Review

Gesamtbesprechung

„Es ist Deine Aufgabe, die Antwort zu finden.“ – Washi

Ein junges Mädchen fällt. Endlos lang. Begleitet von einer Krähe stürzt sie aus dem Himmel der Erden entgegen. Doch bevor sie zu Boden stürzt, verliert sie die Besinnung. Ungewisse Zeit später erwacht das Mädchen, nachdem sie sich aus einem Kokon befreit hat. Empfangen wird sie von anderen Mädchen verschiedenen Alters. Sie tragen hell leuchtende Ringe, die über ihren Köpfen schweben, und Flügel auf dem Rücken, die nicht zum Fliegen taugen. Sie nennen sich Haibane und nehmen den Neuankömmling liebevoll auf. Auch die „Neue“ ist eine Haibane und wird in Oldhome, dem Wohnsitz der Haibane-Mädchen, willkommen geheißen.

Das neue Mitglied der Gemeinschaft erhält den Namen Rakka und einen eigenen Leuchtring. Am zweiten Tag wachsen ihr Flügel. Schnell freundet sich Rakka mit ihren neuen Gefährtinnen an. Allerdings kann ihr niemand erklären, woher sie kommt. Auch die anderen haben keine Erinnerung an ein früheres Leben. Dennoch gelingt es Rakka, sich einzuleben. Sie lernt die Stadt kennen, in der Oldhome liegt, und die Menschen, die in ihr wohnen. Haibane sind in der Stadt sehr geachtet. Unruhe spürt Rakka nur durch die hohe Mauer, die die gesamte Stadt einschließt. Ein Mensch, der die Stadt einmal verlassen hat, darf nie wiederkehren. Anders bei den Haibanen: Irgendwann ist ihre Zeit gekommen, uns sie gehen auf die „große Reise“. Niemand weiß allerdings, was jenseits der Mauer auf sie wartet. Als eine Freundin plötzlich diese Reise antritt, ist Rekka erfüllt von Angst.

Die Anime-Serie aus der Feder von Yoshitoshi Abe (Serial experiments Lain“) ist ein wunderbares und schwer zu beschreibendes Beispiel dafür, wie japanische Zeichentrickkunst ihre kindliche Erzählweise nutzt, um komplexe Geschichten alles andere als kindisch darzubieten. „Haibane Renmei“ strotzt nur so von niedlichen Momenten und hochintelligenten Metaphern, ruhig erzählt und voll inniger Herzenswärme. 13 Folgen lang pure Poesie, in denen sich immer wieder neue Interpretationsansätze auftun.

Sünde und Sühne, die Angst vor dem verlassen werde, nicht loslassen können von geliebten Menschen. Anspruchsvolle Themen, auf ungemein leichtfüßige Weise verpackt. Wir lachen über Rakkas merkwürdige Frisur, die durch die statische Aufladung ihres Ringes entsteht. Wir leiden mit der Kette rauchenden Reki über ihr „ursündiges“ Dasein. Und wir erfahren die Herkunft von Donuts. Keine Action-Serie, und dennoch von der ersten bis zur letzten Minute packend und berührend. Ein Gedicht.
10/10

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