"This car suits you." - "Old and slow."
Immerhin weit in der Weltgeschichte herumgekommen ist Aaron Eckhart in seinen letzten Filmen, mal die amerikanische Metropole, mal deren Provinz, dann Griechenland, Ungarn, nun Malta, zwischendurch war sicherlich auch mal Bulgarien mit drin. Gerade die letzten Erzeugnisse wie Bricklayer, vom Chief of Station und nun Classified haben noch mehr Gemeinsamkeiten, man könnte auch eine Trilogie mit etwas Anpassung draus machen, sie hatten (bislang) auch alle leider nicht die entsprechende Umsetzung, die sie vom Potenzial her boten, gerade angesichts eines noch vergleichsweise höheren Budgets und der Regisseure dahinter, ausgewiesene Kenner der Materie, mit Renny Harlin begonnen, nun Roel Reiné, dazwischen Jesse V. Johnson:
Der für The Division, eine nicht offizielle Unterabteilung der CIA als Berufskiller tätige Evan Shaw [ Aaron Eckhart ], welcher eigentlich für den Freund/Bekannten Kevin Angler [ Tim Roth ] tätig ist, und seine Informationen nur aus den Kleinanzeigenteil verschiedener Zeitungen erhält, erfährt eines Tages von der ihm folgenden MI:6 Analystin Kacey Walker [ Abigail Breslin ], dass Angler längst tot und seine Abteilung aufgelöst bzw. von Liona [ Kim DeLonghi ] und Antonio Griffin [ Matt Hookings ] übernommen sein soll. Beide haben auch bereits eine Killertruppe auf den sich zu Zweit auf die Suche nach der Wahrheit machenden Agenten losgeschickt.
Produziert wie die anderen Werke auch (?) von Saban Films, mittendrin gab es auch mal Ärger am Set, ein Problem zwischen den (männlichen und weiblichen) Hauptdarstellern, einseitige Vorwürfe, es wurde mit einer Drohung der Verklagung 'geklärt'. Was genau passiert ist, blieb hinter den Kulissen, vor den Kulissen sehen wir den Schauplatz von Malta, erneut, Steuervergünstigungen, übrigens taucht auch das Logo vom ZDF auf, mit dem Zweiten sieht man besser. Die Laufzeit ist wieder bisschen mehr als nötig, 105min, früher hat man sich mit anderthalb Stunden zufriedengegeben, das war meist im Interesse des Zuschauers, keine oder weniger Längen aufkommend, selten gab die Geschichte soviel Stoff her, selten machte es Sinn.
Das Geschehen ist hier eingangs etwas dunkel und blässlich eingefangen, das ist seltsam angesichts der Reputation des Regisseurs, er sorgt trotz geringer Finanzierung größtenteils für Hochglanzbilder, es wird mit einer Rückblende, einem Bürogespräch gestartet. Die Handlung selber macht seine üblichen Wirren und Verwirrungen um Konspirationen und Verschwörungen, Niemandem kann man trauen, vor allem nicht den Leuten an der eigenen Nähe, der Rest geht wenigstens mit der Waffe voran in den Kampf und zeigt gleich seine volle Absicht und die schussbereite Breitseite. Bis dahin dauert es noch etwas, eine Reise angetreten, ein Job zurückgenommen, es wird von Tokyo nach New York gereist, mit dem Finger auf der Landkarte nur natürlich. Codes werden entziffert, Zahlen dechiffriert, sich in der Gesellschaft aufgehalten und gleichzeitig Arbeit getätigt, Erinnerungen hervorgerufen, ein Mann mit Trauma hier. Viele in Bewegung ist man eingangs, werden Kleinigkeiten zusammengetragen, Zitate aus Büchern geboten, der Rest ist Vorbereitung für eine Mission, die Ausführung eines Planes, das kommt phasenweise ohne Dialog aus oder bloß mit den gewohnten Konversationen, das folgt seinem Darsteller bei jeder Aktion.
Die Szenerie wird größer und ausgekundschaftet, mit der Pistole auf der Brust geschlafen, zwischendurch immer wieder mal 'Erscheinungen' und Rückblenden, eine länger wirkende Einleitung, möglicherweise etwas Größeres im Sinn. Ein Attentat, das sich schwieriger gestaltet als gedacht, ein Nahkampf auf dem ausgesuchten Standort, dazu eine wechselseitige Beobachtung, mehrere Tote in der Wachmannschaft, manche mit eingeschlagenen Schädel, die anderen per Kopfschuss umgebracht. Von der Distanz in die Nähe muss man gehen, Umwege machen, von der Lautlosigkeit in das Knallen der Pistolen, das Ende des Auftrages, der Beginn einer Geschichte. Arrangements wurden getroffen, Eckhart erneut als stiller Einzelkämpfer, mit mehr Feinden als Freunden, mit seltsamen Hobbys, das Schauspiel reduziert wie bei den anderen Arbeiten auch, eine Aufwändigkeit, die Rollen mittlerweile im Schlaf spielen könnend, die Routine ist eingekehrt. Reiné, der zuletzt in der Heimat tätig war oder für das Fernsehen, der den DtV- Tätigkeiten ein wenig den Rücken zugekehrt hat, bemüht sich hier um das Porträt eines sattsam bekannten Mannes, er wird die anderen Arbeiten möglicherweise nicht gesehen haben, dort wurde das Gleiche geboten, es ist verlorene Liebesmüh' hier.
Erste Merkwürdigkeiten kommen nach 20min, neue Informationen, neue Instruktionen, nach einer halben Stunde wird Malta (offiziell) angesteuert, ein Steuerparadies für Filmemacher, eine Touristenattraktion, zuletzt für diverse Werke verarbeitet, darunter Attraktionen für Adkins und Grillo, die Konkurrenz quasi hierzu. Immerhin werden die Bilder jetzt kräftiger, Valletta mit seinen Postkartenansichten genutzt, in Teal & Orange gefilmt, das Killerteam informiert, "It's Showtime" ausgerufen, vielleicht auch mal Actionszenen präsentiert. Kontakt gibt es dann in einer verlassenen Einrichtung, ein Gesell über die Brüstung geworfen, das Feuer eröffnet, die Jagd ist ausgerufen; so richtig bei der Sache wirkt man nicht, trotz einer kurzen Einlage auf dem Marktplatz, werden störende Anwohner mit Warnschüssen vertrieben, "a wakeup call of sorts." Eine solide Verfolgungsjagd durch die engen Gassen nach einem Auto als Rammbock und benutzten Anschlag inmitten von ahnungslosen Menschenmassen treibt ein wenig die Anspannung hoch, lässt die Stuntcrew ran und die Second Unit ihren Job das erste Mal richtig machen; zudem wird ein Safehouse unter Belagerung genommen. Der Rest ist die einfache Spionageplotte, zwecklos zerdehnt und unnötig verkompliziert, wie die anderen beiden Werken auch, wurde dort aber etwas mehr Wert auf Abwechslung gelegt. Ein Massen-Shootout mit vielen Leichenbergen an und in einem Außenposten lässt dann etwas mehr Aufmerksamkeit springen, Aufräumarbeiten mit Pumpgun, Handgranaten und RPG in der etwas längeren Art, mit speziellen Zeitlupen versehen; das Finale als das Beste (und einzig Gute), warum nicht gleich so von Anfang an, warum nicht gleich zu Start?