In einer dystopischen Zukunft bekämpft der Bürgermeister von Kapstadt das Obdachlosenproblem in seiner Stadt mit rigorosen Mitteln. Er will die Stadt grundlegend säubern und lässt dazu ein Gas entwickeln, das Menschen schmelzen lässt. Doch die Obdachlosen setzen sich zur Wehr.
Regisseur Ryan Kruger wagt sich hier an eine Neuinterpretation des legendären Body-Horror-Kultfilms von J. Michael Muro aus dem Jahr 1987. Während das Original im dreckigen New York der 80er spielte und als bissige Satire funktionierte, verlagert das Remake das Geschehen nach Kapstadt. Kruger nutzt die südafrikanische Kulisse, um soziale Ungleichheit, staatliche Brutalität und Machtmissbrauch in ein extrem buntes, comicartiges Gewand zu hüllen. Dass der Film hierzulande trotz seiner massiven Gewaltspitzen eine FSK 16-Freigabe erhalten hat, verdankt er vermutlich seinem völlig überdrehten, fast schon surrealen Look, der die Brutalität vom Realismus entkoppelt. So man noch “die guten alten Zeiten” überbordender Zensur der 80er und 90er Jahre kennt, kann das schon verwundern.
Während das Original von J. Michael Muro ein reiner „Melt-Movie“ im Brooklyn-Slum war, bei dem der Wein „Viper“ für das Schmelzen sorgte, nutzt Kruger die Prämisse im Remake für eine deutlich politischere Dystopie, die er aber auch direkt durch die schiere Masse an buntem Schleim und Body-Horror erstickt.
Die erste Hälfte des Films schleppt sich durch mäßiges Worldbuilding und stellt die irgendwo zwischen skurril und absurd angelegten Charaktere einer Gruppe Obdachloser vor. Das ist teils leidlich unterhaltsam, größtenteils aber einfach unnötig geschwätzig. Das zieht sich merklich und wirkt stellenweise lahm. Der Versuch, die dystopische Gesellschaft Südafrikas zu erklären, kratzt bestenfalls an der Oberfläche. Hier fehlt es trotz diverser Schmelzeinlagen noch deutlich an Zynismus, stattdessen setzt Kruger auf einige Albernheiten. Die Figuren bleiben genretypisch zweidimensional und dienen primär als „Schmelz-Material“.
Ist man bis dahin noch wach, erlebt man eine zweite Hälfte mit erheblich höherem Tempo, bis die Handlung im letzten Drittel in einer finalen Schlacht im Vernichtungslager explodiert. Dort spritzt der ikonische, in unzähligen Farben leuchtende Schleim in Massen, während die Unterdrückten gegen das herrschende Establishment aufbegehren.
Der große Pluspunkt sind dabei die Spezialeffekte. Diese sind erstaunlich ordentlich und fangen den Geist des Originals ein, wobei die giftgrünen, blauen und gelben Schleimabsonderungen im Kontrast zum düsteren Dreck Kapstadts stehen. Inszenatorisch ist das Ganze für Trash-Liebhaber aber in Ordnung. Kruger beweist Mut zur Hässlichkeit und zur extremen Farbe, kommt aber nicht ganz so roh und dreckig daher wie seinerzeit das Original. Waren 1987 noch alle Effekte rein mechanisch und chemisch, setzt Kruger in seinem Remake auf digitale Unterstützung, was dem Film einen weniger klebrigen Look verleiht.
Durchgeknalltes, splattriges Remake, das trotz lahmer erster Hälfte im letzten Drittel mit einer ordentlichen Packung Splatter punktet. Das Original gilt als Trash-Meilenstein, an den die eigenständige Neuinterpretation nicht heranreicht. Dazu fehlt es dann doch etwas an zynischen Gemeinheiten. Dank der vielen bunten Schleim-Effekte aber dennoch ein guter Happen für Freunde von Melt-Movies und des gepflegten Trashs.