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Ein bizarres Trash-Juwel, das alle Genregrenzen sprengt

Australien in den Achtzigern. Donny verliebt sich in die wunderschöne Jerboa. Nur leider ist Jerboa ein Werwolf. Das scheint Donny aber nicht zu kümmern, und die beiden flüchten flugs in die Wildnis. Währenddessen erhält Werwolf-Koryphäe Professor Beckmeyer den Auftrag, die pelzigen Untiere auszurotten. Doch Beckmeyer hat Mitleid mit den missverstanden Kreaturen und hilft ihnen, sich vor dem Militär zu verstecken. Ob das gut geht?

Howling III (1987) ist ein wilder Genremix, dessen Plot rein gar nichts mehr mit den beiden Vorgängerfilmen The Howling (1981) und Howling II (1985) gemein hat. Philippe Mora, der schon beim zweiten Teil auf dem Regiestuhl sass, bemüht sich hier um ganz andere Töne. Der Film beginnt als Romanze, mutiert zur Horrorkomödie und endet als sentimental-humanistischer Appell gegen den Rassismus. Howling III ist nicht viel mehr als ein dilettantisches, bizarres Flickwerk. Aber einzelne Szenen sind durchaus unterhaltsam, und im Script stecken einige spannende Ideen. Es lohnt sich also, etwas genauer hinzuschauen.

Die humorvollen Passagen des Films zeugen von überraschender Selbstreflexion. Mora führt einen Regisseur ein, der sich gebärdet wie ein Hitchcock und einen Schundstreifen der untersten Schublade dreht, während er prätentiös von Andy Warhol und Popkultur faselt. Zum Schreien komisch ist die Szene, in der Jerboa und Donny einen Horrorfilm im Kino anschauen: Ein B-Movie im B-Movie! Meta-Ebene, hurra! Überhaupt ist Howling III reich an Querverweisen. Psycho (1960) wird hier ebenso munter zitiert, wie Alien (1979) und An American Werewolf in London (1981). Die Schlussszene greift gar das bekannte Ende des ersten Howling-Films wieder auf. In Sachen Horror setzt Mora vor allem auf Ekel: Der Film wartet mit einigen grotesken Sequenzen auf, unter denen vor allem die surreale Geburtsszene heraussticht. Gegen Ende gleitet der Film in romantischen Kitsch ab. Teilweise beschleicht einen gar das Gefühl, eine pervertierte Vorform der Twilight-Serie zu betrachten – hier einfach mit Werwölfen statt mit Vampiren.

Howling III dürfte einer der originellsten Werwolf-Filme sein, die jemals gedreht wurden. Hier sind die Werwölfe nämlich keine bösen Untiere, sondern eine vom Aussterben bedrohte Spezies, für die Professor Beckmeyer schliesslich sein Leben aufs Spiel setzt. Mit der Zeit wachsen einem die kuriosen Kreaturen fast ein bisschen ans Herz. (Mag auch daran liegen, dass einem gut eine Stunde lang das Hirn weich geklopft wurde.) Philippe Mora wagt es, die festgefahrene Werwolf-Mythologie aufzurütteln. Das ist sympathisch. Auch das Hauptthema des Filmes kann ernst genommen werden: Es geht um Beziehungen zwischen zwei unterschiedlichen Ethnien. Bei alledem darf man aber natürlich nicht vergessen, dass vieles an diesem Film einfach nur unfassbar schlecht ist: Das Schauspiel ist über weite Strecken unterirdisch bis lachhaft, die Spezialeffekte verdienen diesen Namen kaum und die Geschichte klafft nur so vor Logiklöcher. Alle zehn Minuten setzt uns Mora was vor die Nase, das uns entsetzt fragen lässt: „Was zur Hölle ist das hier eigentlich?“ Aber genau für solche Grenzerfahrungen tun wir uns doch Trash-Filme an, und Howling III ist in dieser Hinsicht ein echtes Juwel.

Philippe Moras Howling III ist eine chaotische Mischung aus Horror, Komödie, Romantik und purem Wahnsinn; eine ungewöhnliche, einzigartige Werwolf-Geschichte. Das ist der Stoff, aus dem Kultfilme gemacht sind.

4/10

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