzeit das Verhalten der Ärztin, die immer empathischer auftritt. Auch die beiden Kinderdarsteller meistern ihre Rollen überzeugend, wie es auch an der Kameraführung nichts auszusetzen gibt - besonderer Wert wurde bei der post production vor allem auf eine wirkungsvolle Geräuschkulisse gelegt. Neben den optischen Finessen gilt es jedoch auch, zwischen den Zeilen bzw. Szenen zu lesen: die vorgespielte Frömmigkeit wie das Gebet vor jedem Essen und erst recht die groteske Weihnachtsansprache sind wie das angeprangerte Patriarchat des in Francis´ Alpträumen auftretenden, zürnenden Vaters als deutlicher gesellschaftlicher Seitenhieb zu verstehen.

Einen Blick wert sind auch die Untoten, die in Outside allerdings nur eine Nebenrolle spielen: sie stieren meist blutverschmiert in die Richtung, aus der sie Stimmen vernehmen, staksen mit mittlerem Tempo durch die Gegend und übertragen das Virus wie gehabt durch Bisse und Verletzungen. Als kleine Neuerung äußern sie dabei beharrlich wiederholend die letzten Worte, die sie vor der Infektion noch im Sinn hatten: "Du gehst zuerst. Du gehst zuerst." oder "Im Namen des Vaters und des Sohnes" etc. etc., was durchaus zu einer bedrohlichen Stimmung beiträgt. Ein paar Headshots sowie eine Enthauptung sorgen für einen kleinen, aber feinen Gore-Anteil dieser Hintergrundhandlung.

Fazit: Outside bietet ein gut gemachtes Familiendrama vor dem Hintergrund einer Zombie-Apokalypse mit offenem Ausgang. Der mit 142 Minuten überlange, jedoch zu keiner Zeit langweilige Streifen, für den es keine deutsche Synchro gibt, läßt sich auch gut im Filipino-Original mit Untertiteln verfolgen und ist nicht nur für Zombie-Interessierte einen Blick wert: 7 Punkte.

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